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Ulm/Neu-Ulm

24.04.2015

Milchwerke wollen mehr Weideglück

Muh für Neu-Ulm: 1094 Lieferanten hatten die Milchwerke Schwaben im vergangenen Jahr.
Bild: Alexander Kaya

Die eigene Marke soll ausgebaut werden, auch weil die Discounter immer weniger für die Produkte aus Neu-Ulmer Produktion zahlen wollen.

Viel ist Käse in Sachen Milch: Sinkende Preise haben den Gewinn der Milchwerke Schwaben im vergangenen Jahr einbrechen lassen. Statt 1,1 Millionen wurden im vergangenen Jahr nur gut 612000 Euro erwirtschaftet. Der Umsatz stieg hingegen um 2,2 Prozent auf 221 Millionen Euro. Dennoch stellte der Prüfer des Genossenschaftsverbandes den Milchwerke Schwaben mit ihren 1094 Milcherzeugern bei der Vertreterversammlung ein gutes Zeugnis aus.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende Karl Baisch sieht die Zukunft der Milchwerke insbesondere in der Eigenmarke Weideglück: „Hier sind wir nicht austauschbar.“ Die harte Verhandlungsposition von Discountern wie Lidl, Aldi und Co. spürten die Milchwerke auch dieses Jahr. Mehrere Aufträge für „Handelsmarken“ seien aufgrund verschiedener Preisvorstellungen abgegeben worden.

Mit einer 350000-Euro-Werbekampagne sollen die neuen Produkte von Weideglück, die ab Mai/Juni in den Kühltheken liegen, Starthilfe erhalten: Künftig gibt es den Käse „Donautaler“ geschnitten an der SB-Kühltheke in drei Varianten sowie Joghurt auch in 500-Gramm-Bechern. Vorstand Karl Laible zeigte sich zuversichtlich, dass in Zukunft durch einen anhaltenden Trend zu Regionalität Weideglück noch mehr Marktanteile gewinnen könne.

Auch wenn sich der Käsepreis insbesondere durch erlahmenden Handel mit den wichtigen Abnehmern aus China und Russland im Sinkflug befinde, würde sich die 23 Millionen Euro-Investition, die vor zwei Jahren in eine neue Käserei am Standort Neu-Ulm getätigt wurde, langfristig lohnen.

Doch 2014 machte der Käsepreis dem Neu-Ulmer Werk keine Freude: Enorme Nachfrage für Milchpulver führte zu mehr Milchproduktion, doch weil es nicht genügend Trocknungsanlagen gab, wurden Überkapazitäten zu Käse verarbeitet. Die Folge: Viel Käse überschwemmte den Markt, was die Preise drückt. Der Export ist wichtig: 39 Prozent des in Neu-Ulm hergestellten Käse wird ins Ausland verkauft.

Die den Milchwerken angeschlossenen über 1094 Bauern lieferten den Milchwerken im vergangenen Jahr 346 Millionen Kilo Milch an, im Vorjahr waren es 337,5 Millionen Kilo. Doch dafür kassierten die Milchbauern 37,5 Cent pro Liter einen unterdurchschnittlichen Preis, der einen Cent unter dem Vorjahr liegt. Zum Vergleich: Den niedrigsten Preis für konventionelle Milch zahlten die Milchwerke am Jahresende mit 32 Cent. Im Dezember 2013 wurden noch 40 Cent ausgezahlt. Deutschlandweit erreichte die Milchproduktion im vergangenen Jahr einen Rekord und wird wohl weiter steigen. Vermutlich wird in Zukunft noch mehr produziert: Bei den Liefermengen sind die Landwirte seit Anfang des Monats nicht mehr begrenzt. Nach drei Jahrzehnten wurde die Milchquote abgeschafft, die die Produktionsmengen deckeln sollte. Derzeit bewege sich der Milchpreis wieder nach oben. „Doch der ist unbeständig wie das Wetter“, sagte Vorstand Karl Laible.

Nach 34 Jahren bei den Milchwerken, davon 19 Jahre im Aufsichtsrat und acht Jahre als Vorstandsvorsitzender stellte sich Karl Baisch, Jahrgang 1948, aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl. Joachim Keller wechselt in den Aufsichtsrat und schied deswegen ebenso aus dem Vorstand aus. Einstimmig als Nachfolger gewählt wurden Mathias Härle (Erbach-Dellmensingen) und Anton Köberle (Ummendorf).

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