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Ulm

07.04.2015

Kreuzweg wird zum ausdrucksstarken Kunstwerk

Der Motettenchor der Münsterkantorei sang unter Leitung von Friedemann Johannes Wieland Passionsgesänge in der Ulmer Martin-Luther-Kirche.
Bild: Florian L. Arnold

Der Motettenchor der Münsterkantorei überzeugt beim Passionskonzert in der Ulmer Martin-Luther-Kirche.

Der Brauch der Kreuzwegandachten entstand aus den Wallfahrten zu christlichen Glaubensstätten in Palästina und den Umzügen in Jerusalem. Aus anfänglich sieben entwickelten sich letztlich 14 Kreuzwegstationen, die die Gläubigen betend abschritten. Aus dieser Tradition heraus schrieb Franz Liszt 1879 in Rom das Chor- und Orgelwerk „Via Crucis“, dass musikalisch 14 Stationen des Leidens Jesu beschreibt. Dieses eindrucksvolle, allerdings auch eher selten aufgeführte Werk war nun im Rahmen des Passionskonzerts des Motettenchors der Münsterkantorei in der Ulmer Martin-Luther-Kirche zu hören. Ein Erlebnis: Der sonst um keine pathetische Geste und keinen Klangzauber verlegene Liszt zeigt sich in diesem Werk mit dezenten Arrangements und lässt sein Werk für Chor und Orgel das eindrucksvolle „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Johann Sebastian Bach umkreisen.

Schlank, reduziert und mit einer für Liszt wirklich ungewöhnlichen Zuspitzung auf die Aussage hin ergibt sich in einer zwischen Expressivität und Minimalismus pendelndes sakrales Kunstwerk, das sich zwischen Bach-Tradition und romantischem Klangbild bewegt. Raumerweiterung und der Suche nach neuen Ausdrucksformen bewegt. Nach dem Eröffnungshymnus „Vexilla regis prodeunt“ errichtet Liszt seine „Via crucis“ unorthodox: Die Orgel tritt als Instrumentalpartner von Chor und Solisten auf, Verweise auf Bach finden sich nicht nur mit „O Haupt voll Blut und Wunden“.

Dramatische Wendepunkte erfährt das Werk stets mit Jesus’ Sturz unterm Kreuz („Jesus cadit“). Sopran und Alt (hervorragend Angela Braun und Annette Küttenbaum) heben im pastoral sanften Finale den insgesamt trauernden Duktus des Werkes ins Optimistische. Bariton Sönke Mohrbach formte die anspruchsvollen Partien von der Verurteilung bis zum Tod am Kreuz ausdrucksstark. An der Orgel überzeugte Josef Maria Pino Loibner. Das Passionskonzert bot über Liszt hinaus eine weitere Vertonung des Paul Gerhardt-Textes „O Haupt voll Blut und Wunden“ – die gleichnamige Choralkantate von Max Reger, von Violine (Burkhard Solle) und Oboe (Anja Tamaru-Solle) achtsam und kantabel gestützt.

Spätromantik reinsten Wassers auch der „Passionsgesang“ von Josef Gabriel Rheinberger. Auch dieser Komponist zog eine klare, schnörkellose Klangwelt einer virtuos-überbordenden Tonsprache vor. Wiederum zeigte der Motettenchor, dass ihm diese von diffizilen Harmonien und äußerstem Ausdruck geprägte Musik am Herzen liegt.

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