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29.07.2010

Komponist vom Kap am "Petrus"

David Orr, Kirchenmusikdirektor an der anglikanischen St. George's Cathedral in Kapstadt - hier am Flügel der Neu-Ulmer Petrus-Gemeinde. Foto: roma
Bild: roma

Neu-Ulm Zu Zeiten der Fußball-WM ist er dem Rummel in Südafrika via die USA entfleucht. David Orr, Kirchenmusikdirektor an Kapstadts größter Kirche, ist am Wochenende in Neu-Ulm und Ermingen bei zwei kirchenmusikalischen Chorkonzerten als Komponist, Dirigent und Organist zu erleben.

Der Erlös bei den ökumenischen Konzerten fließt der Armenküche der St. George-Cathedral in Kapstadt zu, wo der 32-jährige Südafrikaner 2007 als KMD begonnen hat. Einmal am Tag wird hier für Obdachlose und Aids-Kranke eine warme Mahlzeit ausgegeben. Die Benefizkonzerte finden statt am morgigen Samstag um 19 Uhr in der katholischen Kirche Ermingen und tags darauf, am Sonntag um 20 Uhr, in der evangelischen Petrus-Kirche Neu-Ulm. Der Projektchor bei diesem "Ubuntu - Freunde über Grenzen" benannten Benefiz kommt aus den Reihen des von Wolfgang Gütinger geleiteten evangelischen Petrus-Chors sowie des katholischen Kinderchors "Pankratissimo" aus Ulm-Ermingen, der von Marina Staiger betreut wird.

Gestern war David Orr auf Entdeckungsreise durch die großen evangelischen Kirchen Ulms mit ihren wunderbaren Orgeln - der spätromantischen, 1996 generalüberholten Link-Orgel in der Pauluskirche sowie der 1996 mit dem Einbau einer modernen elektronischen Setzeranlage optimierten Walcker-Orgel (von 1969) auf der Hauptempore des Ulmer Münsters.

Wenn sich David Orr zur Demonstration seiner Kompositionskünste an den Flügel setzt, beeindruckt er mit balladenhaftem Pop-Schmelz und sangesfreudigem Melodienreichtum. Martina Staiger gefiel die Musik so gut, dass sie beschloss, Orr zu einem ökumenischen Projekt an die Donau zu holen, an dem sich Neu-Ulms KMD Wolfgang Gütinger sogleich beteiligte. "Wunderschöne Melodien", zeigt sich Gütinger von Orrs Kompositionen begeistert. Diese spiegeln einen universalen Kosmos wider: ein bisschen jazzig, leicht poppig, tiefgründiger Schmelz, Ohrwurmmelodien, blue Notes und innere Frische. "Eine Musik, die die Menschen erreicht", sagt Gütinger, der bei beiden Konzerten die Continuo-(Begleit-) Orgel spielt.

David Orr ist gebürtiger Kapstädter irisch-schottischer Herkunft. In seiner Kirche in Kapstadt - der einzigen KMD-Stelle in Südafrika - gibt's jeden Samstag ein Chorkonzert. 11 Sprachen in South Africa, Analphabetismus und Noten-Unkenntnis sind am Kap immer "eine große Herausforderung". Fürs Singen an einem Strang verwendet Orr mit "Tonic Solfa" ein bis 1025 auf Guido von Arezzo zurückgehendes Lern- und Leitsystem der Solmisation, bei dem ursprünglich Melodien auf Linien notiert wurden. Heute kommen Tonsilben und Handzeichen musikpädagogisch vom Dirigenten zum Einsatz. Die berühmte Hill-Orgel, seit 1909 in Kapstadt, ist ein spätromantischer Nachbau der legendären Hill-Orgel von St. Margaret nahe Westminster-Abbey in London, die an der Themse erstmals 1675 erklungen ist. Hier lässt David Orr in der direkten Nachfolge seines Vorgängers Dr. Barry Smith in drei Sprachen - Xhosa, Englisch und Afrikaans, singen. Für beiden Konzerte in Neu-Ulm und auf der Alb ist am Samstag Generalprobe. Gütinger, Staiger und Orr, der gestern nach dem Langstreckenflug von Kapstadt nach München noch kein Auge zugedrückt hat, sind echt gespannt - und wie immer gut vorbereitet.

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