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Molkerei

20.04.2016

Milchflut trübt die Bilanz

180 Mitarbeiter verarbeiten bei den Milchwerken Schwaben mit Sitz in Neu-Ulm die Milch, die 1040 Bauern aus der Region anliefern.
Bild: Alexander Kaya

Warum auch der steigende Absatz von Weideglück-Produkten das Grundproblem der Landwirte nicht löst

Ein Gefühl von entsetzter Ohnmacht macht sich unter den Delegierten der Vertreterversammlung der Milchwerke Schwaben breit, als der geschäftsführende Vorstand Karl Laible einen Blick in die Zukunft wagt: „2015 war katastrophal, 2016 wird nicht besser werden“, sagt er über den Milchpreis. 30 Cent zahlten die Milchwerke ihren 1040 Lieferanten im Schnitt pro Liter im vergangenen Jahr. Derzeit seien es nur 25 Cent und der Trend geht weiter abwärts.

Das Problem: Weltweit wird derzeit weit mehr Milch produziert, als nachgefragt wird. „Erst wenn 30 Prozent der Milchbauern aufgeben, geht der Preis nach oben“, prognostiziert am Rande der Veranstaltung ein Landwirt. Das Ungleichgewicht von Nachfrage und Angebot ist der Auslöser für einen rapiden Preisverfall, der den Milchwerken im vergangenen Geschäftsjahr 31 Millionen Umsatz kostete. Statt 221 Millionen wurde mit Käse, Joghurt und Desserts nur 190 Millionen Euro umgesetzt. Eine „unterirdische Achterbahnfahrt“ nennt Vorstand Jakob Ramm aus Elchingen die Milchpreisentwicklung. So dürfe es nicht weiter gehen. Selbst „Abschlachtprämien“ seien besser, als weiter Milch auf einen übersättigten Markt zu pumpen, der insbesondere durch wegbrechende Märkte in Russland und China zu leiden hat.

Die Milchwerke Schwaben – als Genossenschaft sozusagen das eigene Unternehmen der 1040 Zulieferer (54 weniger als im Vorjahr) – hält sich unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen dennoch wacker. In Anbetracht eines um grob 800000 Euro auf 709265 gestiegenen Bilanzgewinns sprach Laible von einer „angenehmen Aufgabe“, diesen vor den Milchbauern erläutern zu dürfen. Ein hoffnungsvolles Pflänzchen sei die Eigenmarke Weideglück. Es sei „richtig und wichtig“ auf dieses Segment zu setzen. Während die Milchwerke als Zulieferer für Supermarkt-Eigenmarken und Discounter mengenmäßig 2,79 Prozent verloren, wuchs Weideglück um 1,47 Prozent. Hier stimme Mengenwachstum und Preisstabilität. Das eigene, unter dem Namen „Donautaler“ vermarktete Käsesortiment wuchs gar um 11,6 Prozent. Preisstabilität sei bei „Handelsmarken“ nicht gegeben. Und die Milchwerke Schwaben haben eine Schmerzgrenze: Die Belieferung einiger Abnehmer sei aufgrund verschiedener Preisauffassung eingestellt worden.

Ein echtes Lichtlein am Ende des Milchpreis-Tunnels kann Vorstand Karl Laible aber nicht erkennen. Hier helfe nur Geduld, das Problem sei auch nicht national, sondern nur auf europäischer Ebene zu lösen. Das Thema Bio werde für die Milchwerke Schwaben an Bedeutung gewinnen, der Milchpreis (im Schnitt 48 Cent pro Liter) sei hier weit stabiler und höher. Die Eigenmarke Weideglück müsse weiter gestärkt werden. Neben einem neuen „Donautaler Butterkäse“ erwähnt Laible eine Marketingkooperation mit dem Legoland in Günzburg und eine Werbeaktion der Bäckerei Staib. Unter dem Titel „Focaccia trifft Donautaler“ soll der Absatz von bislang 20000 Käsesemmeln der Ulmer Großbäckerei gesteigert werden. Möglich ist auch, dass die Milchwerke Schwaben wieder in das Segment klassischer Trinkmilch im Tetra-Pak einsteigen. Denn durch Sonderfonds und Hilfsmaßnahmen einzelner Supermarktketten sei diese Produktkategorie vergleichsweise lukrativ. Das könnte zu einer regionalen Rückkehr der Werbefigur Axl führen. Die Rechte des Comic-Rinds aus den 70er Jahren liegen (wieder) bei Omira und Weideglück.

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