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Ulm

08.11.2019

Konzert im Roxy: Schandmaul können es auch bunt

Die Münchner Band Schandmaul sorgt im Ulmer Roxy für mittelalterlich düstere Stimmung. Dabei geht es aber auch mal bunt und lustig zu.
Bild: Christoph Lotter

Mit Dudelsack und Drehleier spielt die Mittelalter-Folkrock-Band Schandmaul in Ulm Lieder aus ihrem neuen Album "Artus" und gibt den Fans eine Hausaufgabe.

Dudelsack, Drehleier und altertümliche Melodien. Die Folkrock-Band Schandmaul verwandelt das Ulmer Roxy am Donnerstag in eine mittelalterliche Festung. Mit musikalisch verpackten Märchen, Sagen und oft poetischen Texten aus ihrem neuen Album „Artus“ bringen die sechs Musiker die knapp 600 Fans zum Tanzen, Klatschen und Mitsingen. Dabei geht es auf der Bühne oft düster zu. Ab und zu gibt es für das Publikum aber auch etwas zum Lachen – und eine musikalisch bunte Aufgabe für den Nachhauseweg.

Viel Neues also für die treuen Fans der Münchner Musikgruppe. „Artus“ ist bereits das zehnte Studioalbum in der 21-jährigen Bandgeschichte. Die letzte Platte, „LeuchtFeuer“, landete auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Auch die beiden vorangegangenen Studioalben waren Kassenschlager. Sowohl „Traumtänzer“ als auch „Unendlich“ verkauften sich mehr als hundertausendmal. Im neuen Album dreht sich, wie der Name schon sagt, vieles um die Artussage. „Er wurde uns gesandt, Von Gottes Hand, König Artus er genannt, Entriss dem Stein das eine Schwert, Hat wütend Sachsen abgewehrt“, heißt es etwa in dem Song „Die Tafelrunde“. Begleitet wird die kräftige Männerstimme des Frontsängers Thomas Lindner von einem Schlagzeug, einem Bass und einer E-Gitarre – das mittelalterliche Flair bringen die zwei Frauen an Lindners Seite auf die Bühne. Birgit Muggenthaler-Schmack bläst abwechselnd in Dudelsack und Flöte, Saskia Forkert streicht im Wechsel über Geige und Drehleier. Textlich geht es passenderweise zumeist düster zu: „Wir waren Vagabunden, Spielleute, Halunken, ein Stück vom Dreck der Straße immer im Gepäck, hatten dort im Dreck das Gold entdeckt“, lautet eine Passage in dem Lied „Vagabunden“. Hier und da kämpft sich dazu tiefes Grölen der Fans durch die lauten Klänge aus den Boxen.

Schandmaul spielen vor 600 Fans im Roxy in Ulm

Wobei das Publikum nicht nur aus grölenden Männern besteht. Im Gegenteil, gefühlt jeder hat seine Frau oder Freundin ins Roxy mitgebracht. Dass der Großteil der Fans die 30 bereits überschritten hat, zeigt sich auch in den kurzen Spielpausen, in denen sich Lindner zur Auflockerung an etwas Stand-Up-Comedy versucht. Wie in den Songs dreht sich bei Schandmaul auch hier vieles um längst Vergangenes. Lindner nennt einen Spruch, den jeder von seiner Oma kenne: Früher war alles besser. „Völliger Unsinn. Wir hatten früher kein Youporn, wir hatten den Baumarkt-Katalog und dann den Dr. Sommer in der Bravo – so viel zum Thema früher war alles besser“, sagt der Frontsänger dazu und erntet zahlreiche Lacher. Auch die Erzählung, wie er in seiner Jugend seine ersten Groschen für eine Schallplatte sparte, kommt gut an: „Für die Jungen hier: Das ist so eine Art Playlist von nur einem Interpreten.“ Früher habe man Musik noch in stereo gehört, sagt Lindner: „Die jungen Leute laufen mit nur einem Knopf im Ohr rum.“

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Die Frage an die Fans, ob es Menschen gäbe, die sie mal richtig durchschütteln wollen, beantwortet Lindner gleich selbst: „Als Kapelle schreibt man einfach ein Lied darüber.“ Weil diese Leute aber die Schandmaul-Konzerte nicht besuchen, hat sich der Frontsänger einen Plan ausgedacht. Die Münchner spielten das Lied trotzdem, die Fans im Roxy sollten es dann auf dem Heimweg laut singen. Für alle Leute, die es nicht hören wollen: „Narren sind bunt und nicht braun.“ Schandmaul können es also nicht nur düster, sondern auch bunt. Die Fans jedenfalls feiern die Aktion. Und der Wunsch der Band nach mehr analoger Fanpost – vor dem Saal steht dafür extra ein Briefkasten – dürfte sich zumindest an diesem Abend zahlreich erfüllt haben.

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