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Neu-Ulm

04.06.2011

Laute Glocken stoßen auf taube Ohren

Gebimmel im Viertelstundentakt: Diese beiden Passanten können nachvollziehen, warum das Geläut der Glocken von St. Albert in Offenhausen manchem Anwohner den Schlaf raubt.
Bild: Foto: Furthmair

Anwohner klagen im Neu-Ulmer Ortsteil Offenhausen über lautes Glockengeläut. Die Pfarrer haben dafür kein Verständnis.

Volker Winkler und seine Frau arbeiten Schicht. Oft auch nachts. Wenn bei anderen Leuten das Mittagessen auf den Tisch kommt, würden die Winklers deshalb gern schlafen – wären da nicht die Kirchenglocken von St. Albert in Offenhausen. „Bei dem Geläut ist das schwierig“, sagt Volker Winkler. Dass ihnen die Glocken dermaßen den Schlaf rauben würden, hätte er vor zweieinhalb Jahren beim Einzug in das Haus im Lannerweg nicht gedacht. „Das haben wir unterschätzt, vor allem die Häufigkeit.“

Ähnlich erging es Stefan Seeßle mit seinem Haus in Burlafingen neben der Kirche St. Konrad. „Das ist extrem mit dem Glockengeläut.“ Doch beim Hauskauf habe er nicht darauf geachtet, erzählt Seeßle. Inzwischen wohnt er nicht mehr im Laubeweg, ist aber noch als Hausverwalter in dem Mehrfamilienhaus tätig. „Jedes Mal wenn ein Mieterwechsel ansteht, sind die Kirchenglocken ein Thema.“ Viele würden bei der Wohnungsbesichtigung nicht realisieren, dass das laute Läuten ein Problem darstellen könnte. „Die erschrecken erst, wenn sie auf dem Balkon sitzen und frühstücken wollen.“ Sich an das Gebimmel zu gewöhnen, falle vielen schwer.

Abhilfe schaffen könnte in den Augen von Seeßle und Winkler, das stündliche Geläut zu reduzieren. „Gegen das liturgische Geläut vor den Gottesdiensten oder bei einer Hochzeit habe ich ja nichts“, sagt Seeßle. Doch die Glockenschläge im Viertelstundentakt könnte man auf ein „erträgliches Maß“ herunterfahren. So sieht es auch Volker Winkler: „In Zeiten, in denen jeder ein Handy oder eine Armbanduhr hat, braucht man das nicht mehr unbedingt.“ Eine Alternative wäre, an den Glocken eine Dämmung anzubringen oder die Lüftungsschlitze im Kirchturm zu schließen. Diesen Vorschlag hat Winkler der Kirche bereits unterbreitet – allerdings ohne Erfolg.

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Kirchenglocken sind lauter als ein Motorrad ohne Auspuff

Dabei hätten auch andere Nachbarn nichts dagegen, wenn es ein bisschen leiser vom Kirchturm schallen würde. Schließlich sind die Glocken lauter als ein Motorrad ohne Auspuff: Während beim Motorrad ein Lautstärkepegel von 100 Phon zu messen ist, brächte es das Läuten auf Spitzenwerte von 110 Phon. Zu diesem Ergebnis jedenfalls ist Wolfram Nikolai gekommen, der ebenfalls in der Nähe der Kirche wohnt und bereits vor Jahren auf dem Grundstück von Volker Winkler, das direkt im Schallpegel der Kirchenglocken liegt, entsprechende Lärmmessungen durchgeführt hat.

Eigentümer des Grundstücks war damals noch Alfred Westermayer, seines Zeichens SPD-Stadtrat. Und auch dem ging das Gebimmel auf die Nerven. Auf seine Initiative hin wurde damals immerhin das Stundengeläut während der Nacht zwischen 22 und 6 Uhr abgestellt. Doch das ist Nikolai und Winkler noch nicht genug. „Vor allem der Viertelstundenschlag ist sehr unangenehm, weil er von der Frequenz her sehr hoch ist“, erklärt Nikolai. Um die Ohren der Anwohner zu schonen, könnte man beispielsweise den Klöppel der Glocke „verpacken“, um den Klang zu dämpfen. „Mit gutem Willen ginge das alles.“

Doch bei denen, die für das Glockengeläut verantwortlich sind, stießen bislang alle Beschwerden oder Verbesserungsvorschläge auf taube Ohren. „Es wird alles so bleiben wie bisher“, sagt der Neu-Ulmer Dekan Markus Mattes. Er könne schließlich nicht die Zeit reduzieren, um das stündliche Geläut einzuschränken. Wer eine Wohnung sucht, sollte sich zuvor über Geräusche in der Umgebung informieren. Zudem läuten die Kirchenglocken in jeder Gemeinde. „Das gehört einfach zu unserer Gesellschaft.“

Auch der Burlafinger Pfarrer Jolly Joseph Karakkunnel sieht keinen Handlungsbedarf. Nachdem es immer mal wieder Beschwerden gab, habe man das Thema im Pfarrgemeinderat und mit der Kirchenverwaltung besprochen – mit dem Ergebnis, alles so beizubehalten, wie es ist. „Ich wohne am nächsten zur Kirche und habe keinerlei Schlafprobleme“, sagt Karakkunnel.

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