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29.11.2018

Mitarbeiter im Rathaus schaffen die Arbeit nicht

Die Mitarbeiter im Rathaus sind überlastet.
Bild: Roland Furthmair

Die städtischen Angestellten sind offenbar völlig am Limit. Deswegen bleiben viele Projekte liegen.

Auf den Schreibtischen im Rathaus türmen sich offenbar die Akten: In der Sitzung des Hauptausschusses berichteten die drei Geschäftsbereichsleiter über Mitarbeiter, die am Limit arbeiten und ein Übermaß an Aufgaben. Wegen akuter Zeitnot liegen sogar Projekte brach. Der Ausschuss beschloss nun zusätzliche Stellen.

Im Geschäftsbereich eins (Planen, Bauen, Umwelt) herrscht eine Projektflut. Keine Zeit bleibt nach den Worten von Stadtbaumeisterin Manuela Huber im Bauamt beispielsweise für die dringend notwendige Überarbeitung von Bebauungsplänen aus früheren Jahrzehnten, ebenso für von Grundstückseigentümern initiierte Bebauungspläne. Die Vielzahl laufender Projekte hat offenbar mehr und mehr personelle Ressourcen geschluckt. „Für langfristige Stadtplanungsstrategien fehlt uns die Zeit“, erklärte Huber. Doch auch beschlossene Vorhaben gehen nicht voran: Für die Erweiterung des beengten Kindergartens Ay und den Umbau des Feuerwehrhauses Wullenstetten etwa ist aktuell kein Mitarbeiter da. Auch mit der Untersuchung der Bausubstanz in der Weberei kann sich derzeit niemand befassen, ebenso mit den Konsequenzen aus der Analyse des Sendener Straßenzustands, die das Unternehmen „Eagle Eye“ durchgeführt hat. Zu solchen Projekten kommt der laufende Betrieb mit seinen vielschichtigen Aufgaben vom technischen Unterhalt über Verkehr bis zur Bearbeitung von Bauanträgen. „Die Belastung ist für alle Beteiligten sehr hoch“, fasste Huber zusammen, die Situation „sitzt einem sehr im Nacken, und das geht zulasten der Qualität“.

Ein Konzept für die Parkbühne kann nicht erstellt werden

Glücklich ist auch Walter Gentner, Leiter des Geschäftsbereichs 2 (Bildung, Kultur, Vereine), nicht. „Wir reagieren nur und agieren viel zu wenig“, bilanzierte er, die Dauerbelastung des Teams sei auf längere Sicht „nicht vertretbar“. Auf der Führungsebene fehle die Zeit für konzeptionelle Arbeiten, weil neben Führungsaufgaben die Sachbearbeitung zum Tätigkeitsbereich gehört. In einzelnen Bereichen fehlten Mitarbeiter, etwa im Kulturbüro, wo Felder wie die Mehrauslastung des Bürgerhauses oder das Erstellen eines Veranstaltungskonzepts für die Parkbühne nicht bearbeitet werden.

Der Geschäftsbereich 3 (Finanzen) leide ebenfalls unter Personalmangel: So müsse die Renten- und Sozialversicherungsstelle aufgestockt werden, um die langen Wartezeiten für Beratungen abzubauen. Weil die öffentliche Hand künftig besteuert wird, brauche es einen Mitarbeiter, der sich diesen Änderungen widmet, deren weitere Auswirkungen noch unklar sind, so Kämmerer Manuel Haas. In der Finanzverwaltung herrsche mittlerweile ganzjährig „Stoßzeit“, darunter leide die Qualität. Die Führung sei bereits jetzt überlastet, der Arbeitsdruck sehr hoch, „eine unbefriedigende Situation, wenn man von Termin zu Termin hetzt“, er müsse oft „jonglieren“. „Die Mitarbeiter arbeiten deutlich an ihren Leistungsgrenzen“, fasste Bürgermeister Raphael Bögge zusammen.

Stadträte: Bögge soll sein Haus ordnen

Die Stadträte zeigten sich überrascht von der brisanten Personalsituation. Zu hören, dass wichtige Projekte wie die Erweiterung des Ayer Kindergartens nicht laufen, „hat mich aus den Schuhen gehauen“, sagte CSU-Sprecherin Claudia Schäfer-Rudolf, „wir haben noch nie erfahren, welche Defizite es im Haus gibt“. Möglicherweise wären Entscheidungen anders gefallen, wäre der Rat über die Lage informiert gewesen, sagte sie. „Stadtentwicklung im Schweinsgalopp“ funktioniere nicht. „Wir sind von einem Projekt zum nächsten getrieben worden“, kritisierte Hans-Manfred-Allgaier (CFW/FWG). Er machte „Fehler im Führungsmanagement“ aus, Bögge möge „sein Haus ordnen“ und zwar „von oben nach unten“.

Eine Stellenmehrung allein genüge nicht, merkte Maren Bachmann (SPD) an: Es gehe ebenso um die Beschleunigung von Prozessen und höhere Effizienz. Eine Organisations- und Stellenuntersuchung durch ein externes Büro, wie von der Verwaltung gefordert, brauche es nicht, so Bachmann. Diese Untersuchung werde nichts bringen, glaubte ebenso Heinz-Peter Ehrenberg (Grüne). Eine solche sei vor Jahren schon erfolgt, aber nie umgesetzt worden. Mehr bringe eine Prioritätenliste hinsichtlich der Projekte. Diese Dinge und auch eine Liste, wer in der Verwaltung welche Aufgaben hat, forderten die Räte schon lange.

Der Vorwurf der fehlenden Information treffe nicht zu, wehrte sich der Bürgermeister. Es sei aber „wichtig, dass wir das endlich mal diskutieren“. Gemäß dem Vorschlag der Verwaltung soll jeder der drei Geschäftsbereiche im nächsten Jahr einen zusätzlichen Mitarbeiter bekommen. Eine Untersuchung lehnte der Ausschuss aber ab.

Die Diskussion ist geschlossen.

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