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Stadtjubiläum

20.07.2019

Löwen marschieren auch im Trockenen auf

Die Musikschule führte den „Karneval der Tiere“ auf.
Bild: Dagmar Hub

Der „Karneval der Tiere“ der Neu-Ulmer Musikschule überzeugt auch ohne Klangweg im Glacis

Es hätte ein schöner Abend im Mai werden sollen: „150 Minuten Musik“ wollte die Musikschule Neu-Ulm der Stadt zum 150. Geburtstag schenken. Doch das Wetter wollte nicht mitspielen und der lange geprobte Klangweg über vier Stationen im Glacis hatte abgesagt werden müssen – zur Enttäuschung auch der Akteure. Nun brachte Mariana Vodita-Gluth mit dem Musikschulorchester den Kern des Projekts, die Aufführung von Camille Saint-Saens’ „Karneval der Tiere“, doch noch zur Aufführung. Sicherheitshalber im Dr.-Joachim-Keller-Saal der Musikschule. Der für einen Samstagabend geplante „Klangweg“ durchs Glacis hätte den jungen Musikern und der Erzählerin Annika Goergens vermutlich mehr Publikum gebracht, heftig beklatscht wurde die Aufführung aber auch in der Musikschule – und am Vormittag bereits in der Stadtbücherei.

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Annika Goergens erzählte dem Publikum in reizender Weise vom Geschehen in den 14 Sätzen des programmatischen Werkes, das Camille Saint-Saens zu seinen Lebzeiten nicht zur Veröffentlichung freigegeben hatte, das aber heute zu den meistgespielten Kammerorchesterwerken gehört und Kindern Musik besonders gut vermitteln kann, während gleichzeitig auch Erwachsene ihre Freude am Hintersinn des Werkes haben. „Grand fantaisie zoologique“ heißt es im Original – und eine Menge Fantasie muss Saint-Saens darauf verwendet haben, die Tiere parodistisch in Musik zu „verkleiden“. Besonders gefürchtet hatte Saint-Saens allerdings wohl den Umstand, dass er Musik von Zeitgenossen auf humoristische Weise zitierte und beispielsweise die Schildkröten im Stück auf Jacques Offenbachs „Cancan“ tanzen ließ – so langsam und schwerfällig wie das für Schildkröten aufgrund ihres Panzers und ihrer langsamen Bewegungen eben nötig ist, auch wenn die Schildkröten gerade ihre Eleganz zeigen wollen.

Da marschieren die Löwen auf, da schreien die Esel und Kängurus hüpfen durch die Takte. Schwierig wird es für die Fische, sich musikalisch zu äußern, erklärt Annika Goergens – müssen die doch auf die Geräusche von Wasser zurückgreifen, um sich bemerkbar zu machen. Vielleicht kannte Saint-Saens den Knurrhahn nicht, sonst hätte er ihm wahrscheinlich eine Rolle ins Werk geschrieben. Auch das Murmeltier hat keinen Platz im Stück – hat es doch die Generalprobe verschlafen, wie Annika Goergens erzählt. Dafür kommt den Fossilien ein besonderer Part zu, deren Knochen man bisweilen klappern hört – hierfür zitierte der Komponist aus Rossinis „Barbier von Sevilla“.

Trotz aller hohen Konzentration hatten die Kinder und Jugendlichen des Orchesters ihren Spaß am Werk – und das Publikum ebenfalls. Mariana Vodita-Gluth brachte am Ende ihren Stolz über die Leistung der jungen Akteure zum Ausdruck.

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