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Ulm

30.01.2019

Leiche am Münsterplatz: "Körperwelten"-Exponate machen Station in Ulm

Der plastinierte „Hochspringer“ sorgte am Dienstagnachmittag noch nicht für besonders viel Aufsehen.
Bild: Alexander Kaya

Gunther von Hagens’ Körperwelten lockten bereits Millionen Besucher an. Jetzt sind 200 Exponate aus echten Leichen im Ulmer Blautalcenter zu sehen.

Ausnahmsweise ist Berühren erlaubt: Die Leiche auf dem Münsterplatz fühlt sich fast samtig an. Samtig wie Silikon. Kein Wunder: Gunther von Hagens erfand vor Jahrzehnten die Plastination von Lebewesen, bei der Kunststoff durch ein Vakuum bis in die letzte Zelle dringt. Ab Freitag, 1. Februar, sind 200 Exponate – darunter 20 Ganzkörperexponate sowie Teilplastinate, transparente Körperscheiben und einzelne Organe - im Ulmer Blautalcenter zu bewundern. Fast 45 Millionen Menschen haben seit 1996 die oftmals heftig umstrittenen Ausstellungen besucht.

Und damit die Ulmer Ausstellung diese Zahl weiter erhöht, wurde ein plastinierter Hochspringer am Dienstag vor das Münster gekarrt. Nur eine halbe Stunde steht die Leiche vor dem höchsten Kirchturm der Welt. „Ich find’s toll. Ich habe die Ausstellung schon in München gesehen“, sagt ein Ulmer im Vorbeigehen, bevor er ein Selfie mit dem Toten macht. Dass die plastinierten Körper jetzt sogar in Einkaufszentren zu bewundern sind, ist für Simon Klaas, vom Veranstalter Livemacher, kein Widerspruch: „Wir gehen dahin, wo die Leute sind.“ Und das könne auch ein Einkaufszentrum sein. Die Ausstellung richte sich an Laien und nicht an ein Fachpublikum. „Wir hatten schon Besucher, die sagten nach dem Besuch: Das mit dem Rauchen lass’ ich ab sofort lieber.“ Denn eindrucksvoll bildhaft zeige die Ausstellung Organfunktionen und die Auswirkungen von Suchtgewohnheiten an echten Organen.

Nur eine halbe Stunde lang stand die Leiche am Dienstag vor dem Ulmer Münster.
Bild: Alexander Kaya

"Körperwelten" in Ulm: Alle Präparate stammen von echten Menschen

Wie die Veranstalter betonen, stammen sämtliche Präparate von Menschen, die zu Lebzeiten verfügt hätten, dass ihre Körper nach dem Ableben dauerhaft konserviert und ausgestellt werden dürfen. „Man muss aber keine Angst haben, seinen toten Nachbar in der Ausstellung zu sehen“, sagt Klaas. Ohne Haut seien die Gesichtszüge nicht lebenden Menschen zuzuordnen. Eine Ausnahme werde es in Zukunft geben: Der schwer erkrankte, 74-jährige Gunther von Hagens habe verfügt, nach seinem Ableben erkennbar plastiniert die Besucher seiner Ausstellung als Präparat zu begrüßen. Bei der Eröffnung der Ausstellung am Freitag durch Kuratorin Angelina Whalley, die Ehefrau von Hagens’, werden auch Menschen aus der Region zugegen sein, die bereits zugesagt haben, ihre Körper nach ihren Tod plastinieren zu lassen. Die häufigsten Gründe für diese Entscheidung seien der Dienst für die Wissenschaft sowie Begeisterung für das Plastinationsverfahren. Doch schon das dritthäufigste Kreuzchen auf dem Fragebogen hat einen praktischen Grund: die Befreiung der Angehörigen von Bestattungskosten.

Wo früher Supermarktketten wie Real und später V-Markt Lebensmittel verkauften, werden bis einschließlich 5. Mai auf 1200 Quadratmetern die leblosen Körper und Organe zu sehen sein. Eine klassische „Win-win-Situation“: Das Einkaufszentrum Blautal-Center hat einen unschönen Leerstand mit einem populären Mieter belegt, der sicherlich für zusätzliche Besucher im Ulmer Westen sorgen dürfte. Und auch Veranstalter Klaas sagt, dass es nicht immer einfach sei, geeignete Räumlichkeiten für die Wanderausstellung zu finden.

"Körperwelten" im Blautalcenter von Krankenkasse gesponsert

Die Schau in Ulm trägt den Untertitel „Eine Herzenssache“ und wird durch eine Krankenkasse gesponsert. Entsprechend werden Aktionstage veranstaltet, die gesundheitliche Vorbeugung im Fokus haben. Los geht es am Sonntag, 10. Februar, mit Aktionen rund ums Thema Stress und die Auswirkungen auf das Herz. Auch für Kinder soll die Ausstellung geeignet sein. Unter dem Titel „Dr. Junior“ gibt es in den Osterferien sogar ein Ferienprogramm für Kinder von acht bis zwölf. Hier führen Medizinstudenten spielerisch durch das Reich der Toten. Und Lehrer können die Ausstellung umsonst besuchen, um etwaige Klassenfahrten zum Blautalcenter vorzubereiten.

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