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Entscheid

09.02.2015

Knappe Mehrheit gegen Umfahrung

Großer Andrang: Zeitweise hatten die ehrenamtlichen Helfer in den Pfaffenhofer Wahllokalen viel zu tun, so wie hier in der Köhl-Schule.
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Großer Andrang: Zeitweise hatten die ehrenamtlichen Helfer in den Pfaffenhofer Wahllokalen viel zu tun, so wie hier in der Köhl-Schule.
Bild: Andreas Brücken

50,5 Prozent der Wähler in Pfaffenhofen sprechen sich für ein neues Verkehrskonzept aus. Das sorgt für lange Gesichter bei den Verlierern – aber auch die Sieger geben sich ernüchtert

Gegen 19 Uhr ist die Spannung im Rathaus förmlich zu Greifen. Mehrere Bürger drängen sich im Büro von Bürgermeister Josef Walz zusammen, nur das Summen des Projektors ist zu hören, man könnte ein Stecknadel fallen hören. Dann flackert das Bild an der Wand auf, die Auszählung ist beendet – der blaue Balken der „Ja“-Stimmen ist etwas größer als der rote mit den „Nein“-Stimmen. Plötzlich ist es vorbei mit der Ruhe, ein Raunen geht durch die Menge. Mit versteinerter Miene gibt Bürgermeister Walz das Ergebnis bekannt: Eine knappe Mehrheit der Pfaffenhofer hat sich beim Bürgerentscheid für ein neues Verkehrskonzept ausgesprochen – und damit gegen die geplante Nordostumfahrung. Damit steht fest: Klaus Vidal, Marktrat und Initiator des Bürgerbegehrens, hat gewonnen.

Allerdings war es knapp: Am Ende machten nur 24 Stimmen den Unterschied. So machten 1344 Stimmberechtigte machten ihr Kreuzchen für das neue Konzept (ohne Umgehung), das sind 50,5 Prozent. 1320 Wahlberechtigte votierten mit „Nein“, also 49,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,2 Prozent, 2678 von 5553 Wahlberechtigten gaben ihre Stimmen ab. Bei dem Entscheid ging es um eine Umfahrungsstraße, die seit 2006 geplant ist. Der Bau verzögerte sich allerdings, weil sich zwei Landwirte juristisch gegen eine Enteignung ihrer Grundstücke wehrten. Vidal wollte nun ein neues Verkehrskonzept als Alternative zum Straßenbau erwirken. Dieser sei zu teuer und verbrauche zu viel Land.

Trotz seines Erfolgs zeigte sich Vidal nach Bekanntgabe der Zahlen im Rathaus „recht ernüchtert“. Er habe ein deutlicheres Ergebnis erwartet. „Ich traue mich noch gar nicht recht, das zu realisieren.“ Gleichwohl konnte er dann doch lächeln: Er hoffe, dass der Marktrat nun schnell an einer Alternative zur Umfahrung arbeite. Geht es nach Vidal, dann soll die zentrale Kreuzung im Ort umgebaut werden. Wie genau, das sollen nun Stadtplaner in einem Ideen-Wettbewerb herausfinden. Die Gemeinde sei gefragt, hier den Impuls zu geben.

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Sein Marktratskollege Karlheinz Thoma (SPD), der sich mit der Initiative „Umfahrung jetzt“ in den vergangenen Wochen für den Bau der Straße eingesetzt hatte, war enttäuscht. „Das Ergebnis begeistert mich nicht.“ Weder Kreisverkehr noch Ampel im Ort könnten das Verkehrsproblem lösen. Auch ein Planungswettbewerb werde nichts anderes erbringen. Dieser koste lediglich Zeit und Geld. „In einem Jahr sind wir an der selben Stelle wie heute“, prophezeite Thoma. Mit Blick auf das knappe Resultat stellte er fest: „Die Gemeinde ist gespalten.“ In diesem Sinne sei das Ergebnis sei zwar eines, aber zugleich auch wieder nicht.

„Spannend bis zum Schluss“ erlebte Bürgermeister Josef Walz (CSU) die Auszählung. Er werde das Ergebnis heute dem Landkreis mitteilen, der für die betreffenden Straßen zuständig sei. Dort müsse entschieden werden, wie es weiter geht. Mit dem Ausgang selbst war Walz nicht zufrieden – man habe Jahrzehnte an dem Straßenbau gearbeitet und nach Lösungen gesucht. „Jetzt ist wieder alles offen und wir beginnen von Neuem.“

Während die Ergebnisse aus den Wahlbezirken live ins Rathaus übertragen wurden, erlebten Gegner und Befürworter gestern Abend ein Auf und Ab. Die Mehrheiten änderten sich einige male. Zuerst war um 18.07 Uhr Biberberg ausgezählt, mit klarem Votum gegen das neue Verkehrskonzept. Fast gleichauf lagen die Stimmen, als Berg, Roth und Kadeltshofen hinzukamen. Dann stellte sich heraus, dass bei „Pfaffenhofen I“ die Stimmenanzahlen vertauscht worden waren.

Erst die Briefwähler bringen Gewissheit

Nach einer Korrektur lagen die Urheber des Begehrens knapp hinten, 49,7 Prozent (Ja) zu 50,3 (Nein) lautete zwischenzeitlich die Bilanz. Erst die Briefwähler brachten Gewissheit: Deren nahezu 800 Stimmen wurden zum Schluss ausgezählt. Und das Ergebnis drehte sich erneut: Am Ende lag Vidal einen Prozentpunkt vorne.

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