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Theuater Neu-Ulm

13.04.2015

Liebe für Fortgeschrittene

Heinz Koch, Peer Roggendorf und Claudia Riese (von links) bei der Premiere der Komödie „Winterrose“ im Theater Neu-Ulm.
Bild: Alexander Kaya

Das Theater Neu-Ulm zeigt mit „Winterrose“ eine kurzweilige Komödie, bei der ein altbekanntes Theaterpaar auf einen neuen Mitstreiter trifft

Wie soll man mit der Einsamkeit umgehen? Drei Menschen führt der Zufall an einer Parkbank am Ententeich zusammen und jeder von ihnen hat seine eigene Strategie gegen Einsamkeit. Das kann äußert unterhaltsam werden, wie die Premiere von „Winterrose“ im Theater Neu-Ulm bewies.

Pensionär Anton (Heinz Koch) sitzt auf der Parkbank, wühlt sich durch Dantes „Göttliche Komödie“ und reagiert auf alle Kontaktversuche der Umwelt harsch: „Stille. Ich will nur Stille, sonst nichts!“ Die gleiche Parkbank hat sich allerdings auch Elisabeth (Claudia Riese) auserkoren, denn von hier aus kann sie mit einem Fernglas die jeweiligen Bewerber einer Kontaktbörse vorab ins Visier nehmen. Unter der Chiffre „Winterrose“ sucht sie laufend nach Männerbekanntschaften – denn das Material, das Witwe Elisabeth auftut, taugt nichts. Muttersöhnchen, Exzentriker und echte Spinner. Dabei will sie doch nur „einen normalen Mann zum Reden“.

Der Dritte im Bunde der Einsamen ist Parkwächter Horst Hückeswagen (neu im Theaterensemble: Peer Roggendorf), ein fröhliches Nordlicht, das ebenso tapfer das Alleinsein zu kultivieren versucht. Horst wächst in die Rolle des Mediators zwischen Anton und Elisabeth. Und die sind zunächst weit davon entfernt, sich auch nur annähernd zu verstehen.

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Das Theater Neu-Ulm zeigt die Beziehungskomödie „Winterrose“ von Christa, Agilo und Michael Dangl als kurzweiliges und dabei auch psychologisch treffsicheres Typentheater. Claudia Riese und Heinz Koch spielen die Gegensätze ihrer Charaktere voll aus – zwei Menschen, die einander zunächst sehr widerwillig näher kommen. Anton will ein durchgeordnetes Leben, ohne Überraschungen. Elisabeth ist die verkörperte Überraschung und lebt ihre Spontanität aus. Die zarte Liebesgeschichte beginnt mit ausgefahrenen Krallen und verbalen Beißattacken.

Heinz Koch spielt den grantelnden Literaturfreund Anton Kleeberger mit sprödem Charme; hochkomisch, wie er stumm an den Mitmenschen leidet, die ständig etwas von ihm wollen. Seine Figur entwickelt ihren Reiz aus dem extremen Kontrast zu Rieses „Elisabeth“, deren Verzweiflung sich hinter einer Fassade aus fröhlichem Geplapper und manischem Abgrasen der Kontaktanzeigen verbirgt. Wenn also Koch als Anton die vorsichtigen Avancen von Rieses Elisabeth abwimmelt, dann kommt da nicht nur die klassische Screwballkomödie zu Ehren – man hat als Zuschauer auch den vergnüglichen Reiz, zwei Komödianten beim lustvollen Durchdeklinieren von Beziehungszuständen zuzuschauen, die auch im wahren Leben liiert sind. Zum „gefühlt fünfzigsten Mal stellen wir ein Theaterpaar dar“, sagt Heinz Koch über das funktionierende Rezept des Neu-Ulmer Theaters.

So führt die Geschichte zielsicher zum Happy-End für Anton und Elisabeth, nicht ohne vergnügliche Schnörkel und Verwirrungen. Als Gärtner Horst Hückeswagen hat Peer Roggendorf ebenfalls die Schmunzler auf seiner Seite. Ob beim Tänzchen mit dem Laubrechen im Mondschein oder als Amor mit Laubbläser – die Rolle ist von Regisseurin Claudia Riese (auch Bühnenbild) klug angelegt, macht sie doch aus einer scheinbaren Nebenfigur erst den logischen Dreisatz der Romantik. Und so darf am Ende, ganz wie in Dantes „göttlicher Komödie“, für alle Beteiligten das Paradies stehen. Das Premierenpublikum hatte großes Vergnügen daran und belohnte die spielfreudigen Akteure mit großem Applaus.

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