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Orgelkonzert

26.06.2012

Mit Glöckchen und Klangwellen

Ernteten großen Beifall: (von links) Violinist Stefan Kellermann, Sopranistin Marianne Altstetter und Organist Gerhard Gnann.
Bild: Manfred Deger

Gerhard Gnann zeigte sich an der Großen Roggenburgerin in Hochform

Roggenburg Sie hat ein prachtvolles Zungenwerk. Und sie lässt sich nicht von jedem küssen. Doch mit dem sympathischen und preisgekrönten Organisten Gerhard Gnann, Pädagoge und Professor für künstlerisches Orgelspiel an der Mainzer Johannes-Gutenberg Universität, fiel der „Großen Roggenburgerin“ ein inniges Verhältnis nicht schwer. Bevor der renommierte Musiker sich in der gut gefüllten Klosterkirche an den Spieltisch setzte, ließ er das Publikum in sein künstlerisches Herz blicken. Er verriet, dass er sein Programm möglichst nach den Klangfarben und Möglichkeiten der jeweiligen Königin der Instrumente gestalte.

Reizvolles Zusammenwirken von Orgel, Stimme und Geige

Und das sind bei der Großen Roggenburgerin auch die umfangreichen Zungenstimmen, welche vom glöckchenhaften Silber bis zum Vogelgezwitscher reichen. Von glockenhell bis abgrundtief reichte dann auch das virtuose Spiel des Künstlers. Es wurde unterstützt von den begleitenden Solis der strahlenden Sopranistin Marianne Altstetter und vom gefühlvoll-seidigen Spiel des Geigers Stefan Kellermann. Die Symbiose von Orgel, Stimme und Geige war von außergewöhnlichem Reiz und steigerte sich im siebzehnminütigen Schlussstück von Sigfrid Karg-Elerts symphonischen Choral „Nun ruhen alle Wälder“ (op. 87,3), einer Reminiszenz zum Lied „Morgen früh wenn Gott will“, zu einem wundervollen, schöpferischen Hörerlebnis. Bei vier der neun Werke schlugen die Herzen der Bachianer höher. Professor Gerhard Gnann interpretierte „Eine feste Burg ist unser Gott“ (BWV 720), „Valet will ich dir geben“ (BWV 736), „Helft mit Gottes Güte preisen“ und Bachs „Nun ruhen alle Wälder“ (BWV 786) mit unglaublicher Strahlkraft und Innigkeit.

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Dreimal begleitet ihn dabei Marianne Altstetter mit glockenreiner Stimme im Choral. Man hätte glauben können, die Putten der Klosterkirche würden plötzlich durch das Kirchenschiff schweben, so zart berührten sich Spiel und Gesang. „Sie werden sich fragen, warum spielt der das?“, hatte Gerhard Gnann vor dem Konzert angekündigt. Die Rede war von Olivier Messiaens „Les ressucités et la lumière de la vie“ aus Livre du Saint Sacrament. Das Stück lässt den Himmel einstürzen, bevor es den Weg aus der Hölle zeigt. Hätte der Künstler nicht auf diese Gegensätze hingewiesen, der Hörer wäre erschrocken, von der reißenden Klangwelle mitgerissen worden, bevor er den musikalischen Lichtpunkten hätte folgen können, die aus den Tiefen des Hades zum Licht der Auferstehung strebten.

Mit Guy Bovets tänzerischem „Salamanca“ hatte alles begonnen, mit dem Ohrwurm „Guten Abend gut Nacht“ endete das Konzert. Es war ein Erlebnis. Der Beifall wollte kein Ende nehmen. (mde)

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