Ausstellung

19.11.2014

Magische Herzstücke

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3 Bilder
Magie 2007 mit Blattgold.

Bernhard Schmid zeigt in Neu-Ulm „Bäume aus dem Klostergarten“

Auf die innere Stimme kommt es an. Auch bei Bäumen. Die sind für Bernhard Schmid pure Energie. Holz ist für ihn der größte Freund und Lehrmeister des Menschen. Der Rettenbacher Holzbildgestalter weiß, wovon er spricht. Bäume begleiten ihn seit seiner Jugend, sein Kletterstamm in Schwabmünchen war ein „Kaiser Wilhelm“-Apfelbaum. In Schmids neuer Ausstellung in den lichten Fluren der Firma Carl Götz in der Otto-Renner-Straße kann man zwar nichts erklimmen, aber umso mehr erwandern.

Unter dem Motto „Bäume aus dem Klostergarten“ bildet dort eine Auswahl seiner künstlerischen Arbeiten bis 15. Januar einen Parcours, der Holz auf fast spirituelle Weise erlebbar macht.

Der Gestalter kennt die Ursprünge seiner Werke

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Von kleineren Rindenobjekten und Tafelbildern ist Schmid zu großen, aus dem ganzen Baum gefertigten Skulpturen gekommen. Zu den Rohlingen, deren ursprünglichen Standort er kennt, baut er eine innere Beziehung auf.

Besonders berühren ihn alte Bäume, um die sich ganz besondere Geschichten ranken. Sturm Lothar hatte beispielsweise die 360-jährige „Zigeunereiche“ bei Leipheim zu Boden gefegt. Das Naturdenkmal war ein Wander- und Gemarkungseckpunkt auch fürs fahrende Volk. Aus dem durch die Naturgewalten gefällten Baummaterial fertigte Schmid die Skulptur „Magie 2007“ an, die er mit 24-karätigem Blattgold verzierte.

Auch Bruchstücke der im biblischen Alter von 880 Jahren 2007 durch ein Unwetter stark beschädigten „Norbertuslinde“ beim Kloster Roggenburg befindet sich unter den Exponaten. Die bereits 1126 gepflanzte, 27 Meter hohe „Roggenburgerin“ hat ihren Namen vom Heiligen Norbert, dem Gründer des Prämonstratenser-Ordens, zu dem auch das Kloster Roggenburg gehört. Sie war nach der Überlieferung „Stammbaum“ des Klosters. Unter ihrem Blätterdach soll der Sage nach der Gründervater Norbert gerastet haben, der sich von Frankreich auf den Weg nach neuen Prämonstratenser-Ufern gemacht hatte. „Das bemalte Lindenholz, das hat schon seinen ganz besonderen Reiz“, sagt Bernhard Schmid. Zum Tandem hat er für die Besucher aus dem gleichen Baumholz eine gekalkte Roggenburger Variation namens „Rückzug“ platziert.

Für die Bearbeitung eines neuen inneren Resonanzraumes trägt Bäumeflüsterer Schmid schon mal bis zu zehn Lagen nach alter Tradition selbst angemischtes Öl auf, wodurch die Oberfläche stabilisiert wird. Dann fährt er mit dem Poliertuch zig Mal über die künstlerisch bearbeiteten Stellen. Wenn das Gefühl stimmt, ist der Arbeitsprozess beendet.

Das Herz in der Kirschbaumrinde

Viele der Ausstellungs-Objekte stammen aus dem Naturreservoire des ehemaligen Benediktinerklosters Banz bei Bamberg. Beim Rundgang erweist sich ein Roggenburger „Durchblick“ als besonders reizvoll: Aus einer Kirschbaumrinde hat der Holzbildhauer ein Herz herausgestanzt. Dieses Fenster gewinnt der Leuchtkraft des benachbarten „Norbertus“-Materials neue Dimensionen ab. Und die janusköpfige „Eherne Schlange“ in Form einer auf Kötzer Pappelholz thronenden Birkenmaser-Knolle vom Kalvarienberg Wettenhausen, wo schon die Kelten eine Kultstätte installiert hatten, verwandelt sich beim Umkreisen dramatisch. Die Skulptur zeugt von alttestamentarischer Wucht und ist mit ihren kraftvollen Formungen laut ihrem irdischen Schöpfer aus Rettenbach „ein Symbol für den Glauben“.

„Bäume aus dem Klostergarten“ von Bernhard Schmid, zu sehen in den Räumen der Carl Götz-Holzgroßhandlung in der Otto-Renner Straße bis 15. Januar

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 7.30-12.10 Uhr und 13-17 Uhr. Freitag 7.30-12.10 und 13-15 Uhr. Danach zeigt Bernhard Schmid an gleicher Stelle Exponate aus seinem Zyklus „Mammutbaum“. Infotelefone auch für Samstags-Führungen unter 08224/804999 oder 0731/70480.

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