1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Mit dem Sauger gegen gefährliche Raupen

Landkreis

06.06.2018

Mit dem Sauger gegen gefährliche Raupen

Den Raupen geht’s an den Kragen: In Senden sind die Fachleute derzeit in mehreren Gebieten aktiv. Ein Mitarbeiter saugt die kleinen Tierchen mit einem Industriesauger bei der Lindenhofschule ein. 

Der Eichenprozessionsspinner kann gefährlich für Menschen und Tiere sein – und ist dieses Jahr besonders stark verbreitet. Wie die Gemeinden in der Region damit umgehen.

Sie sind grau, haarig und nur wenige Zentimeter groß: die Raupen des Eichenprozessionsspinners. An sich mag das Tierchen süß erscheinen, aber es hat giftige, kaum sichtbare Härchen. Besonders im Frühsommer ist das Insekt gefährlich, denn vor seiner Verpuppung hat es besonders viele Haare.

Die spitzen Raupenhärchen brechen leicht ab und können Menschen und Tieren gefährlich werden, wenn sie in die Haut eindringen und in die Augen und Atemwege gelangen. Dort lösen sie allergieähnliche Symptome aus: Entzündungen, Pusteln und Knötchen – schlimmstenfalls sogar Bronchitis, Bindehautentzündung sowie allergische Schockreaktionen.

Der beste Schutz: Befallene Gebiete meiden und Hinweisschilder beachten – dazu rät jedenfalls Martin Küfer vom Öffentlichen Gesundheitsdienst im Landratsamt Neu-Ulm. Besteht der Verdacht, mit den Härchen in Berührung gekommen zu sein, sollte geduscht und die Kleidung gewaschen werden. Die Symptome treten meist erst am nächsten Tag auf und sollten von einem Arzt untersucht werden. Behandelt werden die Symptome mit Medikamenten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Außenbereich am Hallenbad in Senden ist wieder auf

Lange galt der Eichenprozess-ionsspinner als fast ausgestorben, doch seit den 1990er-Jahren breitet er sich wieder aus. Auch in der Region tritt der Eichenprozessionsspinner immer häufiger auf – und dieses Jahr stärker als zuvor.

Die Stadt Senden ist derzeit ganz aktuell betroffen. Seit Ende vergangener Woche sind einige Plätze im Stadtgebiet und den Ortsteilen gesperrt. Eine private Fachfirma ist seit Montag dabei, die Gebiete nach und nach von den Raupen zu befreien. Mitarbeiter der Firma fahren mit einer Hebebühne an die betroffenen Stellen am Baum heran und saugen die Raupen dann mit einem speziellen Staubsauger ab. Die Eichenprozessionsspinner an den Bäumen des Waldfriedhofs wurden wegen einer anstehenden Beerdigung zuerst entfernt. Wie Zweiter Bürgermeister Josef Ölberger im Ausschuss sagte, ist seit Dienstagnachmittag der kurzzeitig gesperrte Außenbereich am See- und Hallenbad wieder nutzbar, ebenso die Spazierwege an der Iller und auch ein Bereich an der Engelhart-Schule ist frei von den Insekten. Am gestrigen Mittwoch war dann der Sportplatz in Aufheim an der Reihe und eine stark befallene Eiche an der Lindenhofschule.

Helmut Rogg vom Technischen Betriebshof sagte, dass nun nach und nach die anderen betroffenen Stellen dran kommen: der Waldkindergarten, der Trimm-dich-Pfad und kleinere Teilbereiche. Auch die Spielplätze werden in nächster Zeit verstärkt kontrolliert. „Wir treffen zwar Vorsorgemaßnahmen, aber auch wir haben dieses Jahr mit einer größeren Population der Tiere zu tun“, sagt Rogg. Im Frühjahr habe man einige Bäume, die jedes Jahr befallen waren, sozusagen geimpft. Mithilfe eines großen Gebläses seien die Eichen vor der Verpuppung eingenebelt worden – mit Erfolg, wie sich jetzt zeigt. Die Bäume sind bisher nicht befallen. Doch das ändere sich auch schnell mal, sagt Rogg.

In Vöhringen werden die Tierchen verbrannt

Auch Vöhringen hat mit besonders starkem Raupenbefall zu kämpfen. „Das liegt möglicherweise auch am milden Winter“, heißt es vom Bauamt. Die ersten Fälle in Vöhringen, am See und Sportpark, und Illerberg wurden Mitte Mai registriert, seitdem sind zwölf Bäume behandelt worden. Andreas Macht vom Städtischen Bauamt sagt, dass nicht alle Tierchen entfernt werden. In Wäldern etwa dürfen sie sich entwickeln – anders sieht es in Gebieten aus, in denen sich Menschen oft aufhalten. Denn im Zweifel geht die Gesundheit der Menschen vor. Generell entfernt die örtliche Feuerwehr die Tierchen im Vöhringer Gebiet. Dort, wo sie nicht hinkommt, werden Firmen beauftragt. Diese töten die Insekten mit einem sogenannten Flammen-Brenner. Die Hitze sorgt dafür, dass auch möglicherweise umherfliegende Härchen verbrennen – die ja das Gefährliche sind. Deswegen arbeitet die Feuerwehr auch in Schutzanzügen.

In Elchingen taucht der Eichenprozessionsspinner seit 2014 regelmäßig auf und es werden von Jahr zu Jahr mehr. „Wir kommen zurzeit kaum noch hinterher“, sagt Josef Mayer vom Bauhof Elchingen. Er hat in diesem Jahr bereits rund 15 Bäume mit Raupennestern begutachtet. Einige der Nester sind so groß wie Fußbälle. An öffentlichen Rad- und Gehwegen, an denen betroffene Bäume stehen, haben die Mitarbeiter des Bauhofs Hinweisschilder angebracht. „Zum Glück sind die Bäume an der Schule nicht befallen“, sagt Mayer. In anderen Teilen Deutschlands sei es schon zu vorübergehenden Schließungen gekommen.

Anfang Juli sollte der Spuk ein Ende haben. Dann haben sich die Raupen in ihren Kokon gesponnen und warten darauf, zu Schmetterlingen zu werden. Die Gefahr durch giftige Härchen bleibt jedoch: Die abgebrochenen Raupenhaare in der Umgebung können auch Jahre später noch allergische Reaktionen auslösen, wenn sie jemand berührt.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
180920_UlB%c3%b6fgn_raz_04.jpg
Ulm

Böfinger Steige: Auto kracht in Tram

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen