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Landkreis Neu-Ulm/Ulm

18.05.2020

Landkreis Neu-Ulm und Ulm: Der erste Tag im Biergarten

Gute Laune beim Mittagessen im Barfüßer-Biergarten in Weißenhorn. Die Tische sind in 1,5 Meter-Abstand aufgestellt und werden den Gästen vom Personal zugewiesen.

Plus Am Montag haben die Gastronomen den Außenbetrieb öffnen dürfen. Obwohl die Auflagen ähnlich sind, verläuft der sonnige Biergartentag in Ulm anders als im bayerischen Landkreis Neu-Ulm.

Pünktlich zur Mittagszeit kommt eine Gruppe Fahrradfahrer beim Barfüßer in Weißenhorn an. Doch anstatt sich sofort ein kühles Getränk zu bestellen, müssen sie erst einmal bei Wirtin Beate Schüle vorbei. Vor ihr liegt ein Ordner, Kulis und Desinfektionsmittel. „Man muss schon hinterher sein“, sagt sie, denn die staatlich verordneten Richtlinien müssen ja eingehalten werden. Seit Montag dürfen Gastronomiebetriebe ihren Außenbereich wieder öffnen – jedoch nur unter Einhaltung der Vorgaben zu Eindämmung der Corona-Pandemie.

Die Lockerungen lassen viele Gastronomen und Biergartenfreunde aufatmen. Das tun einige Besucher tatsächlich, wenn sie zum Tisch geführt werden und ihren Mundschutz abnehmen dürfen. Denn der muss außerhalb des Tisches getragen werden. „Die meisten Gäste haben vollstes Verständnis dafür“, sagt Schüle. Sie habe am ersten Tag schon eine richtige Gänsehaut bekommen. Denn eine Gästegruppe brachte ihre eigenen bereits vorgefertigten Aufkleber mit: Name, Adresse und Telefonnummer standen darauf. So viel Akzeptanz rührt die Wirtin. Etwa 50 Gäste seien in den ersten beiden Stunden bereits gekommen.

In der Mittagspause endlich wieder in den Biergarten

Unter anderem Liane und Michael Merbeck aus Neu-Ulm, die sich in der Mittagspause einen großen Salat und einen Burger schmecken lassen. „Wir sind froh, dass wir wieder draußen essen können, in den letzten Wochen haben wir immer im Büro gekocht“, sagt Michael Merbeck. Dass man beim Betreten des Biergartens oder auch auf dem Weg zur Toilette einen Mundschutz tragen muss, sei für ihn völlig in Ordnung: „Das muss man im Supermarkt ja auch und solange es langsam vorwärts geht, ist es ja gut so.“ Seine Begleitung fragt sich jedoch, warum man beim Betreten auch eine E-Mail-Adresse angeben müsse, denn in einem Café in Ulm habe der Name gereicht.

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Eine Männergruppe aus Dornstadt stellt ihre Fahrräder vor dem Biergarten Teutonia in der Ulmer Friedrichsau ab, es ist angenehm warm und keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. Doch bevor es das kühle Weizen zur Erfrischung gibt, müssen die Rentner ebenfalls ein Formular mit ihren persönlichen Daten ausfüllen, um mögliche Infektionsketten im Nachhinein nachweisen zu können. „Das ist der neue Lottozettel“, sagt Herbert Grimm und lacht. Er steckt das ausgefüllte Papier in eine Box. Seine Freunde tun das gleiche. „Jetzt aber rein“, sagt einer der Fahrradfahrer. Sie haben die Biergarten-Saison vermisst.

In Ulm werden die Auflagen lockerer genommen als in Bayern

Man könnte das Gefühl haben, bei der Landesgrenze höre die Vorsicht auf, wenn man den Blick auf die baden-württembergische Seite wirft. In einem Ulmer Biergärten unterhalten sich die Kellner mit ihren Gästen ohne einen Mund-Nasen-Schutz. Das verstößt gegen die Regelungen. Bei einem Spaziergang durch das Fischer-Viertel hat man ein Gefühl von schwäbischer Gemütlichkeit. Das liegt nicht nur an der schönen Atmosphäre sondern auch an den eng zusammengestellten Tischen vor den Cafés und Gasthäusern.

Montagmittag im Fischerviertel in Ulm. Der Abstand zwischen den Tischen wird nicht überall eingehalten.
Bild: Alexander Kaya

Die Gastronomie-Reglungen zwischen den Bundesländern unterscheiden sich in einigen Punkten: In Bayern darf der Biergarten höchstens bis 20 Uhr öffnen, in Baden-Württemberg gibt es keine Einschränkung bei den Öffnungszeiten.

Der Weg in den Schlößle-Biergarten gleicht einem Labyrinth

Christa Zoller vom Gasthaus Schlößle in Offenhausen, ist am Montagnachmittag erleichtert aber auch „fix und fertig.“ „In den vergangenen Tagen habe ich bis 11 oder 12 Uhr nachts gearbeitet, es war sehr viel Organisatorisches zu machen“, sagt die Wirtin. Ob sie mit dem ersten Tag zufrieden ist? „Es läuft schon gut an“, sagt sie. Innerhalb der ersten halben Stunde ist gut die Hälfte der 60 Tische besetzt. Der Gang zum Sitzplatz gleicht allerdings einem kleinen Labyrinth, es gibt verschiedene Stationen, die aufgebaut sind: Händewaschen, Registrierung, Desinfektion und Absperrketten für den Ein- und Ausgang. Die Gäste scheint es nicht zu stören. Man müsse schauen, ob sich der eingeschränkte Betrieb auch auszahle, sagt Zoller. Ab kommender Woche darf auch in Bayern der Innenbetrieb wieder öffnen. „Doch bei dem Wetter hocken die Leute wenn dann draußen“, sagt die Wirtin.

Wolfgang Simons, Betreiber des Klostergasthofs in Roggenburg.
Bild: Alexander Kaya

Im Klostergasthof Roggenburg sind am frühen Nachmittag sieben Gäste da, Wirt Wolfgang Simons desinfiziert die Tische und Speisekarten. „Mal schauen, wie lange das machbar ist“, sagt er. Trotz Mundschutz merkt man, dass er nicht wirklich zufrieden aussieht. „Die Saison ist ja schon fast vorbei“, meint er. Im Frühjahr hätten einige Hochzeiten stattgefunden, die wurden alle abgesagt. „Es ist nicht so einfach wie früher, aber wir müssen weitermachen“, sagt Simons.

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