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Ulm

11.05.2019

Krebs bringt eine Ulmer Familie ans Limit

Dietmar Keil nach der erfolgreichen Operation. Vor Kurzem musste der Ulmer Lehrer ein weiteres Mal operiert werden, nun will er sich in der Reha davon erholen.
Bild: Simone Keil

Der Ulmer Lehrer Dietmar Keil kämpft weiter gegen den Tumor. Ein Sendener Verein will helfen, die teure Therapie zu bezahlen. Doch weitere Probleme drohen.

Dietmar Keil ist wieder in der Klinik. Der an einem Glioblastom, einem gefährlichen Hirntumor, erkrankte Lehrer aus Ulm musste noch einmal operiert werden. Der Eingriff verlief gut, jetzt soll Dietmar Keil für die Reha in ein anderes, darauf spezialisiertes Krankenhaus wechseln. Seine Frau Simone kämpft dafür, dass das klappt. Simone Keil kämpft jeden Tag, die ganze Zeit. „Ich kann auch nicht arbeiten“, sagt sie. Auch weitere Sorgen belasten die Familie: Die Keils brauchen eine neue Wohnung.

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Die Vermieter, denen ein mittelständisches Unternehmen aus der Region gehört, haben der Familie das gemietete Reiheneckhaus schon vor einigen Jahren gekündigt. Der damalige Grund, Eigenbedarf, erwies sich nach Angaben von Simone Keil als vorgeschoben. Nun argumentiere der Anwalt des Vermieters damit, dass das Haus verkauft werden müsse, um einen anderen Immobilienkauf zu finanzieren. Die Keils haben sich Hilfe beim Mieterverein Ulm/Neu-Ulm gesucht. Stand jetzt muss die Familie zum 31. Dezember ausziehen. „Das ist eine große Unsicherheit. Das zieht einem die Füße weg“, sagt Simone Keil. Sie beschreibt das Vorgehen des Vermieter-Anwalts als aggressiv. Dieser habe sogar bestritten, dass ihr Mann schwer krebskrank ist – obwohl ihm ärztliche Befunde von Oberärzten der Uniklinik Ulm vorgelegt worden seien.

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Glioblastom: Lehrer aus Ulm leidet an Hirntumor

„Die Familie ist am Limit“, sagt Carola Lo Cicero, die Vorsitzende von „Heart for Life“. Der Sendener Verein unterstützt chronisch kranke und an Krebs erkrankte Menschen und setzt sich nun auch für die Keils ein. Die Familie selbst sammelt seit Dezember 2018 im Internet Spenden, um die teure Therapie für den Vater bezahlen zu können. Dietmar Keil wird nach einem neuartigen Verfahren behandelt, das an der Uni Ulm entwickelt wurde. Es heißt CUSP9. Dabei bekommt der Patient einen Cocktail aus Medikamenten, die üblicherweise gegen andere Erkrankungen eingesetzt werden. Doch weil dieses Verfahren noch nicht zugelassen ist und weil alle Plätze der medizinischen Studie belegt sind, muss die Familie die Kosten selbst tragen. Allein die Medikamente kosten 3000 Euro im Monat, berichtet Simone Keil.

Schüler, Eltern, Kollegen, Freunde und Menschen, die Dietmar Keil gar nicht kennen, haben gespendet. Fast 23000 Euro sind auf dem Portal gofundme.com zusammengekommen. Jetzt sammelt auch „Heart for Life“ mit. Der Sendener Verein geht nach strengen Richtlinien vor. Vorsitzende Carola Lo Cicero hat alle Unterlagen zur Erkrankung und zur Therapie geprüft. Der Fall des Ulmer Lehrers macht Lo Cicero wütend: „Da sieht man, was ein Menschenleben wert ist.“ Denn die Familie Keil muss sich alles erstreiten: Informationen, die Behandlung, finanzielle Mittel. Simone Keil berichtet, dass viele Stellen von Anfang an Druck auf die Familie ausgeübt hätten. So sollte ihr Mann in Erwerbsminderungsrente gehen, statt das ihm zustehende Krankengeld zu bekommen. „Sie haben einen Kampf mit der Krankheit und dann noch einen Kampf mit der Bürokratie“, sagt Carola Lo Cicero.

Verein "Heart for Life" aus Senden will helfen

Ob die CUSP9-Therapie erfolgreich sein wird, weiß noch niemand. „Nach wie vor ist es eine Studie“, sagt Simone Keil. Die Nebenwirkungen, berichtet sie, hielten sich in Grenzen: „Bislang hat mein Mann das ganz gut vertragen.“ Psychisch gehe es ihm im Moment aber nicht besonders gut. Weil er noch einmal operiert werden musste. Und weil die Familie zusätzlichen Belastungen ausgesetzt ist – auch wenn Simone Keil versucht, diese von ihren Mann fernzuhalten. Belastungen wie die drohende Kündigung der Wohnung.

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Mit im Haus leben zwei der drei Söhne. Sie sind noch in Ausbildung und auf die finanzielle Hilfe ihrer Eltern angewiesen. „Inzwischen sind sie eine große Stütze für mich“, berichtet Simone Keil. Die Familie will in Ulm bleiben. Das vertraute häusliche Umfeld ist wichtig für Dietmar Keil. Dort hat sich der Familienvater schon nach der ersten Operation wieder gut zurecht gefunden, obwohl er seitdem an Sichtfeldausfällen leidet. Andererseits bedeutet die Unsicherheit auch andauernden Stress für die Keils. „Auf lange Sicht wäre eine andere Lösung gut“, sagt Simone Keil.

Krebspatient aus Ulm muss Therapie selbst bezahlen

Die Therapie für ihren Mann soll nach der Reha so schnell wie möglich weiterlaufen. Die Behandlung, die das Leben des Ulmers retten soll, unterscheidet sich stark von üblichen Therapien wie chirurgisches Entfernen, Bestrahlung und Chemotherapie. Diese sind nach Angaben der Uni Ulm bei dieser Art von Hirntumoren selten nachhaltig erfolgreich. Der Medikamenten-Mix CUSP9 soll das Tumorwachstum stoppen, die Patienten sollen mit dem Tumor weiterleben. Die bisherigen Erfahrungen bezeichnet Professor Marc-Eric Halatsch, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Uniklinikum Ulm, als ermutigend. Der Mediziner leitet die Studie, die seit rund zweieinhalb Jahren an der Uni Ulm läuft.

Der Verein „Heart for Life“ sammelt Spenden für die Therapie. Konto: DE25 6309 0100 0136 4410 09, Verwendungszweck: Dietmar. Spendenbescheinigungen können unter info@heartforlife.de angefordert werden.

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