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Ulm

06.05.2016

Komponist für Kenner und Könner

In seiner Zeit umstritten, inzwischen längst als Genie erkannt: der Komponist Max Reger (1873-1916).

Die Kantoren aus Ulm und Neu-Ulm ehren Max Reger in dessen 100. Todesjahr mit Orgelkonzerten. Doch nicht jedes Instrument ist dafür geeignet.

Aus den Herausforderungen seiner Kompositionen machte Max Reger (1873-1916) keinen Hehl: „Meine Orgelsachen sind schwer, es gehört ein über die Technik souverän herrschender, geistvoller Spieler dazu“, schrieb er an einen befreundeten Organisten. Joseph Kelemen ist ein solcher Spieler. Bei Reger muss aber selbst er an seine Grenzen gehen. „Er treibt es einfach auf die Spitze“, sagt der Kantor von St. Johann Baptist in Neu-Ulm. Die Orgelwerke des vor 100 Jahren verstorbenen Komponisten, vor allem seine geradezu berüchtigten Choralfantasien, sind bis heute eine Hürde für jeden Interpreten. Und doch stellt sich der ökumenische Kantorenkonvent Ulm und Neu-Ulm der Aufgabe – trotz einiger Hindernisse.

Sechs Organisten aus der Doppelstadt sind an dem Projekt beteiligt, was laut Kelemen bereits bemerkenswert ist. „So viele Organisten, die Reger auf der höchsten Etage spielen können, findet man nicht in vielen Städten.“ Neben Kelemen sind dies sein evangelischer Neu-Ulmer Kollege Oliver Scheffels, Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland sowie Friedrich Fröschle, Albrecht Schmid und vor allem Andreas Weil. Letzterer, seit 2015 Kantor an der Kirche St. Michael zu den Wengen und St. Elisabeth, ist ein ausgewiesener Reger-Experte – und hat mit dem „Reger Vokal Ensemble“ sogar einen Chor geschaffen, der sich ganz besonders der Musik des 1873 in der Oberpfalz geborenen Komponisten verschrieben hat.

Start der Reihe, die neben Orgelmusik auch Chorwerke und Lieder Regers bietet, ist am Dienstag, 10. Mai, um 21 Uhr im Haus der Begegnung – mit einer besonderen Veranstaltung: Denn dann gibt es nicht nur Chorwerke, dargeboten vom „Reger Vokal Ensemble“, sondern auch eine Ausstellung über den Komponisten wird eröffnet. Am Mittwoch, 11. Mai, dem eigentlichen Todestag Regers, folgt ab 20 Uhr ein Abend mit Orgelwerken und Liedern in der Pauluskirche.

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Diese ist eines der Gotteshäuser in der Doppelstadt, deren Orgel überhaupt Reger-geeignet ist. Das gilt auch für die im Münster, die in der Martin-Luther-Kirche und die in St. Georg. Neu-Ulm ist nur durch seine Organisten vertreten. Kelemen erklärt warum. Die Orgel in St. Johann Baptist sei ein neobarockes, rein mechanisches Instrument, und zudem nicht programmierbar, wodurch die Register nur zwischen den Sätzen gewechselt werden könnten. Kurz: „Sie ist für Reger überhaupt nicht geeignet.“ Die Orgel der Petruskirche sei zwar Reger-tauglich, aber wegen der dortigen Bauarbeiten nicht einsatzbereit. Kelemen selbst ist erst im Oktober dran, mit dem Üben hat er aber bereits begonnen – genauso übrigens wie Münsterkantor Wieland, der am gleichen Wochenende seinen schwersten Einsatz an der Reger-Front hat. Anders als bei Bach, desen Fugen und Präludien gewissermaßen das Alltagsgeschäft für einen Organisten sind, bedeutet die Aufführung der Reger-Werke für die Musiker auch viel Probenarbeit.

Doch warum der ganze Aufwand? „Wir wollen zeigen, welche Vielfalt die Orgelmusik hat“, sagt Kelemen. Reger sei auf seine eigene Art ein Genie, sein Werk ein wichtiges Bindeglied zwischen Spätromantik und Moderne und zugleich eine Fortführung der Bachschen Ideen. „Er steht zwischen den Stühlen“, so Kelemen – und wirbt für einen Besuch der Veranstaltungen. Denn die Musik Regers sei nicht nur expressiv und eigenwillig, sondern habe auch viele melodiöse Passagen und elegante Augenblicke. (mgo)

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