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24.06.2009

Kuckuckskind im Ameisenbau

Buch-Obenhausen (zisc) - Vor zwei Jahren wurde das "Obenhausener Ried" in das Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 aufgenommen. Die Kreisgruppe Neu-Ulm des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV) hat jetzt eine Exkursion durch dieses Ried veranstaltet. Dort findet der gefährdete Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling einen Lebensraum und die vom Aussterben bedrohte Bachmuschel ist in den Nebenarmen der Roth noch in einer gesunden Population anzutreffen.

Unter der Führung von Ralf Schreiber, selbstständiger Biologe aus Weißenhorn, machten sich etwa 20 Naturinteressierte von Buch aus dorthin auf. Dabei waren auch der Erste und Zweite Vorsitzende der Kreisgruppe, Franz Zeller und Hubert Ilg, und Mitglieder des Vereins.

Feuchte Böden, Streuwiesen und eine zum großen Teil offene Landschaft zeichnen das Naturschutzgebiet aus. Von dem etwa 120 Hektar großen Kerngebiet sind circa 30 bis 40 Hektar im Besitz des Landkreises. 13 Hektar gehören dem LBV und werden von ihm gepflegt. Im Spätsommer etwa werden die Streuwiesen gemäht und ausgelichtet. "Damit dieses Niedermoor nicht überwuchert und für seltene Pflanzen und Tiere weiterhin Lebensraum bietet", erklärte Franz Zeller.

Im Landkreis gibt es nur noch wenige Moorflächen. "Das Obenhausener Ried ist das größte und wichtigste flächendeckende Gebiet dieser Art in unserem Landkreis", betonte Ralf Schreiber. Seltene Wildblumen und Insekten sind dort noch anzutreffen. Als Attraktion gilt der bedrohte "Goldene Scheckenfalter", dessen Bestand dort auf 50 bis 100 Exemplare geschätzt wird.

Kuckuckskind im Ameisenbau

Verschiedene Heuschrecken, wie die Sumpfschrecke oder die Schiefkopfschrecke zirpen an heißen Sommertagen um die Wette, während in den Streuwiesen Orchideen wachsen, die lila Prachtnelke ihren Duft verteilt oder das weiße Wollgras schon von Weitem erkennbar ist.

Im Obenhausener Ried wächst auch der Wiesenknopf, eine bis zu einem Meter hohe krautige Pflanze aus der Familie der Rosengewächse. Sie ist die Lieblingspflanze des Wiesenknopf-Ameisen-Bläulings, der sich durch sein Fortpflanzungsverhalten hervortut: Die Weibchen legen ihre Eier auf Knospen des Wiesenknopfs ab. Die Raupen fressen die Blütenköpfe von innen her und lassen sich nach einiger Zeit fallen.

Sie imitieren den Nestgeruch von Ameisen, sodass diese sie in ihren Bau tragen und wie ihre eigene Brut behandeln. Bis zu ihrer Verpuppung ernähren sich die Raupen von Eiern und Larven der Ameisen, überwintern in deren Bau und verpuppen sich im Frühjahr. Nach dem Schlüpfen muss der Schmetterling sofort das Ameisennest verlassen, da er nun als Beute betrachtet wird.

In Ausschau auf seltene Schmetterlinge und auf der Suche nach der Bachmuschel überquerten die Naturfreunde Wiesen und Bäche. Vogelkundler entdeckten verschiedene Vögel und konnten diese schon von Weitem am Flug oder ihrem Ruf erkennen. Der Weg der Exkursionsteilnehmer führte an Streuwiesen, Biotopen und auch konventionell bewirtschafteten Flächen vorbei. Maisanbau etwa sei nicht im Sinne des Naturschutzes, sagte Schreiber. "Mais muss stark gegen Unkraut gespritzt werden und belastet Natur und Grundwasser."

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