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Ulm

05.01.2013

Magirus-Villa soll Luxuswohnungen weichen

Die Magirus-Villa am Ulmer Galgenberg soll abgerissen werden. Bürger wollen das verhindern – wohl vergeblich.
Bild: Dave Stonies

Stadträte und Bürger kämpfen gegen den Abriss des Wohnhauses des Ulmer Unternehmers. Die Zeit wird knapp.

Helle Fassade, Säulen am Eingang, ein hohes Dach: Noch steht die Villa in der Ulmer Fürsteneckerstraße. Sie gehörte einst Conrad Dietrich Magirus, dem Gründer des heutigen Nutzfahrzeug- und Brandbekämpfungsunternehmens Iveco Magirus. Doch die Villa des Unternehmers könnte bald aus der Ulmer Silhouette verschwinden: Am Montag sollen die Abbrucharbeiten beginnen.

Das zumindest sind die Informationen des CDU-Fraktionschefs Thomas Kienle, der zusammen mit seinem Stellvertreter Hans-Walter Roth nun für den Erhalt der Villa kämpft. „Für mich ist das ein Kulturdenkmal“, sagt Kienle und erinnert an die Bedeutung von Magirus für Ulm: „Er war ein klassischer schwäbischer Tüftler, ein Pionier auf dem Feuerwehrwesen.“ Wenn solche Objekte nur aufgrund von Interessen des Immobilienmarkts abgerissen würden, „brauchen wir einen stärkeren Denkmalschutz.“ Für Kienle, Roth und viele Bürger ist es unbegreiflich, dass ein Stück Ulmer Geschichte zerstört werden soll. Die Firma Casa Nova wolle für einen privaten Investor, der das Gebäude von der Eiselen-Stiftung gekauft habe, ein Appartementhaus mit Luxuswohnungen bauen, schildert Kienle. Deshalb muss die Jugendstilvilla am Galgenberg weichen.

Dagegen regt sich nicht nur bei den beiden Stadträten Widerstand. Eine Bürgerinitiative verteilte Flugblätter und sammelte Unterschriften, 160 davon wurden im Rathaus überreicht. Kienle und Roth haben sich in einem Schreiben an Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner gewandt: Juristisch sei die Angelegenheit zwar in Ordnung, ein Abbruch nehme aber keine Rücksicht auf die Anwohner und die Ulmer Bevölkerung. Zum einen sei die Villa eines der wenigen Bauwerke, welche beide Weltkriege überlebt hätten, zum anderen sei der alte Baumbestand auf dem Gelände schützenswert.

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Sogar mit dem Goethehaus in Frankfurt, dessen Abriss nach dem Zweiten Weltkrieg einige engagierte Bürger verhindern konnten, und mit der Villa Krupp, heute Weltkulturerbe, vergleichen Kienle und Roth die Magirus-Villa. Sie wollen von Gönner wissen, ob die Stadt das Gebäude durch Vorkaufsrecht hätte erwerben können und es selbst verwenden hätte können – beispielsweise als Raum für die Verwaltung oder für Archive. „Auch museale Räume, zum Beispiel für die Firma Iveco, wären denkbar“, meint Kienle.

Hauptgrund für die Zurückhaltung in Sachen Magirus-Villa scheint der Sanierungsbedarf zu sein. „Man hat uns gesagt, das Gebäude sei energetisch gesehen eine Katastrophe. Wir haben das aber nie so wahrgenommen“, sagt Kienle. Er glaubt, dass mit ein wenig Willen und Einsatz eine Lösung gefunden worden wäre: „Mit einer energetischen Sanierung hätte man die Villa sicher auch der Wohn- und Büronutzung zuführen können.“ Kienle appelliert an das geschichtliche Bewusstsein: „Trotz verständlicher Interessen des Immobilienmarkts, wenn es dabei an die kulturelle Substanz geht, ist es das alles nicht wert.“

Bei allen Bemühungen: Für die Magirus-Villa werden sie wohl zu spät kommen. Denn die Denkmalschutzbehörde Tübingen hat den Fall bereits vor einem Jahr untersucht. Pressereferent Carsten Dehner erklärt, dass damals schon eine Entscheidung gefallen sei: Für den Denkmalschutz handele es sich bei der Villa nicht um ein Kulturdenkmal. „Das Gebäude wurde mehrmals verändert, vom ursprünglichen Zustand zu Lebzeiten von Magirus ist nur noch sehr wenig erhalten.“ Die erneute Anfrage aus Ulm ändere nichts an der Beurteilung.

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