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Teddyklinik

09.05.2014

Mit dem Kuschelhasen ins Krankenhaus

Roger Rabbit wird in der Teddyklinik abgehört.
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Roger Rabbit wird in der Teddyklinik abgehört.

Medizinstudenten kümmern sich um 1000 Kinder und deren Lieblinge

Levins großer Kuschelesel hat Kopfschmerzen. Ob das daher kommt, dass er und sein Bruder Lukas zu viel Krach machen, fragt Levin. Oder geht es dem Kuschelesel schlecht, weil er trotz seiner Nussallergie Nüsse fraß? Wie seinem Kuschelesel in der Teddyklinik geholfen werden konnte, fand Levin riesig spannend – und natürlich hatten die jungen „Teddybärologen“, die sich in der Teddyklinik der Uni Ulm zwei Tage lang im Kornhaus um knapp 1000 angemeldete und zahlreiche weitere Kinder kümmerten, die mit Eltern oder Großeltern Kuscheltiere zum Arzt brachten, auch Medikamente für den Esel, für Roger Rabbit, den Hasen, für den Teddy mit der Stechwarze am Fuß oder den Dino mit dem gebrochenen Schwanz: Smarticyllin (bunte Smarties) ist ein hochpotentes Allround-Heilmittel für Kuscheltiere, Grippibärin (Gummibärchen) hilft gegen Husten, Schnupfen und Fieber, und Bonbonin (Traubenzucker) gegen Durchfall und Bauchweh.

Medizinstudenten verschiedener Semester der Uni Ulm werden an zwei Abenden als „Teddybärologen“ ausgebildet, ehe sie in der Teddyklinik den medizinischen Alltag mit ihren künftigen Patienten proben. Der pädagogische Effekt: Den Kindern, die vor allem im Vorschul-, zum Teil auch im Grundschulalter sind, soll die Angst vor Arzt und Krankenhaus genommen werden. Dabei gehen die Studenten ganz auf die Spielwelt der Kinder ein. Ein Labor, ein OP-Raum, Behandlungsräume und echte sterile Kittel auch fürs Kind und seine Mutter gestalten diese Spielwelt. Die Kinder dürfen selbst mit dem Stethoskop das Herz des Kuscheltiers abhören (wobei die Studenten verschiedene Tricks auf Lager haben, den Herzschlag zu imitieren), sie dürfen impfen, Mikroskopieren und Fieber messen.

Im Vorfeld entstanden „echte“ Röntgenbilder, auf denen etwa deutlich zu diagnostizieren ist, dass eine Diddl-Maus ein gebrochenes Beinchen hat, dass ein Teddy Legosteine verschluckt oder einen Klumpen Süßigkeiten im Bauch hat. „Aber kein Kind wird belogen, und wir täuschen auch nicht vor, alle Krankheiten heilen zu können“, sagt Jacqueline Merkle, eine der Organisatorinnen.

Die Krankheiten ihrer Kuscheltiere denken sich die Kinder selbst aus. Meistens sind das Beschwerden, die sie selbst gut kennen: Husten, Schnupfen, Bauchweh, ein Arm- oder Beinbruch – oder auch eine Stechwarze, wie sie ein kleiner Junge gerade erst selbst hatte. Erzählt das Kind bei der Anmeldung von einer schwerwiegenden Erkrankung seines Kuscheltiers, liegt das meist an einer Übertragung von Ängsten des Kindes. Medizinstudenten höherer Semester nehmen sich dann des Kindes und seines Kuscheltieres an. Denn ein Bauchweh des Bären, bei dem das Kind Krebs befürchtet, kann sich via Röntgenbild als verschluckter Legostein herausstellen. „Dann ,operieren’ wir mit dem Kind, oder der Bär bekommt ein Abführmittel“, erzählt „Chefarzt“ Felix. Eine geplatzte Naht nähen dürfen allerdings nur Studenten, die auch im Alltag mit Nadel und Faden umgehen können.

Am Wasserkocher die Pfote verbrannt

Alexander Junker, Vera Diete, Silvia Hiemann und all die anderen Studenten haben alle Hände voll zu tun. Patrick Friz verbindet einen Hasen, der sich am Wasserkocher die Pfote verbrannt hat, Katharina Oswald bestimmt die Blutgruppe einer Stofftierkuh: „Kühe haben wohl Blutgruppe A“, meint sie. Begeistert sind Carmen Kleber und Martina Groner, Erzieherinnen im Kindergarten Mariengarten, als sie mit ihrer Gruppe und all den medizinisch versorgten Kuscheltieren aus dem Kornhaus gehen. „Die Studenten haben sich so toll um die Kuscheltiere gekümmert. Und am tollsten fanden die Kinder, dass es sogar verschiedene Medikamente gab.“

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