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05.05.2017

Mit Literatur hoch hinaus

Lichtwarck-Aschoff liest im Münsterturm

Eine Lesung im Ulmer Münsterturm – das gab es noch nicht. Entsprechend groß war das Interesse an dieser auf wenige Besucher begrenzten Lesung im Rahmen der „Literaturwoche an der Donau“. 40 Gäste, mehr durften den steilen Weg hinauf in die Turmhalle nicht antreten. Einerseits aus Sicherheitsgründen, andererseits auch, um eine lauschige Atmosphäre für diese Lesung herzustellen. Oben wurde das Publikum bereits erwartet vom Augsburger Autor Michael Lichtwarck-Aschoff, seinem Verleger Hubert Klöpfer sowie den Musikern von „Les Mauvaises“, die mit Songwriting den Abend stimmungsvoll begleiteten.

Der Turmsaal bildete eine beeindruckende Kulisse für die Lesung – wohl die erste Veranstaltung im Münsterturm seit rund 150 Jahren. Dafür hatten sich die Macher der Literaturwoche zusammen mit dem Turmwart Florian Gumper den Roman „Hoffnung ist das Ding mit Federn“ ausgesucht, das Michael Lichtwarck-Aschoff als augenzwinkernde Lehrstücke vom Fliegen als „Drei Versuche und ein halber“ 2016 veröffentlichte. Eine überaus schön komponierte Collage aus den Lebensgeschichten schwäbischer „Flugpioniere“, ob sie nun wirklich in die Luft aufstiegen wie der „Schneider von Ulm“ oder nur in ihrer Fantasie abhoben wie der „Ikarus vom Lautertal“, Gustav Mesmer. Historischen Figuren aus dem 17. bis 20. Jahrhundert gibt Lichtwarck-Aschoff eine Stimme. Sie alle eint der Freiheitsdrang und das Scheitern.

Literarisch betrachtet ist der Autor spätberufen: der 1946 Geborene begann erst nach dem aktiven Berufsleben als Intensivmediziner zu schreiben. Er wurde 2015 für seine ersten Texte mit dem Schwäbischen Literaturpreis und 2016 mit dem Irseer Pegasus ausgezeichnet. Die einfühlsame, humorvolle Erzählweise beeindruckte auch Verleger Hubert Klöpfer, der als Moderator durch den Abend führte.

Ein wenig kalt mag es in der Turmhalle gewesen sein – dennoch war es ein Experiment das glückte. Das Gruppenerlebnis des abschließenden gemeinsamen Abstiegs wurde auch interessiert vom Münsterplatz aus beobachtet. Dort vermutete man in den Lichtern der Taschenlampen schon eine neue Münsterturm-Beleuchtung. Den Besuchern gefiel die ungewöhnliche Lesung – die ersten wollten, kaum wieder unten angekommen, gleich für die nächste reservieren. (az)

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