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Ulm

30.06.2017

Königliche Schweden

Der Frontmann von Royal Republic: Der 32-jährige Schwede Adam Grahn setzt mit seiner Band die reiche schwedische Tradition von Rock aus Schweden fort.
Bild: Felix Oechsler

Trotz Notlandung während ihrer Anreise und anderthalbstündiger Verspätung überzeugen Royal Republic restlos.

Luke Göpper hat einen schweren Stand an diesem Abend. Weil die schwedische Band Royal Republic viel zu spät in Stuttgart gelandet ist, hat der Biberacher die Aufgabe, 700 wartende Fans zu unterhalten. Als Singer-Songwriter der eher leisen Töne, der vor den geborenen Rampensäuen aus Malmö auftreten muss, ein undankbarer, sehr spontaner Job, den Luke prima erledigt. Um kurz nach halb zehn, mit anderthalbstündiger Verspätung dann die Erlösung für den tapferen Luke: „Wir haben keine Zeit zu verschwenden“, sagt Frontmann Adam Grahn und legt furios los mit einem der größten Hits der Band: „When I See You Dance With Another“ bringt die Menge gleich von null auf 100. Und die Schweden zeigen im Zelt, warum sie auf den großen Festivals wie „Rock am Ring“ längst Stammgast sind.

Einen derart hohen Wiedererkennungswert in einer kriselnden Rocklandschaft, in der nur noch die großen Namen aus vergangenen Zeiten zu begeistern scheinen, haben ganz wenige Bands. Auch wenn Royal Republic das Rad nicht neu erfunden haben: Als eine Mischung von Elvis und Metallica-Sänger James Hetfield kommt Adam Grahn daher. Die Haare zu einer Tolle geformt und im 50er-Jahre- Anzug inklusive Country-Fliege steht der charismatische Frontmann breitbeinig rotzig auf der Bühne. Immer dabei: eine große Portion Selbst-Ironie. Optisch, akustisch und verbal. Als die Menge in vorauseilendem Gehorsam in die Knie gehen will – ein königliches Royal-Republic-Ritual – macht Grahn klar, dass nur er hier so etwas befehlen darf.

Schuld an der Verspätung sei ein Flug-Chaos, inklusive Notlandung, gewesen, sagt Grahn. Trotz dieser Panne und einem Zelt-Fahrdienst, der die Jungs in „unglaublicher Geschwindigkeit“ von der Landeshauptstadt nach Ulm bugsierte, zeigen sich die Königlichen in Bestform. Und komponieren aus den Zutaten Elvis und Metallica plus einer kräftigen Prise The Hives etwas ganz Neues, etwas gar Großartiges. Es sind nicht die leisen Töne des Biberachers Luke. Ihr Sound ist getrieben von Drums, beinharten Gitarren und dem Bass des bärtigen strohblonden Bilderbuch-Schweden Jonas Almén. Der Song „Here I Come“ ist Programm: Das Ego von Royal Republic ist groß, doch sie können auch über sich selber lachen. Sie singen von den Exzessen des „Weekend Man“ und ziemlich sinnfrei in „Astronaut“ von den Vorzügen der Höhenflüge. Und „Walk!“ ist so eine stampfende Rock-Hymne, die das Zelt zum Kochen bringt. Irgendwann surfen die Menschen über die Menge und die Schweden liefern den perfekten Soundtrack für eine königliche Rockparty, die erst nach 23 Uhr endet.

Programm Heute, Samstag, 20 Uhr tritt im Ulmer Zelt Faada Freddy auf. Der französisch-senegalesische Musiker verbindet Rap mit Jazz, Soul und afrikanischen Einflüssen. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

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