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Ulm

24.02.2015

Liebe, Luxus, Raub: Filmreifer Kriminalfall vor Gericht

Ein filmreifer Kriminalfall wird am Landgericht Ulm verhandelt. Dabei geht es um das Doppelleben einer Kroatin. Mit Komplizen hatte ihr Liebhaber ihren Lebenspartner beraubt.
Bild: Alexander Kaya

Ein filmreifer Kriminalfall beschäftigt derzeit das Landgericht Ulm. Vermeintliche Paketzusteller überfallen reichen Geschäftsmann.

Das Leben zwischen Luxus und Liebe platzte wie eine Seifenblase, als ein hässlicher Raubüberfall das Doppelleben einer 52-jährigen Kroatin jäh beendete. Nicht nur das: Sie muss nun auch mit dem Verdacht leben, Drahtzieherin einer nicht alltäglichen Kriminalstory gewesen zu sein. Diese ist derzeit Mittelpunkt eines Prozesses vor der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts Ulm.

Filmreif: Vier Kriminelle bereichern sich an Unternehmer

Ein sorgenfreies Leben garantierte der großen Blondine ein steinreicher Spielhallenbetreiber (70), die Liebe ihres Lebens genoss die geschiedene Mutter eines erwachsenen Sohnes zeitgleich aber mit einem mittellosen 36-jährigen Kosovo-Albaner, den sie in einem der Betriebe des Glücksspiel-Unternehmers in Ulm kennenlernte.

Die Beziehung verheimlichte sie sogar ihrem eigenen Sohn, mit dem sie unweit des Geschäftsführers auf dem Eselsberg wohnte. Seine Liebhaberin hatte der Geschäftsmann in seinen Spielbetrieben angestellt und gut bezahlt. Der Kosovare dagegen war arbeitslos, hätte von der Hand in den Mund gelebt, wenn er nicht eine kleine Autowerkstatt betrieben hätte.

In einem Filmdrehbuch würde jetzt stehen, dass sich die Liebenden überlegen, wie sie sich beide bereichern könnten an dem Mann, der in seiner Villa über einen Tresorraum verfügte, in dem die Geldschränke täglich mit Spieleinnahmen von Kassierern gefüttert wurden. Die 500-Euro-Scheine stapelten sich dort in eine erkleckliche Höhe, wie sich später herausstellte.

Letztlich war es offenbar der 36-Jährige, der einen filmbuchreifen Plan aushegte: Man könnte zwei Kumpels aus dem Kosovo, die in Deutschland auch ein armes Leben fristen, engagieren, einen von ihnen als DHL-Paketzusteller ausstatten, um sich Zugang zur Villa des Herrschers über 30 Spielhallen in Süddeutschland zu verschaffen. Die Umsetzung des Plans, wie in der Anklageschrift beschrieben, erinnert ein wenig an einen Film von Tarantino, der so bösartig-witzig die menschlichen Unzulänglichkeiten erzählt: Während sich der 36-jährige Liebhaber im Auto versteckt, gehen seine beiden jungen Komplizen zum Haus.

Jüngster Komplize erhält am wenigsten Beute

Der als Postbote verkleidete Täter klingelt. In Unterhosen öffnete der Hausbesitzer die Tür, ein Küchenmesser in der Hand, mit dem er kurz zuvor Tomaten schnitt. Der Anblick schien den „Paketboten“ zunächst erschreckt zu haben. Einer der beiden Täter rannte zur Küche und bewaffnete sich mit einem weiteren Messer. Aber da war der Spielhallen-Betreiber schon zu Boden geworfen worden und hatte sich arge Schrammen geholt. Todesangst hatte das Opfer zunächst, weil die beiden Männer keine Masken trugen, also mutmaßlich zum Äußersten gingen.

Aber dann waren sie doch recht höflich, wie der 70-Jährige vor Gericht aussagte, auch wenn sie ihn im Tresorraum an einen Stuhl mit Kabelbindern banden und ohne Umschweife nach den 500-Euro-Scheinen fragten. Der Gefesselte gab in seiner Not die Nummerncodes der Panzerschränke preis und die Täter machten Kasse: Insgesamt 100.000 Euro in Papiergeld und Münzsäcken wurden aus dem Haus geschleppt, wo der Liebhaber der besagten Kroatin in einiger Entfernung mit dem Auto wartete. Später wurde das Geld in seiner Werkstätte aufgeteilt.

Der jüngste, der den Paketboten mimte, bekam am wenigsten von der Beute, was erklären könnte, warum er der Einzige ist, der im laufenden Prozess wegen schweren Raubes vor dem Landgericht aussagt und seine Komplizen schwer belastet. Diese wiederum schweigen. Doch die Aussagen am ersten Prozesstag bringen auch die Geliebte des Opfers und des mutmaßlichen Täters ins Spiel, die nach dem Raubüberfall im Juli 2014 nach intensiven Ermittlungen in U-Haft landete, aber später wieder freigelassen werden musste, weil die Indizien zwar schlüssig klangen, aber nicht durch konkrete Erkenntnisse erhärtet werden konnten.

Anwalt erwartet weitere Aussagen von Kroatin

So schöpfte der Staatsanwalt am zweiten Verhandlungstag Hoffnung, dass sich weitere Anhaltspunkte in der Beweisaufnahme ergeben könnten: Er erwartete offensichtlich Einiges von der Vernehmung der Frau. Die Dame zweier Liebhaber erzählte ihre Variante im Beisein eines anwaltlichen Zeugenbeistands. Sie berichtete, wie sie aus einer Mitarbeiterin die Freundin des Chefs geworden war, schließlich in seinem Haus aus- und einging, aber für ihn immer weniger empfand. Sie erzählte von dem Parallel-Verhältnis zu dem 36-jährigen Mitangeklagten, den sie offensichtlich richtig mochte.

Man traf sich mal da mal dort. Mit den mobilen Treffs ging es auch weiter, als sie kurz vor der Tat im Juli aus einem Kurzurlaub mit ihrem Chef aus Monaco zurückkam. Da habe sie sich auch mit ihrem Liebhaber um die Ecke ihres Hauses im Auto getroffen, man habe „Hallo“ gesagt und sich umarmt und geküsst, das sei alles gewesen. Möglicherweise kreiste da schon ein Polizeihubschrauber über ihnen, der kurz nach dem Überfall die Gegend auf dem Eselsberg nach den geflohenen Tätern abgraste.

Ob sie genaueres vom Tresorraum wusste, wollte eine Verteidigerin wissen und nannte die „500-Euro-Scheine“. Nein, davon habe sie keine Ahnung gehabt. Sie sei jedenfalls von ihrem Chef nach der Tat angerufen worden, er sei überfallen worden. Daher wurde aus dem gemeinsamen Essen nichts. Der Prozess wird am Mittwoch, 25. Februar fortgesetzt.

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