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Neu-Ulm

22.01.2020

Minister Gerd Müller warnt vor Massenmigration aus Afrika

Der Hausherr Car-Götz-Geschäftsführer Philipp Zumsteg (links)mit seinem hochrangigen Gast: „Globale Verantwortung - Regionales Handeln“ lautete das Thema von Bundesminister Gerd Müller, der von der CSU zu einem „Nachhaltigkeitsgespräch“ eingeladen wurde.
Foto: Alexander Kaya

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller erzählt bei dem Neu-Ulmer Holzgroßhändler Carl Götz, warum er trotz vieler globaler Krisen optimistisch bleibt. Doch es müsse sich Einiges ändern.

Als der CSU-Mann und Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, seine Rede bei der Holz-Firma Carl Götz beendet hat, ist sogar ein Ex-Linker und Neu-Grüner beeindruckt: „Weiter so“, sagt Daniel Sperl von der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie Neu-Ulm in Richtung des Ministers. Er sei angetan von der Menschlichkeit Müllers und seinem Wissen über die Zusammenhänge. Derzeit habe Sperl bei seiner Arbeit zusammen mit dem Weißenhorner Helferkreis Asyl viel mit jungen Männern aus Gambia zu tun. „Die haben asylrechtlich keine Chance.“

Auch hier weiß Müller Bescheid: Gambia, ein kleines Land in Westafrika mit nur etwas über zwei Millionen Einwohnern, liege, was die Asylanträge angeht, auf den vordersten Plätzen, so der Bundesminister. Das Programm „Perspektive Heimat“ seines Ministeriums mit Unterstützungsangeboten für bessere Bleibeperspektive, freiwillige Rückkehr und eine Reintegration habe in Gambia im Gegensatz zu einigen Nachbarländern noch nicht richtig Fuß gefasst. Minister Müller wurde nach Neu-Ulm zur Firma Götz zu einem „Nachhaltigkeitsgespräch“ zum Thema „Globale Verantwortung - Regionales Handeln“ eingeladen.

Nicht zuletzt, wie Katrin Albsteiger, die für die CSU das Amt des Neu-Ulmer Oberbürgermeisters anstrebt, betont, wegen des Engagements für die Umwelt der Firma: „Plant for the planet“ heißt etwa eine 2007 gegründete Kinder- und Jugendinitiative, die der Neu-Ulmer Holzhändler mit 135 Beschäftigten an der Zentrale in der Otto-Renner-Straße unterstützt. Wie Philipp Zumsteg, einer von drei Geschäftsführern in Richtung Müller sagt, gehörten zwar auch Tropenhölzer zum Angebot der Firma, die im vergangenen Jahr ein Umsatz von 200 Millionen Euro erzielt habe. Doch dieses seien alle auf nachhaltigen Anbau zertifiziert.

„Eine moderne Firma“, kommentiert Müller, galoppiert dann in einer Stunde durch die Weltpolitik und gibt sich grundsätzlich optimistisch, was die Lage des Globus angeht.

Bis 2050 würden zwei Milliarden Babys allein in Afrika das Licht der Welt erblicken

Auch wenn dieser Optimismus jüngst bei einem Besuch in Zentralafrika zuletzt einen Knick abbekommen habe. Denn in Anbetracht eines Bevölkerungswachstums allein im Kongo von 25 Millionen auf über 100 Millionen Menschen in wenigen Jahren und vielfältigen Problemen, seien die bundesdeutschen Flüchtlingsprobleme des Jahres 2015 gar nichts. Bis 2050 würden nämlich zwei Milliarden Babys allein in Afrika das Licht der Welt erblicken. Und die Eltern hätten Europa im Blick. Allein wegen einer ständigen, globalen Verfügbarkeit der Bilder westlichen Reichtums: „Die schauen im Internet wie wir auf dem Oktoberfest fressen und saufen und denken sich: Da müssen wir auch hin.“ Das könne den Menschen nicht verübelt werden. Die Verteilung müsse gerechter werden: Zwei Prozent der Menschen würden 80 Prozent der Ressourcen verbrauchen.

„Jetzt machen sie den Menschen aber etwas Angst“, sagt Katrin Albsteiger, die für die CSU das Amt des Oberbürgermeisters anstrebt. Wobei Müller erneut betont, er sei optimistisch – weil das Wissen, die Problem zu lösen, da sei. Man müsse es nur in die entsprechenden Länder bekommen.

Es gebe Beispiele, dass das klappen könne: In Bangladesch sei etwa vorgeführt worden, dass auch arme Länder unkontrolliertes Bevölkerungswachstum in den Griff bekommen können. Und eine zweite Geisel der armen Länder – die Korruption – könne eingedämmt werden. Die Einführung der Software SAP sowie von Rechnungshöfen habe in einigen Fällen das Verschwinden von Geldern in dunklen Kanälen zum Erliegen gebracht. An solche Bedingungen („Good Governance“) müssen Hilfs- und Fördergelder geknüpft werden.

Fair-Trade-Initiative? Die Anregung für den Kreis kam von Gerd Müller

Viel könnte mit Fair-Trade-Initiativen erreicht werden. Denn weltweit wären direkt oder indirekt 100 Millionen Menschen vom Kaffeeanbau abhängig. Wenn hier Löhne gezahlt werden, von denen Familien leben könnten, sei viel gewonnen. Landrat Thorsten Freudenberger bekennt, dass die Zertifizierung des Landkreises Neu-Ulm als Fairtrade-Kreis nicht zuletzt auf eine Nachfrage seines Parteifreunds zurückgehe.

Als einen der „Top-Standorte“ der Republik bezeichnet Müller die Region. Die Achse von Neu-Ulm über Memmingen bis Oberstdorf sei „sehr wichtig“. Im Thema Wasserstoff als Energieträger lägen viele Chancen. Müller und Wissenschaftsministerin Anja Karliczek (CDU) hatten eine „nationale Wasserstoffstrategie“ bei einem Fachgespräch in der Kemptener Hochschule angekündigt. Aber so weit weg von Afrika sei die Region dennoch nicht: „Vor 100 Jahren gab es hier noch keinen Strom.“ So eine unglaubliche Entwicklung könnte auch in Afrika gelingen.

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