Newsticker

Biontech und Pfizer: Großbritannien lässt Corona-Impfstoff zu
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Kunstverein Senden geht auf Zeitreise

Senden

18.11.2018

Kunstverein Senden geht auf Zeitreise

Kunst, die auffällt: Dorothea Grathwohl von Kunstverein Senden und Luigi Toson vom Partnerverein aus Italien mit einer Arbeit von Freya Blösl.
2 Bilder
Kunst, die auffällt: Dorothea Grathwohl von Kunstverein Senden und Luigi Toson vom Partnerverein aus Italien mit einer Arbeit von Freya Blösl.

Zum 40-jährigen Bestehen geht es im Bürgerhaus Senden um die 70er-Jahre. Doch der Rückgriff gelingt den Künstlern unterschiedlich gut.

Seit der Gründung des Kunstvereins Senden 1978 „erzittert die ganze Region“ vor den Präsentationen diese „Enklave mutiger Zeitgenossen“. Der Künstler Dietmar H. Herzog mag in seinem Beitrag zur Mitgliederjahresausstellung im Bürgerhaus etwas übertreiben, aber 40 Jahre Kunstverein sind ein Grund zum Feiern. Und aus diesem Anlass hat die alljährliche Schau 2018 auch ein besonderes Thema: „The Seventies“ – die 70er-Jahre.

Die Idee dazu stammt von der Vorsitzenden Dorothea Grathwohl. Sie habe damit nicht nur an die Gründungszeit des Vereins anknüpfen, sondern auch verhindern wollen, dass die Mitglieder einfach in die Schublade greifen und fertige Arbeiten herausholen. Grathwohls Hoffnung: Die Künstler sollten aus einer zeitgemäßen Haltung heraus auf das Jahrzehnt blicken, das für Hippie-Kultur ebenso steht wie für RAF-Terrorismus und Ölkrise.

Der Rückgriff ist den Mitgliedern unterschiedlich gut gelungen. Manche Arbeiten gehen durch Peace-Zeichen oder Konterfeis von Che Guevara einen etwas zu naheliegenden Weg, manches findet kaum eine Verbindung zum Thema. Interessanter wird es, wenn sich die Künstler mit der Ästhetik der Zeit auseinandersetzen. So zitiert Regine Schempp auf ihren schrillbunten Holzreliefs die Tapetenmuster der 70er. Brigitte Perzl-Reinhard hat zwei Stücke aus einem zeitgenössischen Sofabezug in ihrer „Ausgrabung aus dem späten op-artozän“ zu Kunst erklärt. Und Caritt Reichel hat mit Suppennudeln auf eine Tortenplatte aus den 70ern den Text eines Rio-Reiser-Songs geklebt: „Der Traum ist aus“. Renate Schobner-Hadamitzky hat ebenfalls Originalmaterial verwendet: Sie hat Zeitschriftenseiten aus dem Jahr 1978 zu Garn gedreht und dann verwoben. Rosemarie Schneid fotografierte an der Küste der Bretagne Säcke im Sand, die noch immer Schlamm und Dreck von der Havarie des Öltankers „Amoco Cadiz“ im Jahr 1978 enthalten: Sie wirken im Bild wie fantastische Landschaften. Der Schwerpunkt im Bürgerhaus liegt auf Malerei und Grafik, die interessantesten Arbeiten kommen aber aus den anderen Ecken.

Unter den 50 gezeigten Künstlern sind auch zwölf aus der italienischen Partnerstadt Piove di Sacco, die vom Kunstverein eingeladen worden waren. Mit den 70ern haben deren Arbeiten allerdings nichts zu tun. „Die Italiener haben das Thema fröhlich ignoriert“, sagt Grathwohl. (mgo)

„The Seventies“ ist noch bis 25. November 2018 im Bürgerhaus Senden zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren