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Justiz

25.11.2017

Mann betrügt mit gefälschtem Führerschein

Ein 34-Jähriger soll von einem Analphabeten Geld für das Dokument erhalten haben – doch der wollte ein ganz anderes

Was tun, wenn man einen Führerschein haben will, aber die Prüfung nicht schafft? Normalerweise: lernen, lernen, lernen. Dass das nicht alle auf diese Art handhaben, zeigte sich vor dem Amtsgericht in Neu-Ulm.

Richter Thomas Mayer schilderte die Geschichte aus Sicht des Geschädigten zu Beginn der Verhandlung: Der 40-jährige Syrer hat versucht, einen Führerschein in Deutschland zu machen. Doch weil er Analphabet sei, habe er die schriftliche Prüfung nicht geschafft. Er versuchte, einen anderen Weg zu finden – und diese Hoffnung erreichte schließlich einen Mann aus Senden, der die Situation des Syrers nach Ansicht des Gerichts ausnutzte.

Der 34-Jährige stand deshalb wegen Betrugs vor dem Amtsgericht. Er soll dem Syrer versprochen haben, ihm einen Führerschein zu besorgen. Dafür sollte der andere Mann zunächst 2000 Euro anzahlen und später noch einmal 1000. Das Geld hat der Angeklagte bekommen – doch ohne Gegenleistung.

Kompliziert wurde es, als zur Sprache kam, wer alles wie in den Fall verwickelt sein könnte. Für das Gericht stellte sich der Fall so dar: Der Angeklagte erfuhr davon, dass der Syrer einen Führerschein kaufen wollte und versprach ihm, ein solches Dokument zu besorgen. Da er von einem Kontakt zu einer Fahrschule in Frankfurt sprach, sei der Geschädigte davon ausgegangen, dass es sich um einen deutschen Führerschein handelt. Doch dem war nicht so. Bis der Syrer allerdings erfuhr, dass er einen bulgarischen Schein bekommen sollte, hatte er das Geld schon bezahlt, das er sich von seinem Chef geliehen hatte. Danach wollte er vom Angeklagten sein Geld zurück, weil er nur an einem deutschen Führerschein interessiert gewesen sei, so schildern es mehrere Zeugen.

Der Angeklagte wiederum sagte, dass er nie von einem deutschen Dokument gesprochen und das bezahlte Geld zu dieser Zeit schon längst weitergegeben habe. Und zwar an einen anderen Mann, der in der Verhandlung als Zeuge aussagte. Dieser bestätigte, dass das Geld bereits in die Entstehung des Führerscheins geflossen sei, aber 500 Euro habe er wieder holen können. Denn auch er gebe das Dokument nur in Auftrag – und zwar bei einem anderen Mann in Frankfurt. Die 500 Euro habe er dem Angeklagten übergeben, sagte der Zeuge. Ansonsten habe er nie Kontakt zu dem geschädigten Syrer gehabt. Dies ließ sich durch andere Zeugen bestätigen.

„Faszinierend, wer alles an so einem Führerschein mit verdient“, sagte Richter Mayer. Er warf dem Angeklagten eine niederträchtige Handlung vor, weil er einen analphabetischen Flüchtling so ausgenommen habe. Zudem habe der Angeklagte dem Syrer vorgespiegelt, dass er einen deutschen Schein bekommt, so Mayers Überzeugung. Die Schuld sei erwiesen. Er verurteilte den 34-Jährigen zu sechs Monaten Gefängnisstrafe auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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