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Weißenhorn/Neu-Ulm

17.04.2015

Landkreis will seinen eigenen Strom kaufen

Tausende Tonnen Müll werden in Weißenhorn jährlich verbrannt – dabei entsteht Strom. Diesen will der Landkreis künftig selbst abnehmen.
Bild: A. Kaya

Gelingt der Handel, könnten jährlich bis zu 350000 Euro gespart werden. Doch es gibt einige Hürden

Mithilfe eines sogenannten „virtuellen Kommunalwerks“ will der Landkreis Neu-Ulm die in der Weißenhorner Müllverbrennungsanlage produzierte elektrische Energie künftig nur noch an sich selbst verkaufen. Zuvor allerdings müssen kartellrechtliche Probleme wie auch mit Versorgungsunternehmen geschlossene Vertragsverhältnisse geprüft werden.

Das seit Bestehen der Weißenhorner Anlage praktizierte, auch andernorts übliche Verfahren sieht den Verkauf des erzeugten Stroms an einen Energieversorger vor. Um seine eigenen Betriebe wie Krankenhäuser, Schulen und Landratsamt mit Energie zu versorgen, kauft der Landkreis im Gegenzug den benötigten Strom bei anderen Energieversorgern ein. Sollte es gelingen, aus diesem Verfahren auszusteigen, könnte das dem Landkreis zu einem jährlichen Vorteil zwischen 300000 und 350 000 Euro verhelfen. So hat es Ulrich Haselbeck von den Lechwerken ermittelt, der im Auftrag des Landkreises mehrere Verfahrensvarianten untersucht hat.

Die Mitglieder des Umwelt- und Werkausschusses waren begeistert, nachdem ihnen Haselbeck seine Erkenntnisse gestern vorgetragen hatte. Mit dem von Landrat Thorsten Freudenberger vorgegebenen Zeitrahmen bis zum Jahr 2018 waren sie nun allerdings überhaupt nicht einverstanden. Das müsse früher möglich sein, hieß es. Der Landrat erinnerte, unterstützt von Müllkraftwerksleiter Thomas Moritz, an bestehende Liefer- und Abnahmeverträge zwischen Landkreis und Stromanbietern. Auch müssten mehrere rechtliche Fragen erst beantwortet sein. Doch die Kreisräte ließen sich nicht überzeugen. Sie wollen den Gewinn aus Weißenhorn so früh wie irgend möglich abschöpfen. In den einstimmig gefassten Beschluss, die rechtlichen Voraussetzungen zur Gründung des Kommunalwerks zu prüfen, nahmen sie ausdrücklich die Ergänzung auf, „die frühere Umsetzung als 2018 anzustreben“.

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FDP-Kreisrat Wilhelm Klaus Beuteführ ließ sich vom Vertreter der Lechwerke (LEW) bestätigen, dass Nachteile für den Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises aus dem Wandel nicht entstehen könnten – dass letztlich auch nicht die Verbraucher den AWB entschädigen müssten. Jürgen Bischof (Freie Wähler) aus Weißenhorn konnte sich nicht erklären, aus welchen Gründen ein Energieversorger wie die Lechwerke als Berater des Kreises aufträten. Es bleibe ihnen in der gegenwärtigen Entwicklung keine andere Wahl, sagte Haselbeck, als sich vom Erzeuger zum „Energiemanager“ weiterzuentwickeln. Er räumte ein, die LEW seien die Leidtragenden, wenn der Kreis eigenen Strom verbrauche, weil ihnen der Gewinn entgehe.

Gestreift wurde im Ausschuss die Frage nach dem Stand der Abwärmenutzung des Müllkraftwerks. Konkrete Planungen seien derzeit nicht im Gange, hieß es, könnten aber jederzeit wieder aufgenommen werden.

Fernwärmeprojekt: Es fehlt an Abnehmern

Wie bekannt, fehle es noch an Interessenten zur Abnahme der Fernwärme. Dazu würden aber in den nächsten Wochen weitere Gespräche mit potenziellen Nutzern geführt. Auf Anraten des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands werde nun erst eine Gesellschaft gegründet, deren einzige Aufgabe sei, „möglichst viele und konkrete Vorverträge herbeizuführen, um die Risiken für die Beteiligten zu minimieren“, sagte Landrat Freudenberger. Damit erhielten die kommunalen Gremien eine Entscheidungsgrundlage – „vielleicht noch in diesem Jahr“.

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