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25.06.2009

Mädchen schwerbehindert: Familie erhält 600 000 Euro

Ulm Im tragischen Fall eines an Leukämie erkrankten, schwerbehinderten Mädchens haben sich jetzt das Universitätsklinikum Ulm, die betroffene Familie und die Versicherungen auf einen Vergleich geeinigt. Das Mädchen und seine Familie aus dem Alb-Donau-Kreis erhalten danach 600 000 Euro für die bisherige und weitere Versorgung. Die Krankenkasse bekommt für bisherige Leistungen 180 000 Euro, die künftigen Kosten werden zu 75 Prozent getragen, sofern nicht ein Festbetrag vereinbart wird. Die Kosten übernimmt die Versicherung des Uniklinikums.

In einer langwierigen juristischen Auseinandersetzung war es um die Frage gegangen, ob in der Ulmer Kinderklinik die Diagnose Leukämie bei dem Mädchen verspätet gestellt wurde und ob dies mit zur schweren Behinderung des Kindes beigetragen hat. Mehrere Gutachter kamen dabei zu unterschiedlichen Auffassungen.

Am Ulmer Landgericht war das Universitätsklinikum voriges Jahr zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 270 000 Euro verurteilt worden. Außerdem sollten den Eltern des Mädchens lebenslang die Pflegekosten ersetzt werden. Das Gericht kam zu der Auffassung, dass ein grober Behandlungsfehler vorliegt. Gegen dieses Urteil ging das Universitätsklinikum in Berufung. Das Oberlandesgericht Stuttgart machte im April einen Vergleichsvorschlag, dem die Beteiligten jetzt weitgehend gefolgt sind.

Das Klinikum sei froh über die Einigung, die am Ende eines langen Verfahrens stehe, teilte die Einrichtung mit. Es sprach dem Mädchen und seiner Familie sein Mitgefühl aus. "Der tragische Verlauf der Erkrankung hat viel Leid über die Familie gebracht, das sich durch nichts aufwiegen lässt."

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Im Mai 1998 war das damals dreieinhalbjährige Mädchen krank geworden. Es bekam Medikamente gegen eine fiebrige Erkältung. Zunächst mit Erfolg, doch das Mädchen war ständig matt und müde. Drei Monate danach ein schlimmer Zwischenfall. Das Mädchen war plötzlich teilweise gelähmt. Der Notarzt brachte es in die Ulmer Kinderklinik. Dort besserte sich sein Zustand wieder. Die vorausgegangene Virusinfektion wurde als harmlos eingestuft. Nach drei Tagen wurde das Kind aus der Klinik entlassen.

Dass in der Klinik keine Knochenmarksbiopsie vorgenommen wurde, hat der Kinderarzt Professor Dr. Felix Zintl aus Jena in der Verhandlung in Ulm als Sachverständiger schwer kritisiert. Gerade bei Kinder-Leukämie seien die Heilungschancen umso größer, je früher sie erkannt werde. Andere Gutachter waren zu der Erkenntnis gelangt, dass den behandelnden Ärzten kein Vorwurf zu machen sei. Da der Fall jetzt juristisch abgeschlossen ist, wird die Schuldfrage letztlich nicht mehr geklärt werden.

Fest steht, dass der Zustand des Mädchens sich damals dramatisch verschlechterte. Einige Tage nach der Behandlung traten die Lähmungen wieder auf. Das Kind musste erneut ins Krankenhaus. Es ging ihm immer schlechter. Monate später wurde eine Knochenmarkpunktion vorgenommen. Die schreckliche Diagnose: Leukämie. Das Mädchen überlebte. Es wird sein Leben lang schwerbehindert bleiben.

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