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Ulm/Neu-Ulm

06.08.2019

Letzte Chance für die Gänstorbrücke

Ein Teil der Gänstorbrücke ist schon seit mehr als einem Jahr aus Sicherheitsgründen gesperrt, ab Montag ist das Bauwerk für alle Fahrzeuge gesperrt, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen.
Bild: Alexander Kaya

Ab Montag gilt die neue Höhen- und Gewichtsbeschränkung. Sie soll helfen, dass das marode Bauwerk fünf weitere Jahre aushält. Doch Bedenken bleiben.

3,5 Tonnen und 3,20 Meter. Das sind von Montag an die Höchstwerte für alle, die die marode Gänstorbrücke überqueren wollen. Die Sorgen der Verantwortlichen sind so groß, dass sie inzwischen nicht nur auf deutlich strengere Regelungen setzen als zunächst geplant, sondern auch ihren Zeitplan über den Haufen warfen. Die Gewichtsbeschränkung ist die Antwort der Städte Ulm und Neu-Ulm auf zwei verbotene Überfahrten im Mai und Juli. Weil Ende des vergangenen Monats zwei weitere Schwertransporter über die Gänstorbrücke brausten, zogen die Brückenexperten die Sperrung vor: Statt Ende August werden die neuen Schilder und die Höhenbeschränkung, eine Art Tor, bereits am kommenden Montag, 12. August, aufgebaut (wir berichteten). Doch geklärt ist längst noch nicht alles und manche Fragen sind entscheidend für das große Ziel, das hinter den Plänen steht: Die Gänstorbrücke soll durchhalten, bis ihre Nachfolgerin errichtet wird. Die soll im Jahr 2024 für den Verkehr freigegeben werden – wenn alles klappt.

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Die Höhenbeschränkung soll verhindern, dass Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen über die Brücke fahren. Dass Schilder allein nicht ausreichen, hat die Erfahrung der vier Schwertransporter gezeigt. Welche Folgen die vier verbotenen Überfahrten für die Sicherheit der Brücke hatten, können die Experten nicht feststellen. „Es kann keiner sagen, wie viel länger die Brücke ohne diese Überfahrten gehalten hätte“, beschreibt Roswitha Schömig, Sachgebietsleiterin Ingenieurbauwerke bei der Stadt Ulm und für die marode Brücke zuständig. Klar sei aber: Die Stabilität habe gelitten.

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Marode Gänstorbrücke soll bis 2024 halten

Linienbusse sind in Ulm und Neu-Ulm nicht höher als 3,20 Meter – sie passen durch das Tor. Anders ist das bei Feuerwehrautos. Für sie soll eine Notfallspur an der Höhenbeschränkung vorbeigeführt werden, entweder über den Gehweg oder über die Brückenmitte, die derzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Die zweite Variante wäre wohl einfacher. Allerdings ist unklar, ob die Gänstorbrücke das aushält – denn unter Umständen würden ein Löschfahrzeug und ein Bus nebeneinander fahren. Das müsse noch statisch berechnet werden, sagt Schömig. Nach den Erfahrungen mit den Schwerlastern ist sie überzeugt, dass auch die Höhenbeschränkung nicht alle Fahrer abhält – sei es aus Absicht oder wegen einer Fehleinschätzung über die Höhe des eigenen Fahrzeugs. Übersehen könne man die Beschränkungen nicht. Auf Neu-Ulmer Seite werden bereits auf der Europastraße Hinweisschilder aufgestellt, auch auf der Ulmer Seite sollen die Warnungen frühzeitig zu sehen sein. Ingenieurin Schömig setzt darauf, dass sich die Höhenbeschränkung herumspricht: „Der allergrößte Verkehr wird außen herum fahren“, glaubt sie.

Chaos, etwa wenn Lastwagenfahrer durch die Neu-Ulmer Innenstadt ausweichen wollen, fürchtet Schömig nicht. Dennoch ist sie sicher: Früher oder später wird jemand in dem Tor stecken bleiben. Deswegen habe die Stadt den Plan fallen gelassen, eine elektrisch verstellbare Höhenbeschränkung aufzubauen. Fahrer von Bussen und Einsatzfahrzeugen hätten diese öffnen können. Aber: „Wenn uns das jemand kaputt fährt, ist es ganz schlecht.“ Also wählte man die einfachere Variante – mit dem Problem, dass Feuerwehrautos einen Alternativweg benötigen.

Aufbau der Höhenbeschränkung: Stau in Ulm und Neu-Ulm droht

Dass diese Fahrzeuge deutlich schwerer sind als 3,5 Tonnen, halte die Brücke auf. „Wir reizen es nicht bis zum letzten aus“, betont Schömig. Und ein paar Einsätze seien etwas anderes als Lastwagen, die im Minuten- oder Sekundentakt über die Donau brausen. Auch die Räumfahrzeuge im Winter benötigen eine Ausnahme, schließlich wird es auf Brücken durch die Kälte von unten schneller glatt als auf anderen Straßen. „Den Winterdienst werden wir gewährleisten“, verspricht Schömig – räumt aber ein, dass es dazu noch keine Pläne gibt.

Die kurzfristig eingeführten Beschränkungen haben ihr und ihren Kollegen Mühe bereitet. „Wir haben die Möglichkeiten abklopfen müssen“, berichtet die Bauingenieurin. So habe man etwa geprüft, ob eine Schilderfabrik oder der Bauhof die nötigen Tafeln schneller bereitstellen kann. „Die Schilder werden jetzt per Express am Freitag geliefert“, sagt die Bauingenieurin.

Wenn die Einrichtungen am Montag aufgebaut werden, müssten Fahrer mit Behinderungen rechnen, kündigt Schömig an. Wie diese ausfallen, könne man aber nicht vorhersagen. Das Ergebnis, glaubt die städtische Ingenieurin, rechtfertigt alle Einschränkungen für den Verkehr: „Wenn das funktioniert, dann bin ich guter Dinge, dass wir die Brücke so lange halten können.“ So lange, bis der neue Überweg über die Donau kommt.

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