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Roggenburg

24.09.2019

Matinee im Kloster Roggenburg handelt vom Essen

Die Matinee fand im Refektorium des Klosters Roggenburg, unter den Fresken Franz Martin Kuens, statt.
Bild: Ralph Manhalter

Eine Matinee im Refektorium des Klosters handelt von biblischen Speisen und bietet barocke Musik. Die Veranstaltung ist von den Fresken im Saal inspiriert.

„Ante omnia“ ist allen lesbar im Buch vermerkt, welches dem heiligen Augustinus zur Seite steht: Allem zuvor solle Gott geliebt werden, sodann der Nächste. Das besagt die Regel dieses Kirchenvaters der Spätantike, die zur elementaren Grundlage nahezu aller klösterlichen Gemeinschaften wurde. „Ante omnia“, denn wem ist das tägliche Brot zu verdanken? Banal ausgedrückt, handelte die gut einstündige Matinee im Kloster Roggenburg vom Essen.

Aber das wäre zu profan, der ehrwürdigen Umgebung gegenüber geradezu frevelhaft. Nun befand man sich auch nicht in einem Speisesaal, sondern im Refektorium. Dem Zwecke nach zwar analog, wenn nur nicht allein das Wort das Licht des Vornehmen widerspiegelte. Wir befinden uns im Franz-Martin-Kuen-Jahr. Der ganze Saal leuchtet, ja strahlt regelrecht im Glanz der Fresken des berühmten Weißenhorners. Die Speisung der 5000 lädt als Deckengemälde zur Betrachtung durch die auf die Mahlzeit wartenden Brüder ein. Mit Verweisen wie diesen stellt Pater Roman Löschinger einen Bezug zwischen der Heiligen Schrift und irdischem Dasein her.

Im Kloster muss es nicht spartanisch zugehen - es gibt Sekt und Häppchen

„Biblische Mahlzeiten – Barocke Musik“ so dann auch das Motto der Veranstaltung. Erstere wurden kredenzt in Form von kleinen Häppchen und einem Glas Sekt: Es muss selbst in einem Refektorium nicht immer spartanisch und nüchtern zugehen. Wenn der Genuss nun auch noch mit musikalischen Einlagen aufgewertet werden kann, ist es nur noch ein kleiner Schritt zur sprichwörtlich barocken Lebensfreude.

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Aus dieser Epoche des 18. Jahrhunderts entsprangen die Klänge, die von Cembalo und Truhenorgel in den vormittäglichen Raum getragen wurden. Eine Leichtigkeit des Seins, mitunter schon Anklänge des spielerischen Rokoko erahnend. An den Instrumenten Pater Stefan Kling und Dominik Herkommer. Egal ob der Besucher mit geschlossenen Augen lauschte oder dieselben über die Deckenbilder wanderten, die Atmosphäre nahm gefangen.

Die Komponisten stammen aus bedeutenden Zentren des Barock

Werke von Piazza, Blanco, Soler und Lucchinetti, allesamt Italiener und Spanier aus zwei bedeutenden Zentren des Barock. Vor allem das Cembalo gefiel mit seinem charakteristischen Klang, dem melodiösen Anschlagen der Tasten. Ein Instrument, welches seine Zeit repräsentiert wie wenige andere.

Zwischen den einzelnen Stücken war Raum für Gedanken: Gedanken zur Brotvermehrung, Gedanken zum Mannaregen, Gedanken zur Hochzeit in Kana. Allesamt von der Kanzel gesprochen aber nicht gepredigt von Pater Roman. Worte, die eine Wirkung einforderten, zumindest zum Nachdenken anregten. Von der Speisung Bedürftiger zum Überfluss. Käme da nicht unwillkürlich die heutige Verschwendung von Lebensmitteln in den Sinn? Was der Eine zuviel hat, fehlt dem Anderen. Es entsteht Streit im Rousseauschen Sinn: Eigentum kann zu Unfreiheit führen. Alles in Maßen; das Essen ist allzu oft kein Festmahl. Mahlzeiten werden aufgewärmt, die Menschen sitzen immer seltener zusammen. Fast Food, ein Widerspruch an sich.

Von all der beschleunigten und zunehmend sinnentleerten Welt vermochte der Zuhörer zumindest für die Dauer der Matinee verschont zu bleiben. Eine Stunde des Genusses und der Einkehr. (rman)

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