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Reportage

09.06.2012

Mit den Wolken auf Augenhöhe

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2 Bilder
Ballonfahren ist seine Leidenschaft: Walter Kuhn ist seit zwölf Jahren mit Heißluftballons unterwegs.

Noch immer ist eine Ballonfahrt in luftigen Höhen eine faszinierende Erfahrung

Senden Es ist unerwartet ruhig im Ballonkorb. Kaum ein Lüftchen regt sich, nur über den Köpfen der Passagiere ertönt hin und wieder das Rauschen des Doppelbrenners, der die Luft im Inneren des Ballons erhitzt. Ballonpilot Walter Kuhn zeigt mal nach links, mal nach vorne: „Da drüben ist Witzighausen, und das da ist Vöhringen.“ Der weiße Heißluftballon, der vor wenigen Minuten nahe dem Sendener Waldfriedhof gestartet ist, gleitet jetzt in rund 900 Metern Höhe sachte dahin.

Bereits seit zwölf Jahren transportiert Walter Kuhn, gebürtiger Sendener und im Hauptberuf Techniker, auf diese Weise Fluggäste durch die Region. Ein Ballon fliegt nicht, er fährt, betont Kuhn, und das lasse sich einfach erklären: Die Ballons erhalten ihren Auftrieb nicht durch die Kraft eines Motors, und allein der Wind bewegt sie vorwärts, einem Schiff auf dem Wasser ähnlich. Deshalb hat Kuhn die zu erwartende Flugrichtung vor dem Start mithilfe eines Gasluftballons getestet. Seine Bewegung lässt erkennen, wohin es nun gehen wird. Und abhängig von der Flughöhe lässt sich der Ballon später umdirigieren, denn je nach Luftschicht variiert auch die Windrichtung. Solche Feinheiten hat Kuhn in der Ausbildung zum Ballonpiloten gelernt, die er im Jahr 2000 abschloss.

Wo der Ballon landet, ist stets ungewiss

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Von seinen ersten Fahrten kehrte Kuhn begeistert zurück. Eine Zeit lang war er bei anderen Piloten als sogenannter Verfolger unterwegs, die bei solchen Fahrten den Piloten samt Gästen mit dem Auto zum Ausgangspunkt zurückbringen. Dann erwarb er seine Lizenz. Theorieunterricht und Praxisstunden sind dabei Pflicht. „Ballonfahren macht einfach süchtig“, sagt der 46-Jährige, der an seinem Hobby den Kontakt zu den Passagieren ebenso schätzt wie das Abenteuer: „Man weiß vorher nie, an welchem Ort man rauskommt.“

Zugelassen ist Kuhns Sendener Ballon – er hat noch zwei weitere in Betrieb – für eine Maximallast von 980 Kilogramm. Das Eigengewicht von Hülle und Weidenkorb beträgt bereits 470 Kilo. Einer der Gründe, aus denen es nahezu unmöglich ist, eine Ballonfahrt ganz allein zu unternehmen. Die Passagiere und ebenso die Zuschauer, die Start und Landung eines Ballons meist anziehen, legen mit Hand an, wenn Korb und Ballonhülle ausgepackt oder verstaut werden. Und dann gibt es ja noch die Verfolger.

Bei Kuhn übernimmt diese Rolle Ehefrau Sabine, selbst leidenschaftliche Ballonfahrerin. Und auch der sechsjährige Sohn Nikolas ist dabei, der den Fahrgästen gleich zu Beginn versichert hat, dass sie vor dem Ballonfahren überhaupt keine Angst haben müssten.

Denn leichte Bedenken gibt es anfangs schon unter den fünf Passagieren. „Haben Sie auch Schiss?“, fragt die Nersingerin Sigrid Jackl beim Anblick des Ballonkorbs. Doch die Skepsis verfliegt schnell. „Wahnsinn!“, sagt sie wenig später, als der Ballon bereits auf 2200 Metern zwischen kleinen Wolken schwebt. Auch Lebensgefährte Wilhelm Stetter ist begeistert von dieser Erfahrung. Er hat die Fahrt als Geschenk bekommen, zur Verabschiedung als Kommandant der Feuerwehr Hittistetten.

Bei ruhiger Wetterlage wackelt nichts

Tatsächlich habe es bei all seinen bisherigen Fahrten nie einen Besucher gegeben, der aus Höhenangst oder Unwohlsein um eine vorzeitige Landung bat, berichtet Kuhn. Weil es keinen Bodenkontakt gibt und der Wind den Ballon mit sich treibt, kommt bei ruhiger Wetterlage nichts ins Wackeln. Und auch Unfälle hat Kuhn keine zu verzeichnen, „wir gehen nur rauf, wenn das Wetter wirklich gut ist“, erklären die Kuhns. Sollte ein Notfall eintreten, hieße es im Ballon „Wir gehen runter“, betont Sabine Kuhn.

Bis zu 70 Kilometer pro Stunde erreicht der Ballon an diesem sonnigen Abend. Von der Geschwindigkeit ist wenig zu spüren. Ein bisschen holprig ist nur die Landung – der Ballon muss auf dem Feld in Billenhausen nahe Krumbach erst zum Stehen kommen.

Eine richtige Bilderbuchfahrt sei das gewesen, meint der Pilot, während die Sektflasche für die Ballontaufe geöffnet wird.

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