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Ulm

24.07.2013

Lieber König als Schaf

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Ira Dentler

Thronrede: Ira Dentler spricht im Fischerviertel in Ulm

Ulm Von Schafen und von Königen erzählte Ira Dentler, Tochter des 2006 verstorbenen Schmuckphilosophen und „Königs von Ulm“, Rex Rudolphus des Letzten, in ihrer alternativen Schwörrede auf dem Thron ihres Vaters an der Goldschmiede im Fischerviertel – und erreichte dabei, dass die Menschenmenge unter ihr aufgefordert „määäh!“ machte.

Am Ende der Thronrede meckerte keiner mehr, denn ein Schaf wollte keiner der vielen Zuhörer sein, eines, das unreflektiert tut, was man ihm sagt. Eher schon ein König, einer der seinen Idealen folgte und Verantwortung übernimmt. Und Überraschendes geschah: Für die Dauer der Thronrede und der Überreichung des Dentler-Rings lärmte keine Musik durchs Fischerviertel. Nur die Martinshörner der am Schwörmontag ununterbrochen im Einsatz befindlichen Rettungskräfte brachten die chaotischen Zustände in die Rede ein, die sich gleichzeitig andersorts in der Stadt abspielten, vor allem auf dem Münsterplatz.

Zum Nutzen des eigenen Kopfes, zum Nachdenken darüber, wofür oder wogegen sich einer entscheidet, rief Ira Dentler in der Thronrede 2013 auf – in Fragen der Luxussanierung von Wohngebieten beispielsweise, wo weniger Bemittelte und Menschen, die bewusst gegen den Mainstream leben, dann ihre Wohnungen aufgeben müssen. Zur Solidarität aber auch mit Menschen, die nach einem Verlust nicht mehr die Kraft haben, aufzustehen und weiter zu machen - auch aus bitterer persönlicher Erfahrung, denn Ira Dentler und ihre Mutter Gisela, die die Goldschmiede und die Tradition des Vaters seit dessen Tod 2006 weiter führen, mussten Anfang Juli durch einen Einbruch in ihrer Goldschmiede, wo Edelsteine und Schmuck in hohem Wert von Unbekannten geraubt wurden, nach diesem Schaden auch an Kreativität neu beginnen.

„Was einmal ein König geschaffen hat, können eine Prinzessin und ihre Mutter ein zweites Mal wieder aufbauen“, sagte die 32-Jährige mit trotzigem Mut in ihrem strahlenden Lächeln. Den Dentler-Ring 2013 erhielt der Ulmer Augenarzt, Gemeinderat, Büttenredner, Feuerwehrarzt, Visionär und Querdenker Hans-Werner Roth, der mit seiner Idee einer vernetzten Armenklinik dafür sorgt, dass auch Menschen ärztlich behandelt werden, die beispielsweise nach dem Zusammenbruch ihrer Selbstständigkeit ihre Krankenversicherung nicht mehr bezahlen können. Dass er seinem verstorbenen Freund Rudolph Dentler an rhetorischen und querdenkerischen Fähigkeiten kaum nachsteht und gern in dessen Fußstapfen wandelt, offenbarte Roth in seiner Dankesrede, in der er über den Umgang mit Querdenkern in den letzten 50000 Jahren philosophierte.

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