1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Königliche Kicker in der Kiesgrube

Weißenhorn

20.06.2013

Königliche Kicker in der Kiesgrube

Copy%20of%20DSC_8978.tif
3 Bilder
Galaktisch: Der große Zinedine Zidane hat auf diesem Ball unterschrieben.
Bild: Carsten

Die Hobbyfußballer von „Real“ Biberachzell haben sich einst nach dem weltbekannten Klub aus Madrid benannt. Heuer feiert ihr Verein sein 50-jähriges Bestehen

von Jens Carsten

Biberachzell Die Premiere geriet zum Budenzauber: Am 3. Juni 1963 absolvierten die Kicker des gerade neu gegründeten Hobbyfußballvereins Real Biberachzell ihr erstes Spiel – und fuhren einen Kantersieg ein. Es ging gegen „Atletico Hegelhofen“. Das Ergebnis: 10:2 für Real. Der Jubel war groß: Man freute sich, es den Fußball-Idolen aus der spanischen Metropole gleichtun zu können. „Das war ein toller Auftakt“, sagt Alfred Graf, der heutige Vorsitzende von Real Biberachzell. In diesen Tagen schwelgen wohl zahlreiche der inzwischen 186 Mitglieder des Vereins in Erinnerungen: Am Samstag feiern sie das 50-jährige Bestehen von Real Biberachzell. Nicht viele Freizeitmannschaften in der Region haben so lange überdauert.

Es begann mit einigen Fußballbegeisterten, die sich in der Kiesgrube trafen, um dort gemeinsam gegen das Leder zu treten. „Es gab zwar Vereine in Biberachzell, aber der Fußball kam damals etwas zu kurz“, sagt Graf. Es habe eine große Begeisterung für Real Madrid vorgeherrscht – in dieser Zeit ehrfurchtsvoll allerorten das „weiße Ballett“ genannt. Und so gaben sich die Sportler den Namen „Real Biberachzell“.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Zu ihren Lieblingskickern in Spanien knüpften sie Kontakte. Mit Erfolg: Vier Jahre nach Vereinsgründung gab es den ersten Briefwechsel. Der weltberühmte Klub gab dem Hobbyfußball im Weißenhorner Ortsteil seinen Segen: Man dürfe den Titel „Real“ gerne führen, aber nicht im offiziellen Spielbetrieb. Das wollten die Biberachzeller auch gar nicht: „Wir sind eine reine Hobbymannschaft“, so Graf.

In Spanien behielt man die Schwaben im Auge: Zum 25-jährigen Bestehen des Biberachzeller Vereins schickten die Madrilenen einen Wimpel, zum 40. Geburtstag kam ein Fußball per Post. Darauf die Unterschriften der Elf von 2003. Das Geschenk hat einen Ehrenplatz in der Trophäensammlung: Darauf zu lesen sind die Namen von Fußball-Legenden wie Luis Figo und Zinedine Zidane.

Ebenfalls im Schatzkistchen: Eine handgeschriebene Chronik, die die erste Dekade des Vereins begleitet. Liebevoll ist darin jedes Spiel dokumentiert, in schwungvollen Druckbuchstaben, manchmal mit Fotos und bunten Zeichnungen garniert.

Im Jahr 1986 wurde diskutiert, ob „Real“ in die Verbandsliga wechseln sollte. „Aber die Idee wurde verworfen“, sagt Graf. So sind die Biberachzeller ihrer Tradition als Freizeitmannschaft bis heute treu geblieben. Die Mitglieder kommen größtenteils aus dem Dorf, aber auch aus anderen Ortsteilen. Sie spielen gegen andere Hobbyteams, darunter die „Thaler Giganten“ oder die „Outsiders Finningen“.

Immer beliebter wird das Elfmeter-Turnier der Realer: Heuer haben sich 24 Mannschaften angemeldet, mehr als je zuvor. „Das ist ein Rekord“, sagt Wiora.

Auch der Frauenfußball hat in Biberachzell eine Heimat: Die „Real Goißa“ haben sich bei vielen Turnieren in der Region einen Namen gemacht. Der Verein bietet zudem eine Jugendabteilung und eine Gymnastikgruppe.

Der Fußballplatz hat sich über die Jahre verändert: Stetig investierten die Kicker Zeit, Geld und Schweiß, um ihre Spielstätte zu erweitern. Im Jahr 2008 wurden Strom- und Wasserleitungen installiert, zuletzt kam ein Fangzaun dazu. Eine wichtige Anschaffung: Denn der heilige Rasen von Real liegt auf einem Berg. Und manchmal gehen auch die schönsten Schüsse daneben: „Jedes mal musste einer springen und den Ball holen“, sagt zweiter Vorsitzender Dominik Wiora und lacht.

Für ihr Jubiläumsjahr haben sich die Vereinsmitglieder eine Reise vorgenommen: Im Herbst geht es nach Madrid, wo die Biberachzeller die Heimstätte ihrer Namensgeber, das Bernabéu-Stadion, besichtigen wollen. Und natürlich versuchen sie, Karten für ein Spiel zu ergattern. Vielleicht gibt es ja dann sogar einen Kantersieg gegen Atletico zu sehen. So einen wie 1963 gegen die Athleten aus Hegelhofen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren