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Ulm

22.11.2019

Mit 17 ein Mörder – und mit 31 in der Geschlossenen

Der 31-Jährige sei «für die Allgemeinheit gefährlich», befand das Landgericht Ulm am Freitag. Sachverständige hatten erklärt, der Angeklagte leide etwa seit 2012 an einer «Psychose mit schizophrenen Anteilen».
Foto: Alexander Kaya (Archivfoto)

Plus Für den Mord an einem Mitschüler saß er zehn Jahre im Gefängnis. Mit Todesdrohungen und Attacken auf Unbekannte hat sich ein Mann wohl den Rest seines Lebens verdorben. Ob er je frei sein wird, ist ungewiss.

Der als „Urspring-Mörder“ in Kriminalgeschichte eingegangene, heute 30-jährige gebürtige Ulmer ist am Freitag vom Landgericht wegen Allgemeingefährlichkeit auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik eingewiesen wurden.

Nach siebentägiger Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit kam die Strafkammer zum Schluss, dass der Angeklagte seine jüngsten Übergriffe auf Menschen im paranoiden Wahn begangen hat und krankheitsbedingt schuldunfähig ist. Nur in zwei zahlreicher Taten, einer Sachbeschädigung und Drohung wurde er haftbar gemacht und zu elf Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt, die er verbüßen muss, falls er aus dem Krankenhaus in unabsehbarer Zeit als geheilt entlassen würde. Aus heutiger Sicht ist damit jedoch nicht so schnell zu rechnen.

Schlagzeilen machte der Mord bundesweit

Bundesweit sorgte der Mann 2006 als damals 17-jähriger für Schlagzeilen, als er wegen eines Mordes von der großen Jugendkammer des Ulmer Landgerichtes zu der Maximalstrafe von zehn Jahren verurteilt wurde. Er hatte wegen 50 Euro einen jüngeren Mitschüler der Internatsschule Urspring im Alb-Donau-Kreis kaltblütig erstochen. Der Grund: der Umgebrachte hatte ihm geliehene 50 Euro nicht wie vereinbart zurückbezahlt. Der Angeklagte war damals in dem renommierten Internat Urspring als Probeschüler aufgenommen worden, nachdem ihn andere weiterführende Schulen in und um Ulm abgelehnt hatten.

Zehn Jahre saß er die Höchststrafe für Mord ab, dann sann er auf Rache bei den Zeugen, die ihn im damaligen Prozess belastet hatten. Nachdem er das im Jugendknast angekündigt hatte und unter den Gefangenen Mittäter suchte, bekamen die Gefängnisbeamten Wind davon. So bekam Mann bei seiner Entlassung die gerichtliche Auflage, mit den Zeugen keinerlei Kontakt aufzunehmen.

Neu-Ulmer Bahnhof streckte er völlig grundlos einen Passanten nieder

Gleichwohl bedrohte er laut Anklage, die er in der Beweisaufnahme jetzt voll bestätigte, einen Hauptzeugen von damals und drohte ihm mit dem Tod. „Ich bring dich um und deine Mutter dazu“, schrieb er auf Blatt Papiers, das er an den Scheibenwischer dessen Autos klemmte. Wegen dieser bewussten Tat wurde er zu einer elfmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Aber die anderen neun Taten an einem Tag im Januar diesen Jahres zu unter-schiedlichen Zeiten keinerlei Bezug und wurden im Zustand seiner krankheitsbedingten Steuerungsunfähigkeit begangen, sodass er jetzt freigesprochen werden musste. Er griff völlig fremde Menschen in Ulm und Neu-Ulm an, verletzte sie dabei aber nur leicht. So wurde ein Fahrgast in einem Linienbus der SWU an der Steinernen Brücke am helllichten Tag geschlagen, der nur darum bat, Platz zu machen, weil er aussteigen wollte. Wie in den an-deren Fällen sah er sich im Wahn von ihm verfolgt. Die herbeigerufene Polizei beschlagnahmte ein verbotenes Butterflymesser, das er bei sich trug.

Am Neu-Ulmer Bahnhof streckte er völlig grundlos einen Passanten nieder, der ihn angeblickt hatte. In einer Ulmer Kampfsportschule, wo er sich zum Probeunterricht angemeldet hatte, stürzte er sich auf einen Trainer, den er nicht kannte und warf ihn zu Boden. Mehrere Männer mussten ihn von dem Opfer wegreißen, sodass nicht Schlimmeres passierte. Auch von ihm sah sich der Angeklagte verfolgt.

Neun Attacken an einem Tag

Nach insgesamt neun Vorfällen an einem Tag sah sich die Polizei genötigt, den renitenten Mann in die Universitätsklinik zu bringen.. Dort wurde er in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie eingewiesen. Hier randalierte der Mann weiter, verweigerte Beruhigungsmedikamente und verhielt sich so aggressiv gegen das Krankenhauspersonal, dass die Polizei gerufen werden musste.

Vier Beamte kamen und wurden sofort tätlich angegriffen. Einer von ihnen bekam einen schmerzhaften Faustschlag in den Bauch, sodass er zu Boden ging. Erst mit Pfefferspray gelang es „den wild Tobenden“ zu bändigen.

In nichtöffentlicher Sitzung bestätigte der psychiatrische Sachverständige die medizinischen Diagnosen im Krankenhaus, dass der Täter an einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis leidet.

Der Mann gilt nun als gemeingefährlich

In nichtöffentlicher Sitzung plädierte dann auch die Staatsanwältin am Montag dieser Woche, in den spontanen Fällen ohne irgend einen Bezug von einer Schuldunfähigkeit auszugehen und den Angeklagten freizusprechen. Wegen Gemeingefährlichkeit gehöre er in die geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik.

Der Verteidiger, wissend, was das für das weitere Leben seines Mandanten bedeutet, plädierte für, alle vorgeworfenen Straftaten strafrechtlich zu ahnden. Er empfahl eine Freiheitsstrafe, die durch seine bisherige vorläufige Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie aber abgeholten wäre. Damit lag er weit entfernt von der Auffassung der Richter, die die unberechenbare Wahnhaftigkeit des Mannes als gemeingefährlich ansahen, sodass er weggesperrt gehöre. Die Unterbringung ist laut Gesetz aufzuheben, so-bald medizinisch begründet keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit ausgeht- das wird in regelmäßigen Abständen überprüft. Es kann auch sein, dass der 30-jährige Mann sein ganzes Leben in einer geschlossenen Station verbringen muss, wenn die tragische Krankheit nicht zu heilen ist.

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