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Senden

09.02.2018

Mann täuscht Mordversuch auf sich selbst vor

Ein Mann aus Senden hat einen Angriff mit dem Messer vorgetäuscht. Das fanden die Ermittler in Neu-Ulm kürzlich heraus.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Ein 42-Jähriger hat sich selbst mit einem Messer in den Rücken gestochen. Anschließend zeigte er den Angriff bei der Polizei an. Wie die Ermittler den Schwindel aufdeckten.

Es war ein Überfall, der für Aufregung in Senden sorgte: Im August vergangenen Jahres wurde ein Mann frühmorgens auf offener Straße von hinten attackiert. Er erlitt mehrere Messerstiche in der Schulter, die Kriminalpolizei ermittelte wegen versuchten Mordes – tappte aber lange Zeit im Dunkeln. Es gab keinen logischen Zusammenhang zu vorherigen Auseinandersetzungen zwischen einem möglichen Angreifer und dem Geschädigten, dieser könnte also auch ein Zufallsopfer gewesen sein. Die Sendener Bürger sorgten sich: Bin ich in meiner Stadt noch sicher? Was ist, wenn ich wie aus dem Nichts von hinten angegriffen werde?

Doch die Sorge der Sendener war umsonst: Es gab nie einen Messerangriff aus dem Hinterhalt. Das teilte die Polizei am Donnerstag mit. Wie bereits berichtet, soll es im August 2017 zu einem Messerangriff an einem 42-jährigen Mann in Senden gekommen sein.

Unvermittelter Angriff auf dem Weg zum Auto

Der Mann gab damals gegenüber den Ermittlern an, auf dem Weg von seiner Haustüre zu dem auf der Straße geparkten Auto von einem Unbekannten mit einem Messer in den Rücken gestochen worden zu sein. Einen weiteren Stich in Richtung Kopf habe er durch seine Gegenwehr verhindern können. Die Staatsanwaltschaft Memmingen stufte den Sachverhalt als versuchten Mord ein.

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Durch umfangreiche Ermittlungen der Kriminalpolizei Neu-Ulm konnten diverse Widersprüche des vermeintlichen Geschädigten festgestellt werden. Dieser machte im Verfahren mehrmals falsche Angaben. Auf Basis dieser Feststellungen wurde durch die Staatsanwaltschaft Memmingen eine Wohnungsdurchsuchung beim Geschädigten beantragt – und in der vergangenen Woche durchgeführt.

Im Rahmen seiner Vernehmung wurde der Mann mit seinen Widersprüchen konfrontiert. Letztlich räumte er ein, sich am Tattag selbst mit einem Messer verletzt zu haben. Gegen ihn wurde wegen Vortäuschens einer Straftat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Beweggründe für sein Handeln sind nicht bekannt.

Das Phantombild zeigt nur einen unbeteiligten Zeugen

Im Rahmen der Ermittlungen wurde auch ein Phantombild erstellt und eine Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet. Aufgrund der Fahndung gingen in den letzten Monaten eine Vielzahl von konkreten Hinweisen auf Personen ein, welche allesamt aufwendig von der Kripo überprüft wurden. Ein Tatverdacht ergab sich nicht.

Zum Abschluss der Ermittlungen kann davon ausgegangen werden, dass die auf dem Phantombild gezeigte Person zufällig, wenige Minuten nach der vorgetäuschten Tatzeit, in der Nähe des ebenso vorgetäuschten Tatortes von einer neutralen Zeugin beobachtet wurde. Ein weiteres Kuriosum dabei ist, dass die vom vermeintlichen Opfer frei erfundene Personenbeschreibung des Unbekannten, mit der von der neutralen Zeugin beobachteten Person übereinstimmt. Die Kripo weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei der auf dem Fahndungsplakat abgebildeten Person um einen unbeteiligten Zeugen handelt.

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