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Ulm

20.05.2019

Komiker-Gipfel im Roxy: Stromberg trifft Macho Man

Zwei, die sich mögen und denselben Humorgeschmack haben: Schauspieler Christoph Maria Herbst (links) und Autor Moritz Netenjakob im Roxy.
Bild: Andreas Brücken

Schauspieler Christoph Maria Herbst und Bestseller-Autor Moritz Netenjakob zeigen im Roxy Ulm „ernsthafte Bemühungen um Albernheit“ - und feiern zwei Große des deutschen Humors.

Wie viele Hörbücher Christoph Maria Herbst bisher besprochen hat, wisse er selbst nicht, gestand der Schauspieler den Besuchern im Ulmer Roxy. Mit dem Seriencharakter Stromberg wurde Christoph Maria Herbst im Fernsehen bekannt. Zusammen mit Moritz Netenjakob, einem der Drehbuchautoren der Serie, gab Herbst einen Einblick in „Das ernsthafte Bemühen um Albernheit“ nach dem Titel des Gastspiels: Zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung, bei der vor allem Herbst sein Können als Stimm-Chamäleon unter Beweis stellte.

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Schon früh hätte sich sein schauspielerisches Talent abgezeichnet, wie Herbst sagte: „Schon in der Schule war ich der Klassenclown.“ Sein großes Vorbild für den „genialen und zeitlosen Witz“ sei der 2011 verstorbene Humorist Viktor von Bülow, alias Loriot, gewesen. Als unterhaltsames Beispiel gaben Herbst und Netenjakob die tragisch- komischen Sketche „Das Frühstücksei“ und „Ich will hier nur sitzen“ zum Besten: Grell und schrill die Dame, hohl und dumpf der Herr – Herbst lag bei beiden Figuren täuschend echt an den knollennasigen Vorbildern von Loriot. Niemand hätte den Ausruf „Ach!“ so treffend verwendet, wie Loriot, findet Herbst: „Ein Selbstlaut, zwei Konsonanten und alles ist gesagt.“

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Dieter Hallervorden hat Herbst und Netenjakob inspiriert

Als ein weiterer Wegbereiter der Comedy sei in den 1970er Jahren Dieter Hallervorden gewesen. Die Ulkserie „Nonstop Nonsens“ sei für die Beiden so inspirierend gewesen, dass sie sich auch außerhalb der Bühne dabei ertappen, allzu oft im „Hallervorden-Slang“ zu sprechen. Mit offensichtlicher Spielfreude und unter Gelächter des Publikums lasen Herbst und Netenjakob die Geschichte von „Kuh Elsa“ vor.

Dass der Schauspieler aber nicht einmal die humoristischen Vorlagen von Hallervorden oder Loriot braucht, um Erfolg zu haben, zeigt ein Blick in die Verkaufszahlen von Herbst. Selbst als er das Bürgerliche Gesetzbuch als Hörbuch einlas, wurde die Veröffentlichung zum Verkaufsschlager – auf diese Sternstunde mussten die Besucher im Roxy leider verzichten.

Im Erzgebirge wird an der falschen Stelle gelacht

Auf dem schmalen Grat zwischen komisch und geschmacklos wandelte dagegen Herbst mit seiner Hitlerparodie unter dem Titel „Er ist wieder da“. Herbst las den Bestseller von Timo Vermes 2012 ein. Doch das Ulmer Publikum verstand die vorgelesene Ironie offenbar – was nicht immer der Fall war, wie Herbst erklärte: „Im Erzgebirge haben die Zuhörer auch schon mal an der falschen Stelle gelacht.“

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Mit den „geheimen Tagebüchern des Professor Sauer“ bekamen die Besucher ein Werk zu hören, das es bisher nicht in die Öffentlichkeit geschafft hat: Mit komischem Einfühlungsvermögen schilderte Netenjakob, der auch schon Bücher wie den Bestseller „Macho Man“ und „Mit Kant-Zitaten zum Orgasmus“ veröffentlichte, Gedanken, wie sie Kanzlerinnengatte Joachim Sauer zu Papier bringen könnte. Köstlich die Schilderung eines Abendessens mit Sauer und Merkel bei der AfD-Fraktionsvorsitzenden Beatrix von Storch: „Wir sitzen an einer riesigen Tafel, um die herum sich Storch im offenen Cabriolet chauffieren lässt, während sie ihre Reden hält.“

Dass sich selbst aus dem Märchen von Hänsel und Gretel ein Sketch machen lässt, bewies Netenjakob, indem er die Handlung als Fußballmoderator, Cockpitansage oder Marktschreier interpretierte.

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