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Festival

22.02.2017

Mit dem Horn nach Weißenhorn

Zum „Carneval du Cor“ gehören auch Konzerte – hier eines in der Auferstehungskirche Herrlingen. Dieses Jahr wird in der Ulmer Pauluskirche und im Claretinerkolleg musiziert.
Bild: Gerhard Kolb

Rund 100 Musiker treffen sich zum „Carneval du Cor“ in der Fuggerstadt. Dabei soll es alles andere als bierernst zugehen

Hornisten sind gesellige Menschen. Vielleicht, weil sie es sich im Orchester hinten gemütlich machen können und meistens nicht ganz so viel zu tun haben wie die Streicherkollegen. Ein wahrer Ansturm von Hornisten erwartet Weißenhorn am Faschingswochenende: Von Freitag bis Montag geht im Claretinerkolleg zum ersten Mal das internationale Hornfestival „Carneval du Cor“ über die Bühne – mit rund 100 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Kanada, Venezuela und sogar Australien. Sie musizieren gemeinsam, bekommen Tipps von Spitzenkräften ihrer Zunft und wollen vor allem eines: eine Gaudi haben.

Darauf deutet jedenfalls das inoffizielle Motto der von den Organisatoren gerne als „Party-Horntage“ bezeichneten Veranstaltung hin: „Horn und Bier, das rat ich dir.“ Ins Leben gerufen wurde der „Carneval du Cor“ vor 17 Jahren von den beiden aus Augsburg stammenden Hornisten Markus Meyr-Lischka und Benjamin Liebhäuser – beide damals erst Anfang/Mitte 20. Ihnen ging es damals darum, eine Ergänzung zu den Süddeutschen Horntagen in Marktoberdorf zu schaffen. Diese böten, so Liebhäuser, interessante Angebote für Kinder und Jugendliche und aufschlussreiche Vorträge für die ältere Generation, aber wenig „für die Leistungsgruppe in der Mitte“. Um die 30 Teilnehmer hatte der erste „Carneval du Cor“. Die Idee: „Wir hatten vor allem Bock zu spielen“, sagt Liebhäuser. Dieses Jahr findet der (übrigens nicht profitorientierte) „Carneval du Cor“ erstmals in Weißenhorn statt – nachdem er zuvor 16 Jahre lang in der Weidacher Hütte bei Blaustein zu Gast war. Der Wechsel war nötig: Mit den erwähnten rund 100 Musikern ist das Festival groß wie nie, die Teilnehmerzahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Was selbst das Haus St. Claret vor gewisse Probleme stellt. „Wir müssen schon mit Zusatzmatratzen arbeiten“, sagt Co-Organisator Liebhäuser. Das sei aber kein echtes Problem – es werde sowieso manchmal bis morgens um vier Uhr gefeiert und musiziert.

Dass sich so viele für das Wochenende angemeldet haben, liegt nicht nur am erprobt-harmonischen Zusammenspiel von Horn und Bier, sondern auch an den Inhalten.

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Die Teilnehmer, die meisten um die 30, arbeiten zusammen an anspruchsvoller Literatur – 2017 unter anderem von Beethoven, Mahler und Wagner. Betreut werden sie von renommierten Dozenten, darunter Paolo Mendes von den Berliner Philharmonikern oder Francois Bastian und Carsten Duffin vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Diese leiten die Gruppen, bieten aber auch Einzelunterricht an. Am Samstag gibt es zudem eine Ausstellung mit Instrumentenbauern.

Von der Arbeit der Hornisten profitieren aber nicht nur sie selbst: Dozenten und Teilnehmer werden die Ergebnisse des Wochenendes in zwei Abschlusskonzerten präsentieren. Am Sonntag, 26. Februar, um 19.30 Uhr im Claretinerkolleg und am Rosenmontag, 27. Februar, ebenfalls um 19.30 Uhr in der Ulmer Pauluskirche. Der Eintritt zu beiden Abenden, die jeweils unterschiedliche Programme bieten, ist frei. Auch bei den (von Harfe und Percussion unterstützten) Konzerten soll der Spaß nicht zu kurz kommen: Neben ernster Musik werden Filmmusik und ein Abba-Medley erklingen. Fast alle Arrangements wurden eigens für das Festival beauftragt.

Um Lust zu machen auf die Konzerte, wagen sich die Hornisten auch hinaus ins Freie: Bei trockenem Wetter ist am Freitag, 24. Februar, ein gemeinsames „Anblasen“ auf dem Ulmer Münsterplatz geplant. Gegen 18 Uhr wird das Festival mit ein bis zwei einfachen Hornsätzen offiziell eröffnet. Alle Hornisten der Region sind zum Mitspielen bei diesem Flashmob eingeladen.

Bleibt noch eine wichtige Frage: War es am Ende das „Horn“ in Weißenhorn, das die Organisatoren in die Fuggerstadt lockte? Mitinitiator Liebhäuser lacht. Nein, seine Cousine, die beim Bistum Augsburg arbeitet, habe ihn auf das Claretinerkolleg aufmerksam gemacht. Ein schöner Zufall sei es natürlich trotzdem. So wie jener, dass zur ausgewählten Filmmusik auch die zu „Braveheart“ gehört: eine Komposition von Oscar-Preisträger James Horner.

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