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Ulm

11.02.2019

Mann terrorisiert Kolleginnen übers Handy

Ein Mann hat Drohungen übers Handy verschickt.
Bild: Andrea Wernecke/dpa (Symbolfoto)

Plus Der mehrfach vorbestrafte 30-Jährige verschickt wochenlang Droh-Nachrichten über WhatsApp. Der Prozess in Ulm nimmt einen unerwarteten Ausgang.

Weil sein Arbeitgeber ihm angeblich mehrere Tausend Euro vorenthalten hatte, terrorisierte ein 30-jähriger Angestellter seine Kolleginnen wochenlang mit Drohungen über WhatsApp. Darin schrieb er unter anderem, Unbekannte würden das Geschäft zerstören. Wegen versuchter Nötigung und Erpressung stand der mehrfach vorbestrafte Mann mit einer tragischen Vita jetzt vor Gericht und bekam mit einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe vom Richter eine letzte Chance, wieder ins bürgerliche Leben zurückzukehren.

Aufatmen im Gerichtssaal, wo auch die hochschwangere Freundin saß, mit der der 30-Jährige jetzt eine Familie gründen will.

Das Leben hat es anfangs gut gemeint mit dem Mann, der als Sechsjähriger mit seiner Mutter aus der Türkei nach Deutschland kam. Die Grundschule meisterte er ebenso souverän wie die mittlere Reife. Während seiner Lehre absolvierte der Angeklagte auf dem zweiten Bildungsweg die Fachhochschulreife, studierte anschließend Management und danach übernahm die Filiale einer großen Kaffeehaus-Kette. Sie boomte, doch plötzlich lief gar nichts mehr. Der Mann musste Insolvenz anmelden und fiel in ein tiefes Loch. Den Schock versuchte er mit Alkohol und Drogen zu dämpfen: „Ich habe exzessiv bis zur Bewusstlosigkeit getrunken und Drogen genommen“, sagte er vor Gericht. Der heute 30-Jährige landete mehrfach in der Psychiatrie, konnte sich aber aufgrund seiner intellektuellen Fähigkeiten immer wieder aufrappeln. Sein Vorstrafenregister ist happig: Im Rausch drang er in Ulmer Kaufhäuser ein und stattete sich mit feinen Klamotten aus. Zweimal stieg er nachts in eine Ulmer Drogerieabteilung ein, um teures Parfüm zu stehlen. Immer wieder wurde er erwischt und verurteilt. Unter anderem auch wegen mehrfacher Schwarzfahrerei, etwa zum feucht-fröhlichen Feiern nach Berlin. Als er einmal einen Amtsgerichtstermin wegen Schwarzfahren in Bayreuth hatte, fuhr er ohne gültige Bahnkarte dorthin und wurde wieder bei einer Kontrolle im Zug erwischt. Immerhin konnte er den Gerichtstermin wahrnehmen, wenngleich er wieder wegen Schwarzfahrerens angezeigt wurde. „Ich war in dieser Zeit mittellos und balla, balla“, sagte er jetzt vor Gericht, das sich mit den aktuellen Folgen seines Konsums von Alkohol und Drogen Konsums zu beschäftigen hatte.

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Prozess in Ulm: Angeklagter ist süchtig nach Drogen und Alkohol

Eine Kollegin des Angeklagten sagte: „Ich wurde ununterbrochen von ihm per Sprachnachrichten und WhatsApp bedroht“. Die Bürokauffrau meinte: „Ich weiß nicht, warum er mich ausgesucht hat, um mir mitzuteilen, dass das Geschäft, das ihm angeblich Geld schulde, zerstört werde“. Einmal schickte er ihr per WhatsApp ein Foto, wie er bei der Polizei Ulm-West wegen einer Anzeige wegen Bedrohung und Beleidigung verhört wurde. Auch das erfüllte einen Straftatbestand und war Gegenstand der jetzigen Verhandlung.

Angst ging um in dem kleinen Betrieb. „Ich wurde auch bedroht“, sagte die Büroleiterin. Bei all diesen Taten, die eingeräumt wurden, stand der Angeklagte unter Bewährung, sodass er jetzt davon ausgehen konnte, dieses Mal ins Gefängnis zu wandern. Doch ein engagierter Verteidiger, ein überzeugender psychischer Gutachter, ein verständnisvoller Staatsanwalt und der Richter verhinderten eine persönliche Katastrophe. Der Sachverständige meinte, der Angeklagte sei auf einem guten Weg, ein alkohol- und drogenfreies Leben zu führen und werde weiterhin therapiert: „Er hat sich heute im Griff.“ Krankhafte seelische Störungen lägen nicht vor.

Der Staatsanwalt plädierte auf eine Bewährungsstrafe plus Geldauflage, ebenso wie der Verteidiger wegen versuchter Nötigung. Der Richter folgte den Anträgen, verzichtete aber auf eine Geldstrafe, weil der Angeklagte vor dem Aufbau einer neuen Existenz als Familienvater steht. „Ich wünsche Ihnen alles Gute“, gab er dem Mann auf den Weg in die Freiheit. Ein Bewährungshelfer wird dem 30-Jährigen und seiner baldigen Familie drei Jahre zur Seite stehen.

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