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Neu-Ulm

03.03.2020

Mit wirren Gedanken gegen Kleingeister: Rolf Miller im Edwin-Scharff-Haus

Kabarettist Rolf Miller präsentierte sich im Edwin-Scharff-Haus, Neu-Ulm breitbeinig und laut - um die Breitbeinigen und Lauten dieser Welt auf die Schippe zu nehmen.
Bild: Andreas Brücken

Der Kabarettist Rolf Miller amüsiert im Edwin–Scharff-Haus mit seinem Humor jenseits von Sinn und Grammatik.

Anstrengende Menschen wie Rolf Miller sind nicht selten an Stammtischen anzutreffen. Erträglich ist diese Gattung mit ihrer verdrehten Sicht der Realität jedoch eher als Kunstfigur auf der Bühne – mit Erfolg: So durfte der Kabarettist Miller mit seinem aktuellen Programm „Obacht“ ein fast ausverkauftes Edwin-Scharff-Haus unterhalten.

Rolf Miller gibt seit mehr als 20 Jahren den Bühnen-Proll

Vor mehr als 20 Jahren hat Miller die Bühnenfigur des kauzigen Phrasenklopfers erfunden. Sein Markenzeichen ist die Pointe, die meistens jenseits von Sinn und Grammatik folgt. Die Wahrheit sei ein „zweigleisiges Schwert“ und wenn in der Tagesschau Klimaschützerin Greta Thunberg von „Friday for Future“ spricht, wischt Miller das Thema einfach vom Tisch: „Nach der Eiszeit kommt immer wieder eine Heißzeit – das hat doch nichts mit Freitag zu tun.“ Sitzend, die Knie weit auseinander, philosophiert der Comedian im breiten odenwäldischen Dialekt über die Welt und seine Heimat: „Ich wohne bei mir daheim ums Eck.“ Als würden seine Worte der Bedeutung davongaloppieren, liefert Miller Sprüche wie: „Der Motorhead ist gestorben und singt auch nicht mehr – aber die Musik von Helene Fischer ist optisch gut.“

Ja, man müsse auch mal über Humor lachen können, erklärt Miller und nimmt einen weiteren Schluck aus seiner Wasserflasche, die sich, neben einem Stuhl, als einziges Requisit auf der Bühne befindet. Auch über den Sport macht sich Miller seine Gedanken, die durchaus amüsant verworren sein können: Bei der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft sei die deutsche Mannschaft mit einem Fuß schon im Finale gestanden, wenn sie nicht in den ersten drei Spielen verloren hätte, lautet Millers Analyse. In der Welt der Politik kennt sich Miller offenbar auch aus: „ Friedrich Merz , der als CDU-Spitzenkandidat antreten will, ist wie eine Ratte, die zum sinkenden Schiff hin schwimmt.“ Angela Merkel sei während ihrer Amtszeit nicht weiter als bis zum Buchstaben „A“ gekommen: „Atom und Asyl – mehr hat sie nicht geschafft.“

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Der Kabarettist Rolf Miller schöpft Humor aus seinen wirren Gedanken

Die Bildung sei für Miller schon als Kind nur ein Umweg gewesen, wie er sagt, weil er schon früh sein Ziel abgesteckt hätte: „Ich hab schon im Kindergarten gewusst, dass ich später mal ein gescheites Auto mit Turbodiesel haben möchte.“

Rund zwei Stunden poltert Miller mit verdrehten Wahrheiten durch sein Programm, mit dem er sich bis an den Rand des Anstands wagt: „Ich brauche keine Flüchtlinge, weil ich zuvor schon ausländerfeindlich war.“ Der Comedian legt bewusst seiner Figur die Dummheiten des einfältigen Kleingeistes in den Mund und führt ihn zum Spott des Zuschauers ins Absurde.

Ein ganzer Abend mit Miller mag deswegen bisweilen anstrengend sein – doch seine Fans lieben die wirren Gedanken und quittieren den Auftritt mit lang anhaltendem Applaus.

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