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Ulm

10.12.2019

Klüpfel und Kobr wagen sich ins Ungewisse

Mit seinem Kommissar Kluftinger hat das Autorenduo Michael Kobr (links) und Volker Klüpfl zahlreiche Bestseller geschrieben. Jüngst präsentierten die beiden Allgäuer mit „Draußen“ im Ulmer Roxy einen Thriller.
Bild: Andreas Brücken

Die Väter von Kommissar Kluftinger wenden sich vom Heimatkrimi ab und dem Thriller-Genre zu. Das Ergebnis kommt im Roxy Ulm gut an. Doch so voll wie früher ist es nicht.

Mit dem Kult-Kommissar Kluftinger machte das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr den Weg für Heimatkrimis in den Bestsellerlisten frei. Doch für ihr neues Werk haben die beiden Schriftsteller ihrer schrullig-kauzigen Hauptfigur aus dem Allgäu den Rücken gekehrt und sich dem Thriller-Genre zugewandt. Rund 200 Besucher sind zur Autorenlesung ins Ulmer Roxy gekommen, um einen Eindruck von der neuen Schaffensphase der beiden Autoren zu bekommen.

„Viele Menschen werden sterben und das Blut wird in Strömen fließen“, verspricht Kobr gleich zu Beginn der Lesung. Deshalb sollten sich die Zuschauer unter 16 Jahren für den Rest des Abends Augen und Ohren zuhalten, sagt er weiter, während ihm sein Kollege Klüpfel ins Wort fällt: „Die Jugendlichen sind heute nicht mehr so zart besaitet wie du damals.“ Und prompt schweifen die beiden in die gewohnt amüsanten Dialoge ab, wie sie die Fans bereits aus den vorhergehenden Liveauftritten kennen und lieben. Dabei verschonen die Schriftsteller mit ihrer bildhaften Sprache die Zuhörer nicht vor grausamen Details: „Ich habe als Kind bei ‚Aktenzeichen XY‘ gesehen, wie einem Mann der Finger mit einer Gartenschere abgetrennt wurde, damit der Räuber an den Ring kommt“, erzählt Kobr, und Klöpfel ergänzt trocken: „Die von Gardena machen halt a gescheite Qualität.“

Der Roman "Draußen" spielt im Wald - doch der ist keine Idylle

Damit ist dem Duo ein gelungener Einstieg für das Wechselbad zwischen Horror und Humor aus dem aktuellen Buch „Draußen“ gelungen: Vor einem idyllischen Hintergrund, auf dem blutrote Herbstbäume eingeblendet sind, liest Klüpfel von einer jungen Frau, die den Moment genießend auf dem Waldboden liegt, bis sich neben ihr ein Hase in einer Schlinge verfängt. Zärtlich streichelt das Mädchen das Tier und flüstert ihm beruhigende Worte zu, bis sie ihm mit einem geübten Griff das Genick bricht. „Das ist jetzt mal eine Stimmung, bei der man bestimmt nicht lachen muss“, kommentiert Klöpfel die Szene dem Publikum, das unsanft aus dem Kopfkino gerissen wurde. Die Rede ist von der Hauptfigur, dem geheimnisvollen Mädchen Cayenne und ihrem Bruder Joshua, die auf der Fluch im Wald leben.

Klüpfel und Kobr wagen sich ins Ungewisse

Geschickt spielen Kobr und Klüpfel sowohl in ihrem aktuellen Buch als auch auf der Bühne mit den Gegensätzen von Klamauk und Thriller, schlagen den Bogen zwischen Spaß und Spannung und reizen mit überzogenen Charakteren die Genres gekonnt aus. Schnell wird klar, dass die Allgäuer auch alle Register des Horrors ziehen können. Ihrem Erfolgsrezept, mit überspitzt gezeichneten Figuren den Leser zu unterhalten, sind Klüpfel und Kobr bei aller Ernsthaftigkeit treu geblieben: Mächtige Geheimdienste, abenteuerliche Survivalcamps und Reichsbürger mit absurden Verschwörungstheorien sind der Nährboden für die neue Geschichte.

Klüpfel und Kobr begaben sich selbst in ein Survival-Camp

Um seinen Freiluftthriller glaubhaft zu präsentieren, schreckte das Autorenduo auch nicht vor dem Selbstversuch zurück: In einem Überlebenslager studierten Küpfel und Kobr im Wald, wie man ohne Streichhölzer Feuer macht oder sich ein Zelt aus Ästen und Blättern baut. Mit Videoeinspielungen bekommen die Besucher die Erlebnisse der beiden Abenteurer zu sehen – natürlich mit viel Klamauk und Situationskomik, wenn sich etwa die zwei Männer in der beengten Naturbehausung übereinander räkeln.

Auch mit ihrer aktuellen Livetour zeigen die Väter von Kommissar Kluftinger, was sie können, doch der Thriller im Wald hat offenbar nicht dieselbe Zugkraft wie die Allgäu-Krimis aus ihrer Feder. Standen die beiden damit bisweilen vor großem Publikum, reichen aktuell für die Extraportion Spannung deutlich weniger Stühle im Saal. Wer dennoch nach „Draußen“ geht, erlebt zwei Autoren, die den mutigen Schritt gewagt haben, sich von einem Erfolgsrezept zu trennen. Mit mehr Spannung und weniger Heimatcouleur geht der Blick über den Kässpatzen-Tellerrand spannend und unterhaltsam hinaus.

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