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Landkreis Neu-Ulm

22.01.2019

Kommt strahlender Müll aus Gundremmingen nach Weißenhorn?

Das Atomkraftwerk Gundremmingen wird nach dem Abschalten abgerissen. Möglicherweise landen Überreste davon in Weißenhorn.
Bild: Bernhard Weizenegger

Möglicherweise müssen Reste des Kernkraftwerks im Landkreis Neu-Ulm entsorgt werden

Werden im Landkreis künftig Abfälle aus dem Kernkraftwerk Gundremmingen entsorgt? Diese Frage treibt derzeit so manchen Kreisrat um, vor allem wenn er aus Weißenhorn stammt. Denn ganz ausgeschlossen ist das offenbar nicht: Der Landkreis Neu-Ulm nimmt Müll aus dem Nachbarkreis Günzburg auf und verbrennt ihn im Müllofen am Eschach. Doch wie sieht es mit den Resten des Kernkraftwerks Gundremmingen aus? Das geht 2021 endgültig vom Netz und wird „rückgebaut“, also abgerissen. Dabei fällt jede Menge Material an, das es zu entsorgen gilt. Die Problematik kam bereits einmal in nicht öffentlicher Sitzung des Umwelt- und Werkausschusses zur Sprache, am gestrigen Dienstag stand es auf der Tagesordnung des öffentlichen Teils.

Ein Teil des Abfalls könnte in der Verbrennungsanlage landen

Herbert Richter (SPD) nahm die Gelegenheit wahr, um seine Sorgen auf den Tisch zu bringen. Er sprach von 835000 Tonnen Müll und Schutt, die durch den Abriss des Kernkraftwerks anfielen. 90 Prozent davon seien unkritisch, doch zehn Prozent seien radioaktiv belastet: „Wie wird damit umgegangen?“ Er befürchtet, dass zumindest ein Teil davon in der Weißenhorner Verbrennungsanlage landen könnte. Dabei geht es um Material, das entweder nicht mehr oder nur noch sehr gering radioaktiv belastet ist. Wie es im Paragrafen 29 der Strahlenschutzverordnung heißt, handelt es sich dabei um „freigemessene Stoffe“. Die werden im Kraftwerk einer Dekontamination unterzogen und anschließend auf ihre Strahlung gemessen. Wenn sie frei von jeglicher Radioaktivität oder nur sehr gering belastet sind – dafür gilt ein entsprechender Grenzwert – steht einer Verwertung nichts mehr im Weg. Das Landesamt für Umwelt überwacht die entsprechenden Messungen. Wie die Sprecherin des Kernkraftwerks Gundremmingen Christina Kreibich auf Anfrage erläuterte, lassen sich etwa „freigemessene“ Betonteile zerkleinern und im Straßenbau verwenden. Hochgradig belastetes Material hingegen landet im Castor-Behälter und wird im Zwischenlager auf dem AKW-Gelände verwahrt. Mittelschwer kontaminiertes Material kommt zur Entsorgung in die Sammelstelle für radioaktive Stoffe nach Mitterteich in der Oberpfalz.

Kommen immense Mengen nach Weißenhorn?

Was nun die „freigemessenen“ Abfälle aus Gundremmingen betrifft, so meint Herbert Richter, dass sie die Filter, die Schlacke und auch das Rauchgas der Verbrennungsanlage belasten könnten: „Da werden immense Mengen auf uns zukommen“, sagt er und bekennt: „Ich habe die große Sorge, dass wir uns da was einhandeln.“ Nach den Worten von Thomas Moritz, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, dreht es sich bei dem freigemessenen Material „um gewerbliche Abfälle, die wir entsorgen können“. Seiner Kenntnis nach fielen in Gundremmingen jährlich fünf bis 15 Tonnen solcher Reste an. Landrat Thorsten Freudenberger gab zu, dass er auch keinerlei Erfahrungen mit der Thematik habe, deshalb sollten demnächst Experten eingeladen werden, die darüber aufklären könnten. „Wir müssen schauen, wie wir damit umgehen“, sagte er, „aber es ist gut, dass das Thema mal gesetzt ist“. Jürgen Bischof von den Freien Wählern interessierte sich nicht nur dafür, was künftig aus dem Schornstein kommt, sondern auch, was tatsächlich am Boden als Immissionen ankommt. Das müsse entsprechend gemessen werden.

Ob tatsächlich einmal Abbruchmaterial aus Gundremmingen in Weißenhorn entsorgt wird, darüber konnte die Kraftwerkssprecherin am Dienstag keine Auskunft geben.

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