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Ulm

21.03.2018

Kriminalität sinkt auf Rekordtief

Der Wirkungskreis des Polizeipräsidiums Ulm mit dem Neuen Bau als Hauptquartier zählt mit zu den sichersten im ganzen Land. Die Polizei verzeichnete jedoch mehr Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum.
Bild: Alexander Kaya

Seit zehn Jahren hat das Polizeipräsidium in der Münsterstadt nicht mehr so wenig Verbrechen verzeichnet. Trotzdem gibt es Delikte, die den Beamten immer mehr Sorgen bereiten.

Allen Unkenrufen zum Trotz: Das Polizeipräsidium in Ulm registrierte im vergangenen Jahr so wenig Straftaten wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Bereich des Präsidiums, das die Stadt Ulm sowie die Kreise Alb-Donau, Biberach, Göppingen und Heidenheim umfasst, gingen im vergangenen Jahr 36586 Fälle in die Statistik ein. Das sind 1829 weniger als im Vorjahr, wie Polizeipräsident Christian Nill bei der Vorstellung der „Sicherheitsbilanz“ vorrechnete. Auch im Bereich „Straftaten je 100000 Einwohner“ liegt der Raum Ulm mit 4067 auf einem Zehnjahrestief.

Nill bekannte jedoch, dass in weiten Teilen der Bevölkerung „die gefühlte Situation eine ganz andere“ sei. Doch für dieses Bauchgefühl, das beispielsweise Frauen auf dem alltäglichen Weg zum Bäcker bei Dunkelheit Angst einjage, gebe es keine handfesten Gründe. Allerdings bedeute dies nicht, dass die Polizei rund um Ulm keine Sorgen hat. So verzeichnet die Polizei einen Zuwachs bei „Aggressionsdelikten im öffentlichen Raum“. Das sind vor allem Körperverletzungen auf offener Straße. Die 1831 Straftaten in diesem Bereich bedeuten eine Zunahme um 8,6 Prozent. Nill vermutet einen Zusammenhang von einer Zunahme der Aggression in der Sprache politischer Debatten sowie Beiträgen auf sozialen Netzwerken mit wahrhaft fliegenden Fäusten. Gewalt am eigenen Leibe bekommen seit einigen Jahren vermehrt auch Polizeibeamte zu spüren: 230 Fälle verzeichnete das Präsidium im vergangenen Jahr, eine Zahl auf dem hohen Vorjahresniveau.

Überwiegend in städtischen Gefilden sei offene Gewalt ein Thema. In Ulm, „der Eventstadt, die niemals schläft“, wie es Nill ausdrückte, müssten die Sicherheitskräfte oftmals unter „widerwärtigsten Bedingungen“ arbeiten.

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Versuchte Morde verzeichnete die Polizei Ulm im vergangenen Jahr elf, vollendet wurden fünf. Versuchte Tötungen landeten 21 Mal in der Statistik, vollendete drei. Bis auf einen Fall seien sämtliche 45 „Straftaten gegen das Leben“ (2016: 38 Fälle) aufgeklärt worden. Der nicht-aufgeklärte Fall sei ein Tötungsdelikt aus Ulm-Söflingen, so der Leitende Kriminaldirektor Bernd Hummel. Vermeintlich bereits aufgeklärt, tappten die Ermittler bei diesem komplizierten Fall wieder im Dunklen.

Prinzipiell sei der Raum Ulm verglichen mit anderen Großstädten „sehr sicher“, betonte Nill. Im Gegensatz zu so manchem Diskussionsbeitrag bildeten Ausländer keine größer werdende Tätergruppe: Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen liegt auf dem Niveau des Vorjahres, nämlich bei 37,2 Prozent. Insgesamt ist laut Statistik bei der Anzahl der tatverdächtigen Ausländer (inklusive Asylbewerber) ein Rückgang von 6305 auf 6147 Tatverdächtige zu verzeichnen (Rückgang um 158 Personen und damit 2,5 Prozent).

Eine leichte Abnahme ist auch bei den tatverdächtigen Asylbewerbern und Flüchtlingen zu erkennen: Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen liegt mit 11,4 Prozent knapp unter dem Niveau des vergangenen Jahres, in dem dieser Wert 11,8 Prozent betrug. Wie Nill betonte, mache den Sicherheitskräften beim Klientel Asylbewerber zunehmen eine vergleichsweise kleine Gruppe an Mehrfachtätern zu schaffen. Mit einer „passgenauen Konzeption“ würden jedoch Polizei und Behörden den Druck auf Mehrfachtäter erhöhen. So würden gezielt Ermittlungserkenntnisse personenbezogen gebündelt, um in engem Kontakt, beispielsweise mit den Ausländerbehörden und den Staatsanwaltschaften, zeitnahe Sanktionen zu ermöglichen. Auffällig sei, dass diese Intensivtäter in Asylbewerberheimen wohnen würden. Besser integrierte Flüchtlinge würden weniger straffällig.

Auch die Zahl der schweren Diebstähle ging um 686 Fälle auf 4327 Straftaten zurück. Dies sei insbesondere auf die positive Entwicklung bei der Zahl der Wohnungseinbrüche zurückzuführen. 2017 wurden 589 Einbrüche gezählt, 2016 waren es noch 779. Mit einer Aufklärungsquote im Bereich des Wohnungseinbruchsdiebstahls von 25,8 Prozent liege das Präsidium Ulm deutlich über dem Landesdurchschnitt von 21,7 Prozent.

Die Zahl der Sexualdelikte lag im vergangenen Jahr bei 450. Mit den 388 Fällen im vergangenen Jahr sei diese Ziffer nicht zu vergleichen so Nill. Denn mit Beginn des Jahres sei das Sexualstrafrecht verschärft worden. So seien 2017 insgesamt über 100 Delikte anders bewertet worden, als es 2016 der Fall gewesen wäre.

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