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Holzheim

31.07.2019

Mit Mut und Fleiß durch 70 Ehejahre

Pauline und Heinrich Lang können am heutigen Mittwoch nach 70 Ehejahren das sehr seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern.
Bild: Willi Baur

Pauline und Heinrich Lang aus Neuhausen feiern Gnadenhochzeit. Sie können auf ein bewegtes und arbeitsreiches Leben zurückblicken.

Ein ganz seltenes Fest, nämlich die Gnadenhochzeit, können am heutigen Mittwoch Pauline und Heinrich Lang in Neuhausen feiern. Vor 70 Jahren, Ende Juli 1949 also, haben sie auf einem seinerzeitigen Staatsgut im heutigen Serbien geheiratet. Dort hatten sie sich auch kennengelernt. Lange dort geblieben sind sie allerdings nicht.

Im Dezember 1953 siedelte das Paar wie in dieser Zeit viele deutschstämmige Donauschwaben in die junge Bundesrepublik aus. Mit dabei war neben der damals dreijährigen Tochter Eva auch eine Schwester des Vaters. „Ansonsten hatten wir fast nichts“, erinnert sich Pauline Lang. Erste Station der erweiterten Familie in der neuen Heimat: das Hofgut Kern am Brunnenweg im Neu-Ulmer Stadtteil Schwaighofen.

Von Serbien nach Schwaighofen

Dort begann für das Paar, das 1957 noch einen Sohn bekam, ein beruflicher Lebensweg, wie er in seiner Vielfalt kaum zu übertreffen und heute undenkbar sein dürfte. „Wir haben immer hart gearbeitet“, betonen die Eheleute. Während Pauline Lang zunächst Arbeit bei der damaligen Neu-Ulmer Kunststofffirma Zwick und ihr Mann Heinrich auf dem Hofgut fand, wechselte er später zu den Ulmer Traditionsunternehmen Magirus und Telefunken. „Hier hatte ich die erste Bildröhre aus Ulmer Fertigung in der Hand“, berichtet Heinrich Lang nicht ohne Stolz. 1990 ging er in Rente. Zwischenzeitlich hatte sich das tüchtige Paar zu weiteren durchaus gravierenden Veränderungen entschlossen.

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Schon 1961 erwarben die Langs ein landwirtschaftliches Anwesen im Holzheimer Ortsteil Neuhausen, um dort eine Geflügelfarm aufzubauen. Ungefähr 1000 Hühner hatte Pauline Lang fortan zu versorgen, mit Eiern und Schlachtgeflügel ging es jeweils mittwochs und samstags auf den Neu-Ulmer Wochenmarkt. Zur Arbeitserleichterung baute Heinrich Lang seiner Frau selbst eine Geflügelrupfmaschine. Und so ganz nebenbei konstruierte er gemeinsam mit Johann Pietschmann einen Schneepflug. Den montierten sie an einen Traktor, um die damals noch nicht asphaltierten, aber oft schneereichen Straßen im bergigen Ortsteil freizuräumen. „Er wäre sicher ein ideenreicher Maschinenbauer geworden, hätte er die Möglichkeit dazu gehabt“, ist Tochter Eva überzeugt.

1969 erwarben sie den Adler im Pfaffenhofer Ortsteil Roth

Im Juni 1969 dann eine weitere markante Veränderung: Die Eheleute erwarben den „Adler“, das Dorfgasthaus im Pfaffenhofer Ortsteil Roth. 17 Jahre lang bewirtschafteten sie es erfolgreich. Mit allem was dazugehört, versteht sich: Versammlungen, Hochzeiten und andere Familienfeste, ab und an auch ein Leichenschmaus.

Den Rückblick prägen unterschiedliche Erinnerungen. „Ein Familienleben hatten wir in dieser Zeit nicht mehr“, bedauert heute die frühere Wirtin, vor allem für die Kinder sei kaum Zeit geblieben. Die Tochter aber rückt positivere Aspekte in den Vordergrund: Die bei den Gästen besonders beliebten „Göckele“ der Mutter etwa, „ihre legendären Bratwürste und den einzigartigen Kartoffel- und Krautsalat“. Vor allem von der örtlichen Jugend sei ihre Mutter sehr geschätzt worden, erzählt Eva: „Auch zu später Stunde hatte sie noch ein offenes Ohr für so manche Liebeskummergeschichte.“

Allerdings hat das arbeitsreiche Leben im Hinblick auf die Gesundheit auch Spuren hinterlassen, bei Pauline, 87, mehr als bei Heinrich Lang, der auf die 90 zugeht. „Ich kann nicht klagen“, sagt der rüstige Ehejubilar erfreut, wie seine Frau regelmäßiger Leser der Neu-Ulmer Zeitung. Als Gratulantin hat sich heute auch Bürgermeisterin Ursula Brauchle angesagt. Gefeiert wird im Familienkreis: mit Tochter, Sohn und drei Enkeln samt Partnern sowie zur besonderen Freude des Paars auch drei Urenkeln.

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