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Bürgerentscheid

09.02.2015

Knappe Mehrheit gegen Nordostumfahrung in Pfaffenhofen

Mit knapper Mehrheit haben sich die Pfaffenhofer für ein neues Verkehrskonzept und gegen die umstrittene Nordostumfahrung ausgesprochen.
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Mit knapper Mehrheit haben sich die Pfaffenhofer für ein neues Verkehrskonzept und gegen die umstrittene Nordostumfahrung ausgesprochen.
Bild: Florian Ankner

Ein spannender Wahlabend im Markt endet mit der Gewissheit: Die Pfaffenhofer haben entscheiden - sind sich aber trotzdem uneins. Nur 24 Stimmen machen den Unterschied. 

Genau eine Stunde nach Schluss der Wahllokale stand es fest: Die Pfaffenhofer haben sich für ein neues Verkehrskonzept und gegen die geplante Nordostumfahrung ausgesprochen. Allerdings mit einer knappen Mehrheit, am Ende machten nur 24 Stimmen den Unterschied. So lautete das Ergebnis: 1344 Stimmberechtigte wählten das alternative Konzept (und stimmten an den Urnen mit "Ja"), das sind 50,5 Prozent. 1320 Wahlberechtigte votierten mit "Nein", also 49,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,2 Prozent, 2678 von 5553 Wahlberechtigten haben ihre Stimmen abgegeben.

Bei dem Entscheid ging es um die Umfahrungsstraße, die seit 2006 geplant ist. Der Bau verzögerte sich, da sich zwei Landwirte juristisch gegen eine Enteignung ihrer Grundstücke wehrten. Das Bürgerbegehren für ein neues Verkehrskonzept wollte nun eine Alternative zum Straßenbau erwirken. Aus Sicht der Initiatoren ist das Vorhaben "Nordostumfahrung" veraltet und mit Kosten von rund 2,2 bis 2,5 Millionen Euro auch zu teuer. Außerdem werde im Zuge der 1,6 Kilometer langen Trasse zu viel Land bebaut.       

Im Rathaus wurde die Auszählung der insgesamt sieben Wahlbezirke live übertragen. Dabei änderten sich Mehrheiten einige male: Zuerst war um 18.07 Uhr Biberberg ausgezählt, mit klarem Votum von 80 Prozent gegen das neue Verkehrskonzept. Fast gleichauf lagen "Ja"- und "Nein"-Stimmen dann, als die Bezirke Berg, Roth und Kadeltshofen hinzukamen. Dann stellte sich heraus, dass bei " Pfaffenhofen I" offenbar die Stimmenanzahlen vertauscht worden waren. Nach einer Korrektur lagen die Urheber des Begehrens dann knapp hinten, 49,7 Prozent (Ja) zu 50,3 (Nein) lautete dann zwischenzeitlich die Bilanz. Erst die Briefwähler brachten Gewissheit: Deren nahezu 800 Stimmen waren ganz zum Schluss ausgezählt. Und das Ergebnis drehte sich erneut: Schließlich lagen die Urheber des Begehrens mit einem Prozentpunkt (oder 24 Stimmen) vor ihren Gegnern.   

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Das knappe Ergebnis sorgte für lange Gesichter - bei Verlierern wie auch bei Gewinnern. "Recht ernüchtert" zeigte sich Klaus Vidal, der Initiator des Bürgerbegehrens für ein neues Verkehrskonzept am Sonntagabend bei der Bekanntgabe der Zahlen im Rathaus. Er habe ein deutlicheres Ergebnis erwartet, sagte er. "Ich traue mich noch gar nicht recht, das zu realisieren." Gleichwohl äußerte der ÖDP-Mann, der für die Freien Wähler im Marktrat sitzt, die Hoffnung, dass nun schnell an einer alternativen Lösung gearbeitet werde, um das Verkehrsproblem in Pfaffenhofen zu lösen. Das bedeuutet aus seiner Sicht: Die Tavernekreuzung muss umgebaut werden. Wie genau, das sollen nun Stadtplaner in einem Ideen-Wettbewerb herausfinden. Geht es nach Vidal, dann sind die Bürger daran zu beteiligen, in dem man die Vorschläge öffentlich vorstellt. Nun sei die Marktgemeinde gefragt, den Impuls zu geben. 

Marktrat Karlheinz Thoma (SPD), der sich mit der Initiative "Umfahrung jetzt" in den vergangenen Wochen für den Bau der Umfahrungsstraße eingesetzt hatte, war enttäuscht. "Das Ergebnis begeistert mich natürlich nicht", sagte er am Sonntagabend. Der Entscheid sei wohl auch nur für das neue Konzept ausgegangen, weil viele auswärtige Pendler, die täglich in Pfaffenhofen im Stau stünden, nicht mitgewählt hätten. Thoma blieb dabei: Weder Kreisverker noch Ampel im Ort könnten das Verkehrsproblem lösen. Auch ein Planungswettbewerb werde nichts anderes erbringen. Dieser koste lediglich Zeit und Geld. "In einem Jahr sind wir an der selben Stelle wie heute", prophezeite Thoma. Mit Blick auf die Zahlen stellte er fest: "Die Gemeinde ist gespalten." Das Ergebnis sei zwar eines, aber zugleich auch wieder nicht.

"Spannend bis zum Schluss" hat Bürgermeister Josef Walz (CSU) die Auszählung miterlebt. Er werde das Ergebnis nun dem Landkreis mitteilen, der für die betreffenden Straßen zuständig sei. Dort müsse entschieden werden, wie es weiter geht. Mit dem Ausgang selbst war Walz augenscheinlich nicht zufrieden -man habe Jahrzehnte an dem Straßenbau gearbeitet und nach Lösungen gesucht. Letztlich sei die Konzeption konsensfähig gewesen. "Jetzt ist wieder alles offen und wir beginnen von Neuem."   

Wie es nun konkret weitergeht, konnte der Rathauschef nicht sagen. Er nehme an, dass Vidal die entsprechenden Anträge im Marktrat einreichen werde.   

    

   

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