1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Mit Marihuana, Machete und Maschinenpistole

Neu-Ulm

13.09.2013

Mit Marihuana, Machete und Maschinenpistole

Bekifft und bis an die Zähne bewaffnet: So ist ein 40-jähriger Mann in einer Nacht im Februar mit seinem Auto durch Weißenhorn gefahren.
Bild: Alexander Kaya

Weil ein Sendener verbotene Waffen besaß, erhält er eine zehnmonatige Haftstrafe

von Jens Carsten

Neu-Ulm Bekifft und bis an die Zähne bewaffnet: So ist ein 40-jähriger Mann in einer Nacht im Februar mit seinem Auto durch Weißenhorn gefahren. Er wurde von einer Polizeistreife gestoppt: Weil die Beamten im Wagen Marihuana fanden und mehrere Messer sowie eine Machete sahen, durchsuchten sie später das Haus des Fahrers. Und staunten nicht schlecht: Denn in den Wohnräumen bei Senden entdeckten sie ein ganzes Waffenarsenal: Der 40-Jährige besaß eine Maschinenpistole älterer Bauart, eine funktionierende halbautomatische Pistole und mehrere Schuss Munition.

Seine Sammelleidenschaft brachte den Mann nun vor ein Neu-Ulmer Schöffengericht, wo er sich gestern wegen eines Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, gegen das Waffengesetz und seiner Fahrt unter Drogeneinfluss verantworten musste. Dank eines Geständnisses, einer bislang juristisch blütenweißen Weste und der Tatsache, dass die Maschinenpistole wegen fehlender Teile nicht schussfähig war, kam der Angeklagte glimpflich davon: Die Schöffen unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer verhängten eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten zur Bewährung und eine Geldbuße in Höhe von 2500 Euro. Außerdem wird der Führerschein des inzwischen 41-Jährigen eingezogen. Einen neuen kann er frühestens in drei Monaten machen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Angeklagte gab zu Protokoll, die Waffen schon seit längerer Zeit zu besitzen. Die Maschinenpistole habe er vor etwa 15 Jahren auf einem Flohmarkt in Ulm für damals 30 Mark „von einer älteren Dame“ gekauft. Ohne Lauf und Magazin, so wie sie im Februar von den Polizisten aufgefunden wurde. „Ich wollte mir die Waffe an die Wand hängen“, sagte der Mann. Obwohl er als Schlosser arbeite, verfüge er nicht über das nötige Fachwissen, die Maschinenpistole „scharf“ zu machen. „Ich sammele einfach gerne, jedem sein Pläsierchen.“ Bereits vor zwei Jahrzehnten habe er die Browning-Pistole, Kaliber 22, von einem amerikanischen Soldaten erhalten, gewissermaßen als Abschiedsgeschenk vor dem Abzug der US-Armee. Die Munition, von der nur einige Patronen zur Maschinenpistole gepasst hätten, habe der Angeklagte einst im Wald gefunden. Von den Manövern der Amerikaner sei einiges übrig geblieben: „Die haben das damals weggeworfen, damit sie ihre Gewehre nicht putzen müssen.“

In Tests des Landeskriminalamts hatten sich Pistole und Maschinenpistole prinzipiell als schussfähig erwiesen. Den fehlenden Lauf der automatischen Kriegswaffe hätte der Sammler aber wohl „nicht so leicht“ beschaffen können, sagte ein Polizist im Gerichtssaal aus.

Auch die Autofahrt unter Drogen gestand der Mann. Er habe „dummerweise“ zuvor bei einer Geburtstagsparty einen Joint mitgeraucht, sei aber noch fahrtüchtig gewesen. Dem widersprach eine Polizistin: Der Mann habe nach dem Stopp „sehr verwirrt“ und teils „orientierungslos“ gewirkt. Den Besitz von insgesamt 8,7 Gramm Marihuana erklärte der Angeklagte so: „Ich hatte einen Bänderriss und war krank geschrieben, da habe ich mir ein bisschen etwas zugelegt.“ Richter Mayer riet: „Lassen Sie künftig die Finger davon.“ Der Angeklagte gab an, der Droge bereits seit Monaten abgeschworen zu haben. Dies konnte er mit Ergebnissen von drei Urintests beweisen, die er auf Eigeninitiative hatte anfertigen lassen. Alle waren negativ ausgefallen.

Staatsanwalt Fratantonio beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr zur Bewährung. Verteidiger Frank Berger hingegen wollte seinen Mandanten lediglich mit einer Geldstrafe bedacht wissen: Der Anwalt legte ein Gerichtsurteil vor, wonach eine zerlegte und damit nicht funktionsfähige Kriegswaffe rechtlich „nur“ als Waffe zu bewerten sei.

Die Schöffen wählten einen Mittelweg aus Haftstrafe und Geldbuße. „Es kommt vor, dass Leute austicken und dann um sich schießen“, begründete Richter Mayer die Entscheidung. Das strikte Waffenverbot in Deutschland habe deshalb durchaus seine Berechtigung. Das Urteil des Schöffengerichts ist noch nicht rechtskräftig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren