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25.06.2009

Mildes Urteil nach dem Prinzip Hoffnung

Neu-Ulm (kr) - In dem mittlerweile berühmt-berüchtigten Nachbarschaftskrieg in einem kleinen Ort im Landkreis-Norden ist gestern eine 52 Jahre alte Frau vom Direktor des Amtsgerichts Neu-Ulm, Dr. Bernt Münzenberg, wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 10 Euro verurteilt worden. Der Richter war davon überzeugt, dass die Rentnerin am Abend des ersten Adventssonntag vergangenen Jahres, versteckt hinter einer Hecke, ihrem Nachbarn zugezischt hat: "Schau mal her, der größte Terrorist hat auch eine Weihnachtsbeleuchtung. Der A..."

Mit der gestrigen summiert sich die Anzahl der Verurteilungen der Frau auf drei, darunter eine Haftstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung. Allerdings ist keines der Urteile rechtskräftig, da eine Berufungsverhandlung beim Landgericht Memmingen seit über einem Jahr auf sich warten lässt. Grund: Die Frau und ihr Ehemann sollen psychiatrisch begutachtet werden. Das Gutachten fehlt allerdings bislang. Wie mehrfach berichtet, tobt in der kleinen Gemeinde schon seit über 15 Jahren ein geradezu erbitterter Kampf zwischen zwei benachbarten Familien. Die Opfer, ein jüngeres Ehepaar, werden von den neben ihnen wohnenden Eheleuten systematisch drangsaliert - sei es, dass die 52-jährige Angeklagte oder ihr Ehemann mitten in der Nacht das Radio laut stellen, sei es, dass unflätigste Beleidigungen über den Zaun - seit einiger Zeit eine Art Schutzwand - gebellt werden, sei es, dass mitten in der Nacht mit einer starken Taschenlampe ins Schlafzimmer gefunzelt wird.

Mögliches Motiv könnte eine wirre Verschwörungstheorie der Angeklagten sein: Sie behauptet, dass die Nachbarn sie drangsalieren, weil sie mit ihrem Bruder gemeinsame Sache machen, der ihr den väterlichen Erbteil abluchsen wolle. Die Polizei ist in den Häusern Dauergast, mehrere Staatsanwälte mussten sich mit der Angelegenheit schon befassen und beim Amtsgericht Neu-Ulm standen die Angeklagte und ihr Mann im Laufe der vergangenen vier Jahre sieben Mal vor dem Kadi - mal sie, mal er, mal gemeinsam. Jedoch berichtete das Opfer, dass die Terrorattacken in jüngster Zeit nachgelassen hätten.

In der gestrigen Verhandlung konnte Verteidiger Christian Adam aus Siegburg/Lahn einen vermeintlichen Entlastungszeugen aufbieten. Der 32 Jahre alte Mann gab zu Protokoll, er habe die Angeklagte und ihren Mann zum fraglichen Zeitpunkt besucht. Oberstaatsanwalt Markus Schroth und später Richter Münzenberg, wollten dem Mann aber nicht abkaufen, dass die Beschuldigte in seinem Beisein nie das Wohnzimmer verlassen habe.

Münzenberg nahm das Nachlassen der Belästigungen zum Anlass, weit unter dem Strafantrag von Ankläger Schroth zu bleiben, der drei Monate Haft gefordert hatte. "Weil ich an das Gute im Menschen glaube", so der Amtsgerichtsdirektor.

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