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Neu-Ulm

19.04.2014

Leuchtende Osterbotschaft

Die Künstlerin und ihr bislang wohl größtes Werk: Elfi Frauendorf hat für die katholische Kirche „Christus unser Friede“ in Ludwigsfeld ein 3,60 Meter breites Triptychon mit einer österlichen Szene aus dem Johannes-Evangelium geschaffen.
Bild: Michael Peter Bluhm

Elfi Frauendorf hat ihr bislang zweiteiliges Gemälde in „Christus unser Friede“ zum Triptychon ergänzt.

„Christus unser Frieden“ in Ludwigsfeld ist wohl eine der ungewöhnlichsten Kirchen weit und breit. Das Gotteshaus hat keinen Kirchturm, sieht von außen eher aus wie eine Konzerthalle und öffnet sich im Inneren überraschend weit: Umfasst von Betonblöcken, ist die Kirche von einer zeltartigen Holzkonstruktion überdacht, viel helles Licht strömt von oben in den gesamten Gottesraum und gibt den Blick frei auf ein imposantes Triptychon hinter dem Altar und auf 13 imposante Engelsbilder an den Wänden – geschaffen von der Neu-Ulmer Künstlerin Elfi Frauendorf.

Es ist eine Dauerausstellung, die der katholischen Kirchengemeinde und Stadtpfarrer Johannes Martin ans Herz gewachsen ist. Zum Osterfest hat die Malerin das bisher zweiteilige Bild vom Grab Jesu zu einem Triptychon (jetzt 1,80 Meter hoch und 3,60 Meter breit) ergänzt: Nun sind jene drei Frauen am Grab Jesu zu erkennen, denen am Ostersonntag die Engel als Boten der Auferstehung des Herrn erschienen sind: Nach dem Johannes-Evangelium Maria Magdalena, die sogenannte „andere Maria“ (die Mutter des Jakobus) und Salome (aber nicht Jesu Mutter Maria, die unter dem Kreuz stand, so Stadtpfarrer Martin).

Die Farbe Gelb dominiert das dreiteilige Werk, das von innen heraus leuchtet, neben Rot die Lieblingsfarbe der Künstlerin, was sich auch gerne in ihrer farbenfrohen Garderobe äußert. Schemenhaft hell erscheint der Engel und gibt viel Raum für die Fantasie des Betrachters: Lichtwesen im Libellenflug, hat ein Kunstkenner mal ein Engelbild von Elfi Frauendorf beschrieben, ein anderer sprach von Klangbildern in kühnem Rhythmus und Farbschöpfungen von singulärem Rang. Da war das Triptychon noch nicht geboren, das zum Imposantesten gehört, was die Malerin bisher auf die Leinwand gebracht hat.

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Eines der 13 aufgehängten und betrachtenswerten Bilder im Innenraum der Kirche hat Elfi Frauendorf dem kunstsinnigen Pfarrer Martin geschenkt: Ein feuerroter moderner Engel mit Flügel und Heiligenschein, eine temperamentvolle Lichtgestalt, die die Freude am Leben versinnlicht. Rot ist auch die Lieblingsfarbe des Seelsorgers. Der ist in einer vielköpfigen Familie aufgewachsen, wo jedes Kind seinen eigenen Zahnbecher hatte, der sich farblich von den anderen unterschied. Der des kleinen Johannes hatte die Farbe Rot.

Es gab und gibt für Frauendorf auch ein Leben vor und neben der Engelsmalerei. Von ihren Reisen in ihr Lieblingsland Marokko brachte sie die Freude an sinnlichen Farben wie Rot und Gelb mit, schuf unter anderem ein kühnes Triptychon von einem spanischen Stierkampf und wurde weithin bekannt durch ihre Bilderzyklen zu Opernaufführungen in Ulm und Karlsruhe, die zuweilen Farbgewittern gleichkamen.

So wurde auch der Kunsthistoriker Egon Rieble aus Rottweil auf die Neu-Ulmer Malerin aufmerksam, packte einen ganzen Reisebus voll mit Kunstfreunden aus seiner Heimatstadt und fuhr zum Atelier der Künstlerin auf dem ehemaligen Nelson-Areal. Das Publikum war begeistert von der mediterranen Kraft der Bilder, die viele an den französischen Impressionisten Cézanne erinnerten. Nach dem erfolgreichen Besuch wollte Elfi Frauendorf dem Kunsthistoriker eines ihrer Bilder schenken und er wünschte sich ein kleines Engelsbild. Das hatte sie noch nie gemalt, versuchte sich also bei meditativer Musik an diesem Motiv und fortan war es um die Mutter von zwei erwachsenen Kindern geschehen. Bis heute hat die Künstlerin 500 kleine und große Engelsbilder gemalt, meist um Mitternacht, wenn alles um sie ruhig ist und sie sich voll auf ihre Emotionen konzentrieren kann.

Mittlerweile glaubt Frauendorf an einen persönlichen Schutzengel, der sie zwei Herzinfarkte und einen Treppensturz vom ersten Stock überleben ließ. „Ich würde sonst nicht mehr leben“, sagt die Künstlerin. Seitdem betet sie täglich zu den Engeln, denen sie mit ihren Bildern ein irdisches Denkmal setzt.

Und als das große Bild von Elfi Frauendorf hinter dem Altar, das jetzt ergänzt wurde, bei einer Messe vor einiger Zeit mal herunterfiel, hatte vielleicht auch ein Schutzengel seine Hand im Spiel. Die schweren Bilder stürzten zu Boden und niemand kam zu Schaden.

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