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Landkreis Neu-Ulm

19.07.2019

Landkreis: Die Klinikreform ist durch

Nach der Klinikreform soll die Altersmedizin vor allem in der Illertalklinik angesiedelt bleiben. Der Kreistag hat das neue Krankenhauskonzept mit klarer Mehrheit angenommen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Mit klarer Mehrheit entscheidet sich der Kreistag dafür, nur noch zwei Akutkliniken zu behalten. Illertisser leisten dagegen Widerstand und wollen eine ganz andere Lösung

Der sogenannte „Geist von Roggenburg“ spukte am Freitag sehr intensiv durch den großen Sitzungssaal des Landratsamtes und sorgte dafür, dass die Politiker eine richtungweisende Entscheidung trafen: Die Kliniklandschaft wird einschneidend reformiert. Es bleiben nur noch zwei Akutkrankenhäuser übrig, in Neu-Ulm und in Weißenhorn. Die Illertalklinik wird zu einem medizinischen Versorgungszentrum mit angegliederter Krankenpflegeschule umgebaut. Zusätzlich soll dort weiterhin die Altersmedizin ihren Schwerpunkt haben. Das ist exakt das, was bei einer Klausurtagung im Kloster als Krankenhausreform ausgetüftelt – und von Landrat Thorsten Freudenberger (CSU) als „Geist von Roggenburg“ beschworen worden war. Dabei geisterte sehr intensiv noch etwas anderes durch die Debatte: der Wunsch nach einem kompletten Neubau.

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Klinikreform: Wie realistisch ist ein Neubau?

Ein solcher ist zwar nach dem Reformbeschluss vom Freitag nicht vollkommen vom Tisch, heißt es in der mit überwältigender Mehrheit getroffenen Entscheidung ausdrücklich, eine „mögliche Ein-Haus-Lösung“, also ein Neubau, bleibe in der weiteren Zukunft „grundsätzlich unberührt“. Allerdings gilt eine solche langfristige Perspektive als eher unwahrscheinlich, denn bei der Klausurtagung hatte ein Vertreter der bayerischen Staatsregierung deutlich gemacht, dass dies nicht infrage komme, denn es sind erhebliche Fördergelder in die drei bestehenden Häuser geflossen. Deshalb müsse Neu-Ulm als „systemrelevante Einrichtung“ auf jeden Fall erhalten bleiben.

Lesen sie dazu unseren Kommentar: Kreiskliniken: Endlich ist es entschieden

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Bliebe also die Möglichkeit eines Neubaus für Weißenhorn und Illertissen. Doch dafür gibt es aus München kein Geld, denn es gelte der Grundsatz „Sanierung vor Neubau“. Zudem würden für den Erhalt der bestehenden Häuser – sie müssen unter anderem den Brandschutz verbessern – keine Fördermittel mehr aus der Landeshauptstadt fließen. Dieses Risiko wollen Kreisspitalstiftung und Landrat nicht eingehen. Sie fanden sich damit im Einklang mit der Mehrheit.

Illertisser gegen die Klinikreform

Vor allem Kreisräte aus Illertissen sperrten sich gegen die jetzige Reformlösung und setzten weiterhin auf einen Neubau. So sagte Ansgar Batzner (Freie Wähler), es könne doch nicht sein, dass man die zweit- oder drittbeste Lösung nehmen müsse. Das Ein-Haus-Modell sei besser. Der Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen, der in den Krankenhausdebatten der vergangenen Jahre viele Fehler ausgemacht hatte, fürchtete: „Wir begehen hier den nächsten Fehler.“ Deshalb sprach er sich für den Neubau aus, „statt weitere Millionen zu versenken“. Der müsse nicht unbedingt bei Illertissen entstehen, sondern vielleicht bei Vöhringen oder Senden. Auch Wolfgang Ostermann (SPD) fürchtete, dass die Reformentscheidung „uns eventuell auf die Füße fallen wird“. Roland Hunger (CSU), der noch im Krankenhausausschuss für die Roggenburger Lösung gestimmt hatte, vollzog einen Schwenk und verweigerte diesmal die Zustimmung, denn die vorgeschlagene Lösung sei „nicht das Beste“.

Gerhard Leopold (FW) befürchtete, es könnten nicht genügend Ärzte für ein Versorgungszentrum in Illertissen gefunden werden. Die Kreisspitalstiftung plant, dort weitere Praxen anzusiedeln. Der Stiftungsdirektor Marc Engelhard gibt sich zuversichtlich. Dies werde keine Probleme bereiten, denn es gebe immer mehr Ärzte, die nicht mehr das unternehmerische Risiko einer eigenen Praxis auf sich nehmen wollen. Sie fänden es attraktiver, als angestellter Mediziner zu arbeiten und eine planbare Freizeit zu haben: „Stichwort Work-Life-Balance“.

Klinikexpansion in Weißenhorn kein Problem

Laut dem Reformkonzept werden die Zuständigkeiten in den beiden verbleibenden Akutkrankenhäusern neu verteilt. In der Donauklinik wären die Bereiche Innere Medizin/Gastroenterologie, Viszeralchirurgie, Gynäkologie, Anästhesie- und Intensivmedizin, Onkologie, Urologie und die Schmerztagesklinik angesiedelt. Unter dem Dach von Weißenhorn versammelt wären Innere Medizin/Kardiologie, Orthopädie/Unfallchirurgie, Akutgeriatrie (die geriatrische Rehabilitation bleibt in Illertissen), Anästhesie- und Intensivmedizin, Pulmologie/Schlaflabor sowie die Palliativmedizin. Allerdings wäre es nötig, das Gebäude zu erweitern. Da ist Leopold skeptisch. Schon jetzt reiche das Parkhaus an der Klinik nicht aus. Engelhard sieht keine Probleme, denn die Stadt Weißenhorn habe signalisiert, sie werde Erweiterungsflächen zur Verfügung stellen: „Die Expansion ist kein Problem.“

Norden drückt bei Klinikreform aufs Tempo

Nachdem immer wieder Vertreter des Südens Zweifel angemeldet hatten, schalteten sich verstärkt Kreisräte aus dem Norden in die Diskussion ein und drängten auf eine Entscheidung. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Schäufele sprach von einem „Luftschloss Neubau“, von dem man sich verabschieden müsse. Nach vier Jahren aufgeschobener Entscheidungen müsse nun Ende der „Debattenirrfahrt“ sein. Nachdem der Landrat noch einmal vehement gegen den Neubau argumentiert hatte („Sie kriegen doch gar keine Grundstücke dafür“) und bei der Entscheidung aufs Tempo gedrückt hatte („Wir haben auch die Zeit nicht“), bekam er gar Unterstützung vom Neu-Ulmer OB Gerold Noerenberg: „Wir müssen jetzt handeln. Es ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, zu entscheiden.“ Es gebe im Moment keine vernünftigere Lösung. Er erinnerte an das jährliche Defizit von 13 Millionen Euro: „Das kann doch keiner verantworten.“

Und so entschied sich der Kreistag mit 44 zu 6 Stimmen für die Zwei-plus-eins-Lösung: Es bleiben zwei Akutkrankenhäuser, die Illertalklinik wird zum medizinischen Versorgungszentrum samt geriatrischer Rehabilitation und einer Pflegeschule.

Lesen Sie dazu auch: Kreiskliniken: Aus drei mach ... drei

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„Illertalklinik wird weiter gebraucht“


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