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Nersingen

08.01.2021

Millionenprojekt für Kirchengemeinde: St. Johann Baptist in Straß wird saniert

Der Dachstuhl der Pfarrkirche war in einem kritischen Zustand. Kirchenpfleger Johann Mayr zeigt ein Stück eines vermoderten Balkens, der ausgetauscht werden musste.
Bild: Brücken

Plus Die Pfarrkirche St. Johann Baptist wird derzeit für rund 1,2 Millionen Euro saniert. Was alles gemacht werden muss und wann die Arbeiten abgeschlossen sein sollen.

Dass derzeit in und an der Straßer Pfarrkirche umfangreich saniert wird, hängt indirekt mit der Berchtesgadener Katastrophe zusammen, wo im Jahr 2006 das Dach einer Eislauf- und Schwimmhalle einstürzte und 15 Menschen ums Leben kamen. Daraufhin hatte die Diözese eine Überprüfung ihrer Bauwerke angeordnet. Ein Gutachten brachte für die Kirche Sankt Johann Baptist ein alarmierendes Ergebnis zutage.

„Die Standsicherheit für das Bauwerk wurde maximal noch für fünf Jahre gewährleistet“, sagt der Kirchenpfleger Johann Mayr. Seitdem seien auf der Suche nach kompetenten Handwerkern die Telefondrähte heiß gelaufen.

Dachstuhl der rund 270 Jahre alten Kirche in Straße bedurfte einer Sanierung

„Der noch weitgehend im Originalzustand erhaltene Dachstuhl der rund 270 Jahre alten Kirche bedurfte einer dringenden Sanierung“, sagt der Kirchenverwalter und zeigt auf einen Stapel mit vermoderten Holzbalken, die in den vergangenen Monaten vom Zimmermann aus dem Dachstuhl genommen und ersetzt wurden. Wer über die steinernen Mauern des Glockenturms, der noch von der romanischen Vorgängerkirche erhalten ist, unter den Dachstuhl der Kirche steigt, erhält einen beeindruckenden Einblick in die Handwerkskunst der Zimmerleute aus dem 18. Jahrhundert.

Fachleute entdeckten die Verfälschung: Der Strahlenwurf des Altarbildes wurde in den 1960er Jahren nachträglich aufgemalt.
Bild: Brücken

Handbehauene Balken stützen hier das Dach. Auch das prachtvolle Deckengewölbe, das von Joseph Wannenmacher 1747 bemalt wurde, hängt zum Teil an der hölzernen Konstruktion. Eingerahmt von den aufwendigen Stuckarbeiten von Franz Xaver Feichtmayr zeigt das große Deckenfresko im Langhaus die Bußpredigt des Kirchenpatrons Johannes der Täufer.

Kirchenpfleger Mayr steht auf dem Gerüst unter der Decke und zeigt seine Begeisterung für die filigrane Arbeit der Künstler, die mit liebevoller Kleinteiligkeit die Verzierungen gestalteten. Wer hier genau hinsieht, erkennt feine Risse im Putz der Bausubstanz. „Wir müssen hier feststellen, wie groß die Hohlräume darüber sind und ob diese saniert werden sollen“, erklärt Johann Mayr.

Pfarrkirche in Straß wurde bereits vor etwa 60 Jahren saniert

Bereits vor etwa 60 Jahren wurde die Pfarrkirche saniert – nicht ganz ohne Fehler, wie der Kirchenpfleger einräumt. Er zeigt dabei auf das Gemälde des Hochaltars. Der Kunstmaler Konrad Huber aus Weißenhorn hatte das Bild 1815 erschaffen, das die Taufe Jesu darstellt. Jedoch verewigte sich ein unbekannter Künstler in den 1960er Jahren mit einem Strahlenkranz auf dem Gemälde. Die Fachleute sind sich einig: Diese nachträgliche Darstellung, die vom Heiligen Geist in Form einer Taube ausgeht, verfälsche das Original. Ob das Gemälde wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht werden muss, ist einer der vielen Punkte, die eine solide Schätzung erschweren.

Derzeit beraten die Verantwortlichen über die fachgerechte Reinigung der Skulpturen und das neue Beleuchtungskonzept für das Gotteshaus. Für Kirchenpfleger Johann Mayr ist das Großprojekt derweil mehr als eine Baustelle. Als gebürtiger Straßer, der in der Pfarrkirche getauft wurde, ist die Sanierung eine Herzensangelegenheit: „Unsere Kirche ist seit dem Weihejahr 1748 der Mittelpunkt unserer Pfarrgemeinde, als Raum, wo wir die Nähe Gottes suchen und erfahren können.“ Deshalb sei es eine Verpflichtung, dessen kunsthistorisches Erbe auch für künftige Generationen zu erhalten.

Nach mehreren Monaten ist der Dachstuhl fertiggestellt.
Bild: Brücken

Auf etwa 12.000 Gulden beliefen sich einst die Baukosten vor 270 Jahren, wie der Historiker Anton Aubele in Erfahrung brachte. Aktuell werden die Kosten für die Sanierung auf rund 1,2 Million Euro geschätzt. 535.000 Euro davon muss die Gemeinde selbst stemmen. „Das ist schwierig, in Coronazeiten“, sagt Mayr. Schließlich fallen derzeit Gemeindefeste oder Weihnachtsmärkte als Einnahmequellen wegen der Kontaktbeschränkungen aus. Umso mehr hoffen die Verantwortlichen der Pfarrgemeinde auf die Spendenbereitschaft der Gläubigen. Dafür hat die Gemeinde ein Konto eingerichtet: IBAN DE 88 7306 1191 0300 2007 19.

Wenn die Arbeiten am Straßer Gotteshaus vermutlich im Sommer dieses Jahres abgeschlossen sind, hoffen die Verantwortlichen darauf, dass die Coronabestimmungen es erlauben, die Wiedereröffnung in einem feierlichen Rahmen durchzuführen.

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