Newsticker
EU kauft bis zu 1,8 Milliarden weitere Biontech-Impfdosen
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Landkreis Neu-Ulm: Endlich wieder (fast) normal shoppen im Kreis Neu-Ulm: So lief der Start

Landkreis Neu-Ulm
08.03.2021

Endlich wieder (fast) normal shoppen im Kreis Neu-Ulm: So lief der Start

Der ganz große Ansturm beim Shopping blieb in der Glacis-Galerie in Neu-Ulm am Montag noch aus.
Foto: Alexander Kaya

Nach fast drei Monaten Lockdown durften die Geschäfte im Landkreis Neu-Ulm überraschend am Montag öffnen. So lief es am Montag aus Sicht der Einzelhändler.

Es kommt wieder Leben in die leeren Hallen der Glacis-Galerie. Zum ersten Mal seit Mitte Dezember dürfen die Einzelhändler im Landkreis Neu-Ulm wieder öffnen. An den Eingängen der Geschäfte kommt es zu aus dem vergangenem Sommer bekannten Ritualen, Taschen oder Murmeln werden verteilt, um die Anzahl der Kunden in den Läden zu bestimmen. Zum ersten Mal in diesem Jahr stöbern Menschen durch die Auslagen von Mode- und Einrichtungsgeschäften, doch der Käuferansturm bleibt noch aus.

"So viele glückliche Gesichter habe ich schon lange nicht mehr gesehen", sagt Torsten Keller, der Centermanager der Glacis-Galerie in Neu-Ulm. Ein wenig überrascht seien doch einige Händler von der Nachricht gewesen, dass der im Landkreis unter 50 liegende Inzidenzwert eine fast normale Öffnung ermögliche. Viele Unternehmer hätten vermutet, dass lediglich "Click and Meet"-Shopping, also der Einkauf mit Voranmeldung möglich wird. Und so hatten am Montag nur etwa 80 Prozent der Geschäfte offen. Denn einige Läden haben ihre Mitarbeiter noch in Kurzarbeit.

Kreis Neu-Ulm: Lockdown dauert an, aber Einzelhandel darf öffnen

Zwar haben sich Bund und Länder am vergangenen Mittwoch auf eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 28. März verständigt, allerdings werden die Einschränkungen für den gesamten Einzelhandel gelockert. Inwieweit Geschäfte in den einzelnen Landkreisen aber ihren Betrieb umsetzen dürfen, hängt stark vom jeweiligen Inzidenzwert ab.

Grundsätzlich gilt, dass wieder geöffnet werden darf, wenn die Inzidenz drei Tage hintereinander unter der Marke von 50 bleibt und somit "stabil" ist. Nach Angaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums lag die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis Neu-Ulm am Montag bei einem Wert von 45,1. Weitere Voraussetzungen für eine Öffnung sind ein Hygienekonzept und die Einhaltung der an die Verkaufsfläche angepassten Kundenzahl. "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir in dieser Form ab heute wieder öffnen dürfen", sagt Thomas Spiekermann, Geschäftsführer und Inhaber des Möbelhaus Wirth in Weißenhorn.

Bei steigender Corona-Inzidenz im Kreis Neu-Ulm gibt's "Click and Meet"

Wie Spiekermann sind auch andere Geschäftsinhaber im Landkreis auf das "Click and Meet"-Verfahren vorbereitet. Nach vorheriger Terminvereinbarung müssen die Betreiber die Kontaktdaten notieren, um im Falle einer Infektion nachverfolgen zu können, wer sich zu welchem Zeitpunkt im Laden befunden hat. So hatte Evelyn Wochnik bereits Schilder mit Hinweisen zur Terminvereinbarung im Schaufenster ihres Vöhringer Woll-Mode-Geschäfts aufgestellt. "Die Kunden wissen noch nicht so recht, was jetzt los ist. Mein Telefon klingelt ständig", sagt die Inhaberin.

Seit Montag darf der Einzelhandel wieder für den Kundenverkehr öffnen. In den Geschäften gilt weiterhin die FFP2-Maskenpflicht und Kunden müssen den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. Läden unter 800 Quadratmetern Verkaufsfläche dürfen pro 10 m2 einen Kunden einlassen, bei größeren Geschäften gilt diese Regel für die ersten 800 m².
42 Bilder
Hier ein Shoppingspaziergang durch die Landkreise Neu-Ulm, Ostallgäu, Unterallgäu und Günzburg
Foto: Alexander Kaya

Maximal zehn Personen dürfen gleichzeitig in ihren Laden. Plexiglas an den Kassen und Desinfektionsspender am Eingang sollen Infektionen vorbeugen. "Ich bin gottfroh über die Öffnung, drei Monate sind eine lange Zeit", so Wochnik. Das, was man sich angespart hat, sei langsam aufgebraucht. Auch Henning Tatje, Leiter der Wirtschaftsförderung bei der Stadt Illertissen, bestätigt, dass es für viele Betriebe ums Überleben geht: "Lange wäre das nicht mehr gut gegangen: es ist heiß, es ist brenzlig."

Aber selbst ein Anstieg der Inzidenz über den Wert von 50 und eine Umstellung auf "Click and Meet" ist ein Fortschritt. Zwar ist hier der Aufwand größer, da Termine vereinbart und Kontaktdaten aufgeschrieben werden müssen, aber dies sei verschmerzbar, wenn man so wieder Kunden bedienen dürfe, sagt Tatje. Nun sei es in seinen Augen vor allem wichtig, dass die Menschen im Landkreis Neu-Ulm die Corona-Regeln einhalten. Eine erneute Schließung würde viele Geschäfte erneut massiv unter Druck setzen.

Ladenbesitzer im Landkreis Neu-Ulm freuen sich über Öffnung

Dass der aktuelle Inzidenzwert erneut die Marke von 50 übersteigen könnte, ist auch den Einzelhändlern bewusst. Sandra Schill, stellvertretende Geschäftsführerin des Modehaus Rimmele in Illertissen, spricht von einer "knappen Kiste". Da man sich aber sowieso auf Terminvereinbarungen eingestellt hatte, sei es kein großes Problem, dieses System bei einer entsprechenden Inzidenz anzuwenden. Auch Thomas Spiekermann spricht von einem "wackeligen Konstrukt" und geht davon aus, dass "Click and Meet" zurückkommt. Im Möbelhaus Wirth sei man, wie auch im Modehaus Rimmele, gut vorbereitet. Eine umgebaute Internetseite zur einfachen Terminplanung und eine App, um Kontakte einfach nachzuverfolgen, sollen den Kunden so gut wie keinen Aufwand machen.

Trotz der nach wie vor prekären Situation ist Spiekermann froh, zumindest auf unbestimmte Zeit wieder Kunden ohne Termin im Weißenhorner Geschäft begrüßen zu dürfen. Am Sonntag ging der Inhaber noch fest davon aus, dass Besuche ohnehin nur mit Termin möglich seien. Ein Kollege habe ihn dann auf die kurzfristige Änderungen hingewiesen. Erst eine Bekanntmachung des Landkreises Neu-Ulm brachte dann aber endgültige Klarheit.

Unabhängig davon, ob die Inzidenz über oder unter 50 liegt, dürfen Buchhandlungen, Blumenläden und Baumärkte deutschlandweit öffnen. "Anfangs hatten die Kunden noch etwas Scheu hereinzukommen", erzählt Waltraud Gruss, die Inhaberin der Buchhandlung Schmiedel und Gruss in der Neu-Ulmer Ludwigstraße. "Die haben vor der Tür gewartet, bis ich sie hereingebeten habe." Da es aktuell mit den Infektionen gut laufe, sehe sie kein Problem darin, dass auch andere Geschäfte aufmachten. Natürlich nur, wenn die Hygieneregeln eingehalten werden. Derzeit dürfen nur drei Kunden in Gruss’ Buchladen. "Heute Vormittag sind hauptsächlich Stammkunden gekommen, aber ich bin bisher mit diesem Tag zufrieden."

Lesen Sie auch den Kommentar: Lockerungen des Lockdowns: Die Verwirrung im Landkreis Neu-Ulm ist perfekt

Lesen sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren